Love Me, Love Me: Kritik zum Amazon Film – Neu auf Prime Video

Love Me, Love Me Film Amazon Prime Video Film 2026
TitelLove Me, Love Me
Genre Romanze
Jahr2026
FSK16
RegieRoger Kumble 

Starttermin: 14.02.2026| Prime Video

Amazons Antwort auf „After“ und Co. ist einfach nur peinlich

Hand aufs Herz: Da war wirklich Licht am Ende des Tunnels zu erkennen. Nicht viel, aber zumindest ein leiser, kleiner Hoffnungsschimmer. Noch vor wenigen Wochen hätte man schwören können, das Genre der toxischen Romanze habe seine wildesten Eskapaden hinter sich gelassen – fast so als wäre man kollektiv zu der Einsicht gekommen, dass Red Flags eben keine Eintrittskarte in das Herz der Frauenwelt ist. Seit „Fifty Shades of Grey“ und die „After“-Reihe wie hormonell gesteuerte Abrissbirnen durch die Kinolandschaft wüteten, schien sich zuletzt ein zarter Trend zur Besserung abzuzeichnen. Zwar blieben die Geschichten naiv und die Protagonistinnen in ihrer Weltsicht erschreckend einfach gestrickt, doch der Grad der Grenzüberschreitung nahm spürbar ab. Der britische Ableger „Culpa Mia – Meine Schuld: London“, das deutsche Netflix-Pendant „Fall For Me“ oder auch „Mala influencia – Verbotene Liebe“ aus Spanien folgten zwar erneut demselben Muster, doch erbarmen sich dabei zumindest, die Toxizitätsskale ein wenig herunterzufahren. Und dann kommt Amazon Prime Video um die Ecke und reißt diesen minimalen zivilisatorischen Fortschritt mit „Love Me, Love Me“ mit dem Arsch wieder ein. Dümmer und naiver als June war bisher keine der weiblichen Spielbälle, die sich sehenden Auges für den emotionalen Totalschaden entschieden haben.

Love Me, Love Me Film Amazon Prime Video Film 2026
Love Me, Love Me ©Prime Video

Und so nimmt das Drama seinen Lauf: Nach dem tragischen Tod ihres Bruders zieht June (Mia Jenkins) gemeinsam mit ihrer Mutter nach Mailand, um an einer internationalen Eliteschule den obligatorischen Neuanfang zu wagen. Dort gerät sie sofort zwischen die Fronten der vermeintlich ach so großen Liebe: Auf der einen Seite der behauptet heiße, aber nachweislich problematische James (Pepe Barroso), der seine Freizeit mit illegalen MMA-Kämpfen verbringt und das Leben als wandelnde „Red Flag“ als persönlichkeitsbildende Maßnahme versteht. Auf der anderen Seite sein bester Freund Will (Luca Melucci): gutmütig, bedacht und aufgeschlossen. Der augenscheinlich perfekte Musterschüler, Schrägstrich, Heiratsmaterial, nur bedauerlicherweise stinklangweilig und mit Hang zum vorzeitigen Samenerguss. So findet sich June schnell in einem toxischen Liebesdreieck wieder, voller unausgesprochener Wahrheiten, dunklen Geheimnissen und unbändiger Leidenschaft.

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Dieses Desaster ist alles andere als Beautiful

Wer kennt sie nicht, die romantische Kennenlerngeschichte, in der er sie gegen ihren Willen einmal quer durch die Herrenumkleidekabine zerrt, um sich dann ungefragt vor ihr in der Dusche zu entblößen. Sie sollte seine Wäsche waschen, da sie sie zuvor dreckig gemacht hat – und dann lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Ende. Wer braucht schon Märchen, wenn es Romantik à la „Love Me, Love Me“ gibt. Angesiedelt in einer Welt – den Orten, von denen die Gebrüder Grimm berichteten, in ihrer märchenhaften Logik gar nicht so unähnlich – gibt June das personifizierte Klischee des schüchternen Rehkitzes, das bei jeder misogynen Entgleisung ihres Gegenübers verschämt zu Boden blickt. Sexuelle Anspielungen versteht sie nicht, toxische Verhaltenszüge kennt sie nicht – stattdessen halluziniert sie in James’ soziopathische Verhaltensmuster einen warmen Kern hinein – oder findet ihn einfach nur hot. Eine Anziehung, die sich genauso wenig real anfühlt wie James‘ unfreiwillig komische Underground-MMA-Karriere und eigentlich sonst auch jeder behauptete Konflikt, der genau so schnell geht, wie er gekommen ist.

Love Me, Love Me Film Amazon Prime Video Film 2026
Love Me, Love Me ©Prime Video

Man möchte dem Bildschirm im Minutentakt ein mitleidiges „Oh Honey“ entgegenschleudern, während June mit der Naivität einer Dreijährigen in das nächste Fettnäpfchen stolpert, nur um sich danach wieder bereitwillig und ohne einen Funken Selbstachtung vorführen zu lassen. Es ist fast schon schmerzhaft mitanzusehen, wie wenig Respekt das Drehbuch für die Weiblichkeit seiner Hauptfigur aufbringt. In „Love Me, Love Me“ passt wirklich gar nichts: Weder der Plot, der lediglich das „Beautiful Disaster“-Konzept lustlos vom US-amerikanischen Campus ins mediterrane Mailand verlagert, noch die hölzernen, am Reißbrett konstruierten Dialoge, die sich anfühlen, als hätte man sie eins zu eins aus einem schlechten Fan-Fiction-Forum der frühen 2000er-Jahre kopiert. Selbst der handzahm inszenierte Sex, der wohl für das ganz große Knistern sorgen sollte, dürfte höchstens frühpubertären Halbwüchsigen die Schamesröte ins Gesicht treiben. Schamesröte ist ohnehin das richtige Stichwort – die stellt sich beim erwachsenen Publikum nämlich auch ein, allerdings ausschließlich aus tiefer, quälender Fremdscham.

Love Me, Love Me Film Amazon Prime Video Film 2026
Love Me, Love Me ©Prime Video

Fazit

Oh Honey – dieses Amazon Original schmerzt! Zwischen toxischem Kitsch und null Respekt für Weiblichkeit bleibt am Ende nur eines: tiefe Fremdscham statt der versprochenen großen Leidenschaft.

Bewertung: 0.5 von 5.
Amazon Prime Video

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