| Titel | Wake |
| Genre | Thriller |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 12 |
| Regie | Henrik Georgsson |
Starttermin: 30.01.2026 | Prime Video
Wenn Schlaflosigkeit zur Seherfahrung wird
Einfach mal die Augen schließen und die Welt an einem vorbeirauschen lassen – wer hat in einem schwachen Moment nicht schon daran gedacht, wenn die bleierne Schwere einer verpassten Nacht den Arbeitsalltag flutet? Im sicheren Kokon eines Büros ist das ein verzeihlicher Moment der Schwäche, an einer schweren Arbeitsmaschine hingegen schon weniger ideal. Vollends katastrophal wird es jedoch am Bedienschalter einer Skiliftgondel oder gar am Steuerhorn einer Boeing 747. Genau an diesem Punkt der totalen körperlichen Kapitulation setzt die schwedische Amazon Serie „Wake“ an. Bevor die Maschine – vielleicht keine Boeing, für diese technische Einschätzung fehlt die Expertise, aber der Effekt bleibt derselbe – unaufhaltsam dem Boden entgegenschlingert, spult die Erzählung einige Stunden zurück. Wir sehen einen außer Kontrolle geratenen Skilift, der Menschen wie Spielballfiguren durch die Luft schleudert, während der verantwortliche Maschinist mit leeren Augen ins Nichts starrt. Er schläft nicht im klassischen Sinne, die Augen blutunterlaufen und offen, aber sein Körper hat die Dienstverweigerungsentscheidung bereits getroffen. Es ist das Porträt einer Gesellschaft, deren biologisches Fundament unter der Last einer unerbittlichen Insomnie wegbricht.

Die Geschichte desAmazon Originals folgt Elin (Aliette Opheim), einer Krankenschwester, die inmitten dieses kollabierenden Systems versucht, die Reste menschlicher Vernunft zusammenzuhalten, während Premierminister Christian Ellwing (Jonas Karlsson) neben der Sorge um sein heranwachsendes Problemkind auch noch das landesweite Chaos koordinieren muss. Schweden versinkt in einer Epidemie der Schlaflosigkeit, die weit über das Maß einer bloßen Befindlichkeitsstörung hinausgeht. Die Krankenhäuser operieren längst im permanenten Krisenmodus, während die Vorfälle im öffentlichen Raum immer bizarrere Formen annehmen. Wenn Menschen nicht mehr schlafen können, verlieren sie nicht nur ihre Konzentration, sondern ihre Menschlichkeit – ein Zustand der Dauerwachheitspsychose, der die zivilisatorische Firnis innerhalb weniger Tage wegätzt. Doch anstatt dieses Szenario als rasanten Thriller zu begreifen, schlürft „Wake“ den mühsam-trägen Weg eines Schlafwandlers über das heimische Dashboard von Prime Video.

Eine Schlaftablette im Serienformat
Das Problem an „Wake“ ist weniger die Grundidee, sondern die Tatsache, dass die Miniserie diese eigentlich hanebüchene Prämisse viel zu ernst nimmt. Wenn es, wie zu Beginn am Skilift oder später in einem Fitnessstudio, zu chaotischen Vorfällen kommt, drängt sich unweigerlich der Gedanke auf, welchen sadistischen Spaß man in einem Setting à la „Final Destination“ mit diesen Situationen hätte haben können. Doch anstatt die Absurdität der Situation zu umarmen, inszeniert sich die Amazon Serie als bleierner Pandemie-Film in der Tradition von „Outbreak“ und Konsorten. Der Fokus liegt dabei auf einer uninteressanten Zwischenmenschlichkeiten und politischen Grabenkämpfen, die mit einer solchen Lethargie vorgetragen werden, als hätten die Autor*innen während des Schreibprozesses selbst der totalen Erschöpfung nachgegeben. Diese Erzählstrukturlosigkeit führt dazu, dass die Erzählung zwar ständig von Gefahr spricht, aber nie eine spürbare Bedrohung aufbaut.

Somit lahmt „Wake“ in erster Linie an seinem eigenen, völlig erschöpften Drehbuch. Das Tempo ist träge, die Charaktere sind zum Gähnen langweilig und die politischen Diskurse besitzen die spannungsgeladene Atmosphäre einer provinziellen Stadtratssitzung im Spätherbst. Während Schweden an Schlafmangel leidet und das Land ins Chaos stürzt, kann die Zuschauerschaft auf Prime Video mit diesem Leid schlicht nicht relaten – und nickt angesichts der drögen Inszenierung eher solidarisch weg. Wer die sechs Episoden konsequent mit geschlossenen Augen verbringt, sorgt immerhin effektiv dem eigenen Schlafmangel vor. Damit hat „Wake“ am Ende zumindest einen messbaren gesundheitlichen Benefit und verkommt so zum filmischen Einschlafbegleitszenario, das in seiner erzählerischen Belanglosigkeit genau dort endet, wo es begonnen hat: in bleierner Schwere.

Fazit
Nach zwei Episoden ist klar: „Wake“ ist so bleiern inszeniert, dass man wach ohnehin nicht weiter kommen dürfte. Wer wegnickt, spart sich die Erzählstrukturlosigkeit und lindert wenigstens effektiv den eigenen Schlafmangel.
[Fazit nach zwei Episoden]


