Pavane: Kritik zum Netflix Film – So gut ist das K-Drama auf Netflix

Pavane Netflix Film 2026
TitelPavane
Genre Drama, Romanze
Jahr2026
FSK12
RegieLee Jong-pil

Starttermin: 20.02.2026 | Netflix

Drei Seelen, ein Rhythmus

Vergesst das verstaubte 80er-Jahre-Setting der Buchvorlage: Netflix’ „Pavane“ überträgt die Geschichte ins moderne Korea und beweist, dass Einsamkeit und das Gefühl, nicht genug zu sein, zeitlos sind. Entstanden ist eine süße, unkitschige Liebesgeschichte abseits abseits gängiger Genre-Klischees. In der Megacity Seoul, wo jeder Instagram-Post perfekt sein muss, erzählt „Pavane“ eine herrlich unangepasste Story. Im Zentrum steht Mi-jung (Ko Ah-sung), eine junge Frau, die im Kaufhaus den Kopf senkt, weil sie glaubt, ihr Gesicht sei eine Belastung für ihre Umwelt. Doch sie ist nicht allein: Gyeong-rok (Moon Sang-min) ist einer der wenigen Kollegen, die mehr in ihr sehen als nur das hässliche Entlein aus dem Souterrain. Die Annäherung der beiden ist eines der berührendsten Highlights des Netflix-Jahres: vorsichtig, ungeschickt und komplett ohne den klebrigen K-Drama-Kitsch. Der Dritte im Bunde ist Yo-han (Byun Yo-han), ein Rock-Fan mit gebleichten Haaren, der im Laden für die nötige Prise Anarchie sorgt. Zusammen bilden sie weniger eine klassische Dreiecksbeziehung als vielmehr eine Schicksalsgemeinschaft von Menschen, die in der glitzernden Welt Seouls keinen Platz finden.

Pavane Netflix Film 2026
Pavane ©Netflix

Um die Geschichte in die Gegenwart zu verlegen, verschiebt Lee Jong-pil auch den Fokus der Buchvorlage: Weg von der harten Kapitalismuskritik des Romans, hin zu einer rein emotionalen Ebene. Der Film heißt „Pavane“, weil er genau so funktioniert – wie ein langsamer, würdevoller Schreittanz. Dabei bleibt die Erzählung angenehm bodenständig. Es gibt keinen typischen Prinzessinnen-Moment, in dem die Haare geöffnet werden und Mi-jung plötzlich zum Schwan erblüht. Die wahre Verwandlung findet im Inneren statt – und das bei allen Dreien. „Pavane“ stellt dabei eine essenzielle Frage: Können zwei Menschen, die sich selbst für „hässlich“ halten – ob nun äußerlich oder im Herzen –, sich gegenseitig hell genug anstrahlen, um die Dunkelheit zu vertreiben? Das macht „Pavane“ zu einem leisen, intimen Porträt von drei jungen Erwachsenen, die versuchen, in einer lauten Welt ihren eigenen Takt zu finden. Manchmal zieht sich die Langsamkeit zwar etwas zu sehr und man wünscht sich einen Funken mehr Dynamik, doch wer Lust auf eine ehrliche Liebesgeschichte ohne Filter hat, wird hier fündig.

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Ein langsamer Tanz gegen die Einsamkeit Seouls

Regisseur Lee Jong-pil vertraut dabei ganz auf die Macht der Zwischentöne und nutzt die unterkühlte Architektur Seouls als starken visuellen Kontrast zur wachsenden Wärme zwischen den Charakteren. Die Kameraarbeit fängt die Stadt nicht als glitzernde Metropole ein, sondern als einen Ort der gläsernen Barrieren, was die Isolation der drei Hauptfiguren fast physisch spürbar macht. Diese konsequente Entschleunigung ist hierbei die größte Stärke des Films, gleichzeitig aber auch seine Achillesferse: Immer wieder verliert sich die Erzählung für mehrere Minuten in ihrer eigenen Melancholie, wodurch der Rhythmus ins Stocken gerät. „Pavane“ zeigt Mut zur Lücke und setzt darauf, dass die Zuschauerschaft gewillt ist, diese Stille auch auszuhalten – auch wenn man sich in manchen Momenten einen etwas strafferen roten Faden gewünscht hätte.

Pavane Netflix Film 2026
Pavane ©Netflix

Letztlich überzeugt „Pavane“ dennoch durch seine unaufgeregte Ehrlichkeit und ein Ensemble, das die Verletzlichkeit seiner Rollen perfekt austariert. Anstatt auf ein künstliches Happy End oder dramatische Wendungen zu setzen, bleibt die Geschichte bis zum Schluss angenehm bodenständig und feiert die kleinen Siege der Selbstakzeptanz. Dass Mi-jung am Ende keine Hollywood-Verwandlung durchläuft, sondern lernt, ihren eigenen Blick im Spiegel zu ertragen, ist ein wohltuendes Statement gegen den Optimierungswahn unserer Zeit. Auch wenn das Skript in diesen Momenten erzählerisch etwas zu sehr auf Nummer sicher geht und dadurch ein wenig an emotionaler Wucht einbüßt, bleibt letztlich ein warmes Gefühl von Ehrlichkeit zurück. Das macht„Pavane“ vielleicht nicht zum erhofften Meisterwerk, aber zur aufrichtigen Einladung, für zwei Stunden innezuhalten und die Welt ohne Filter zu betrachten.

Pavane Netflix Film 2026
Pavane ©Netflix

Fazit

„Pavane“ ist ein wohltuend entschleunigtes Porträt, das auf Kitsch verzichtet. Trotz kleinerer Längen überzeugt das Drama durch unaufgeregte Ehrlichkeit und feiert die Selbstakzeptanz als stillen Sieg gegen den modernen Optimierungswahn.

Bewertung: 3 von 5.
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