| Titel | Night of the Reaper |
| Genre | Horror |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Regie | Brandon Christensen |
Kinostart: 27.02.2026
Babysitten ist auch 2026 noch gefährlich
Die einen können nicht genug davon bekommen, die anderen haben längst die Schnauze voll. Doch eines ist sicher: Retro-Horror ist nicht totzukriegen. Bunte Neonlichter, Synth Beats und handgemachte Gore Effekte – die Nostalgie für Horror im 80er Jahre Gewand hat sich inzwischen zu einem eigenen Subgenre entwickelt. Erst vor wenigen Monaten ging „Stranger Things“ mit anhaltend riesigem Erfolg zu Ende, Filme wie „Es“, „Summer of 84″ oder das „Fear Street“-Franchise locken mit ihrer Ästhetik und ihrem authentischen Gespür für die Ära ein Millionenpublikum an. Und auch im noch jungen Jahr 2026 halten Produktionen wie „The Last Video Store“ die Nostalgiewelle am Leben.

Der neue Mystery-Slasher „Night of the Reaper“ reiht sich mühelos in diesen 80er-Jahre-Retro-Horror ein. Regisseur Brandon Christensen ist im Genre kein Unbekannter. In den vergangenen Jahren konnte er mit Filmen wie „Superhost“, „The Puppetman“ oder „Z“ viele Genrefans für sich gewinnen, und mit „Bodycam“ steht bereits der nächste Gruselschocker in den Startlöchern. In „Night of the Reaper“ wird eine Kleinstadt von einer brutalen Mordserie erschüttert. Als die junge Deena (Jessica Clement) in ihre Heimat zurückkehrt und spontan einen Babysitter Job annimmt, gerät sie ins Visier des Killers – und könnte dessen nächstes Opfer werden.

Throwback Slasher mit frischer Klinge
Viele Filmemacher versuchen sich am 80er-Jahre-Retro-Horror, doch nur wenigen gelingt, was Brandon Christensen mit „Night of the Reaper“ schafft: ein warmes Gefühl von Vertrautheit. Der Film wirkt nicht wie eine lieblos zusammengewürfelte Ansammlung greller Outfits und erzwungen platzierter Nostalgie Requisiten, sondern versetzt einen tatsächlich zurück in die eigene Kindheit. Dieses Gefühl, wenn man eigentlich schlafen sollte, aber heimlich unter der Bettdecke Slasher aus dem Nachtprogramm schaut. Schon die Atmosphäre und die Art, Spannung zu erzeugen, orientieren sich klar an den Klassikern. Lange Einstellungen dunkler Gestalten in der Ferne, Gegenstände, die plötzlich an anderen Orten auftauchen, flüchtige Schatten im Hintergrund. Der Grusel ist vertraut, aber effektiv. Auch die Eröffnungsszene bewegt sich irgendwo zwischen „When a Stranger Calls“ und „Scream“.

Doch Christensen verlässt sich nicht allein auf Nostalgie. Er schreit nicht demonstrativ „Schaut her, wie gut ich die 80er nachahmen kann“, sondern fügt dem Ganzen eine frische Note hinzu und schnitzt sich so eine eigene Identität. Jessica Clement behauptet sich als Hauptfigur Deena solide. Sie besitzt vielleicht nicht die ikonische Präsenz einer Laurie Strode oder Sidney Prescott, wächst im finalen Akt jedoch über sich hinaus und bricht überraschend mit einigen Konventionen des klassischen Final Girls. Ins Straucheln gerät der Film bei der Auflösung um die Identität des Reapers. Das Miträtseln funktioniert, die falschen Fährten sitzen, doch hier und da hätte das Drehbuch etwas sorgfältiger ausgearbeitet sein können. Timeline und Motive bleiben stellenweise zu vage, was dem Finale etwas von seiner Wucht nimmt. Trotzdem gilt: Der Weg ist das Ziel. Und dieser Weg macht verdammt viel Spaß.

Fazit
„Night of the Reaper“ ist Retro Horror, der nicht nur zitiert, sondern fühlt. Brandon Christensen trifft den Ton der 80er erstaunlich präzise, ohne sich in bloßer Nostalgie zu verlieren. Kleine Schwächen in der Auflösung trüben den Gesamteindruck etwas, doch Atmosphäre, Spannung und Herz machen das mehr als wett. Ein Film, der vertraut wirkt und trotzdem eine eigene Handschrift trägt.



