The Bluff: Kritik zum Amazon Film – Prime Video entfesselt die Piraten!

The Bluff Amazon Prime Video Film 2026
TitelThe Bluff
Genre Action, Thriller
Jahr2026
FSK16
RegieFrank E. Flowers

Starttermin: 25.02.2026| Prime Video

Amazon jagt das Piraten-Filmgenre über die Planke

Mit Piratenfilmen verhält es sich, wie mit dieser einen Flasche semi-guten Rums, die im hintersten Eck der Hausbar langsam Staub ansetzt: Lange Zeit rührt sie kein Mensch an, weil man weiß, dass der Inhalt eigentlich nur Kopfschmerzen verursacht. Doch dann kam im Jahr 2003 plötzlich ein torkelnder Johnny Depp um die Ecke, polierte das verkrustete Genre mit „Fluch der Karibik“ einmal kräftig auf Hochglanz und machte die Totenkopf-Flagge wieder zum Goldstandard der Popkultur. Doch genau wie bei einer feucht-fröhlichen Nacht auf Tortuga folgte auf das Hoch der unvermeidliche Kater: Das Genre segelte postwendend zurück in die Bedeutungslosigkeit und galt seither – mal wieder – als mausetot. Doch plötzlich taucht am Horizont ein dunkler Schatten auf. Mit „The Bluff“ versucht Amazon nun das Unmögliche und schickt einen neuen Kahn zur See, um die morsche Planke des Piratenfilms auf der hauseigenen Streamingplattform Prime Video eigenhändig zu sanieren. Da stellt sich natürlich die alles entscheidende Frage: Ist das etwa das „Fluch der Karibik 2.0“, auf das Fans seit dem letzten, mittlerweile fast neun Jahre zurückliegenden Teil der Reihe gewartet haben? Oder ist der Titel am Ende Programm und Amazon serviert uns hier nur einen gewaltigen Bluff, der schneller absäuft als eine durchlöcherte Jolle beim Hochseegefecht? 

The Bluff Amazon Prime Video Film 2026
The Bluff ©Amazon MGM

Im Zentrum von Amazons „The Bluff“ steht Ercell – gespielt von „Citadel“-Darstellerin Priyanka Chopra Jonas –, die sich auf den abgelegenen Kaimaninseln des 19. Jahrhunderts eine mühsam erkämpfte, friedliche Existenz als liebende Mutter und Ehefrau an der Seite ihres Mannes T.H. Bodden (Ismael Cruz Córdova) aufgebaut hat. Doch hinter der scheinbar makellosen Fassade der braven Dorfbewohnerin verbirgt sich ein gefährliches, dunkles Geheimnis: In einem früheren Leben war Ercell die berüchtigte und gefürchtete Piratin Bloody Mary, deren Name einst Schrecken auf den Weltmeeren verbreitete. Diese mörderische Vergangenheit holt sie schließlich gewaltsam ein, als ihr ehemaliger Liebhaber, der sadistische Captain Connor (Karl Urban), mit seiner skrupellosen Crew an den Küsten der Insel landet. Getrieben von der unbändigen Gier nach Gold und dem tiefen Durst nach Rache, beginnt er eine gnadenlose Jagd. Als die Piraten das idyllische Dorf mit brutaler Härte terrorisieren und Ercells Sohn Isaac (Vedanten Naidoo) unmittelbar bedrohen, zerbricht ihre mühsam errichtete Welt der Ruhe augenblicklich. Um ihre Liebsten vor dem sicheren Tod zu bewahren, sieht sie sich gezwungen, die unterdrückte, tödliche Bestie in ihrem Inneren wiederzuerwecken und ihre alten, blutigen Instinkte erneut zum Einsatz zu bringen.

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Bloody Mary, Bloody Mary, Bloody…

Eine alte Legende besagt, dass jene mutige Seele, die dreimal den Namen Bloody Mary vor einem Spiegel flüstert, das Unheil direkt aus der Finsternis heraufbeschwört. Man bekommt unweigerlich das Gefühl, dass in den klimatisierten Konferenzzimmern von Amazon MGM jemand diese Warnung sträflich ignoriert hat. Nachdem der ursprüngliche Deal mit Netflix im Sande verlaufen war, schien der Name der berüchtigten Piratin wohl ein paar Mal zu oft durch die Flure der Führungsetage der Streamingkonkurrenz gegeistert zu sein – denn nun ist „The Bluff“ tatsächlich über uns gekommen. Wer jetzt jedoch auf opulente Seeschlachten, schwingende Enterhaken und lautstarkes Säbelrasseln auf überfüllten Achterdecks hofft, wird schnell feststellen, dass der Filmtitel tatsächlich bittere Realität ist. Dass ledrige Augenklappe, hölzerne Beinprothese und geschulterter Tropenpapagei eher kindgerechten Erzählungen entspringen, dürfte klar sein – wie wenig „The Bluff“ letztlich mit seinem maritimen Setting anfängt, ist dennoch eine handfeste Enttäuschung. Statt an abgelegenen Buchten zu ankern oder verborgene Höhlen mit geheimen Unterwasserzugängen zu erkunden, serviert Amazon eine handelsübliche Rachegeschichte, angesiedelt in den subtropischen Trockenwäldern der Kaimaninseln. Nach einer kurzen Eröffnung im peitschenden Regen stürmischer Gewässer wird auch schon geankert – und die bekannte Dramaturgie nimmt ihren vorherbestimmten Lauf. Die gesättigten Landschaftsaufnahmen, die dabei abspringen, sind zwar hübsch anzusehen, werden aber immer wieder von unübersichtlichen Nachtsequenzen unterbrochen, die jeglichen Kontrast im digitalen Schwarz ersäufen.

The Bluff Amazon Prime Video Film 2026
The Bluff ©Amazon MGM

Mittendrin liefert sich Priyanka Chopra Jonas („Head of State“) einen vorhersehbaren Schlagabtausch mit Karl Urban („The Boys“), der eher an die blutigen Feldzüge eines John Rambo als an Jack Sparrows quirligen Abenteuersinn erinnert – und das in seltsam zerfaserter Form. Denn trotz einer moderaten Brutto-Laufzeit von 103 Minuten verliert sich die monotone Handlung viel zu häufig in Nebensächlichkeiten, die weder die Welt noch deren Figuren sinnvoll erweitern. Sie bleibt die Frau, die ihr neues Leben verteidigt; er der generische, eindimensionale Bösewicht – so weit, so bekannt, so langweilig. „The Bluff“ scheitert also weniger daran, die Piratenkarte kaum auszuspielen, sondern an der vollkommen austauschbaren Erzählung. Daran ändert auch die angenehm geerdete, phasenweise ungeschönte Gewaltdarstellung nichts. Die Chance, die visuelle Härte als ästhetisches Stilmittel bis an die Grenzen auszuloten, lässt das Amazon Original nämlich weitestgehend ungenutzt. Was bleibt, ist bleierner Ernst, der in den Momenten der ultimativen Eskalation wiederholt zurückweicht. Als geistiger Vetter brachialer Genre-Kost à la „John Rambo“ hätte „The Bluff“ durch eine konsequente Exploitation-Ästhetik eine eigene Daseinsberechtigung finden können,  doch immer dann, wenn die Gewalt physisch spürbar werden müsste, flüchtet die Regie in die prüde Sicherheit des Offs. Während die Machete im Fleisch noch statisch verharren darf, wird bei der Wucht einer Kanonade, die einen Körper auf kurze Distanz zermalmt – was immerhin auf der Tonspur angedeutet wird – lieber weggeblendet. Zurück bleibt ein humorloser Actionthriller ohne innovative Impulse und frei von der düsteren Romantik, die dem Piratengenre sonst innewohnt.

The Bluff Amazon Prime Video Film 2026
The Bluff ©Amazon MGM

Fazit

„The Bluff“ lässt das Piraten-Setting nahezu ungenutzt und bietet stattdessen austauschbare Action von der Stange. Somit bleibt Amazons Ausflug in die Karibik genau das, was der Titel bereits prophezeite: Ein großspuriges Täuschungsmanöver, das am Ende ohne Beute im Hafen der Belanglosigkeit dümpelt.

Bewertung: 2 von 5.
Amazon Prime Video

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