| Titel | Coyotes |
| Genre | Horror, Komödie |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Regie | Colin Minihan |
Heimkinostart: 13.02.2026
Die Hills haben Ohren – und Hunger
In den luxuriösen Enklaven der Hollywood Hills gehört das Heulen der Kojoten längst zum nächtlichen Grundrauschen wie das Surren der Poolpumpen. Was früher als exotische Randnotiz galt, hat sich zu einem handfesten Problem für die Bewohner der Gated Communities entwickelt; immer häufiger werden Haustiere gerissen, und die Scheu vor dem Menschen schwindet im selben Maße, wie der Lebensraum der Tiere schrumpft. Dass diese reale Bedrohung nun als Ausgangslage für eine düstere Hollywoodsatire im Tierhorror-Gewand dient, klingt auf dem Papier nach einem Geniestreich. Schließlich gibt es kaum ein passenderes Sinnbild für das „Fressen und Gefressenwerden“ in der Traumfabrik als ein Rudel hungriger Raubtiere, die über die Luxusvillen herfallen. Doch stellt sich die Frage: Reicht dieser reale Bezug aus, um einen Film zu tragen, der zwischen blutigem Survival-Thriller und bissiger Gesellschaftskritik balancieren will?

In „Coyotes“ begleiten wir ein wohlhabendes Paar (gespielt von Justin Long und Kate Bosworth), das sich in ihrer hochmodernen, verglasten Festung über den Lichtern von Los Angeles eigentlich sicher fühlt. Justin Long, der sich in den letzten Jahren immer mehr zum „Darling“ des Genre-Kinos entwickelt hat, beweist hier einmal mehr sein Herz für das Abseitige. Man kauft ihm den leicht arroganten, aber letztlich überforderten Hollywood-Insider sofort ab. Er scheint eine fast schon masochistische Freude daran zu haben, sich in trashigen oder zumindest unkonventionellen Horror-Szenarien physisch und psychisch quälen zu lassen. Innerhalb des Genres positioniert sich der Film als klassischer Belagerungs-Horror, wobei die Angreifer keine maskierten Killer, sondern opportunistische Fleischfresser sind. Die Dynamik zwischen Long und Bosworth gibt dem Film eine emotionale Erdung, die über das übliche „Screaming Girl“-Niveau hinausgeht, und macht den Streifen zunächst zu einem interessanten Kammerspiel unter freiem Sternenhimmel.

Ein Wolf im Schafspelz
Betrachtet man das Genre des Tierhorrors, muss man ehrlich sein: Die meisten Vertreter sind reinrassiger Trash. Wir bewegen uns hier traditionell im Bereich der B- oder C-Movies, wo Logikfehler so groß sind wie die mutierten Kreaturen selbst. Selbst wenn das große Geld aus Hollywood im Spiel ist, entstehen oft Filme wie „Anaconda“, die zwar Kultstatus genießen, aber letztlich durch hölzerne Dialoge und fragwürdige Effekte glänzen. Hier überrascht „Coyotes“ jedoch positiv. Entgegen der Erwartungen liefert Regisseur Colin Minihan eben keinen billigen Trash ab. Die Dialoge wirken organisch und weniger klischeehaft, als man es von einem Tier-Slasher erwarten würde. Noch beeindruckender ist die visuelle Umsetzung: Wo andere Produktionen auf peinliche CGI-Wölfe setzen, sehen die Kojoten hier erschreckend echt und bedrohlich aus. Die Kameraarbeit nutzt die Dunkelheit der Hills geschickt, um eine dichte Atmosphäre zu erzeugen. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack beim Skript, denn obwohl die Sätze sitzen, blitzt der Humor viel zu selten durch. Es gibt Momente, in denen die Absurdität der Situation förmlich nach einer sarkastischen Pointe schreit, doch der Film entscheidet sich oft für den ernsten, grimmigen Weg, wo ein wenig mehr Leichtigkeit dem Pacing gutgetan hätte.

Genau hier liegt das Problem von „Coyotes“: Er verschenkt sein immenses Potenzial. Der Tierhorror an sich funktioniert zwar handwerklich tadellos, wird aber viel zu rar eingesetzt. Man wartet lange Strecken auf die Konfrontation, und wenn sie kommt, ist sie oft schneller vorbei, als man „Tollwut“ sagen kann. Was jedoch am schwersten wiegt, ist die völlig ungenutzte Chance auf eine bissige Hollywood-Satire. Die Tatsache, dass das Ganze in den Hills spielt, inmitten der Eitelkeiten von Schauspielern, Agenten und Produzenten, verkommt zur reinen Kulisse. Es ist dem Film letztlich „Wurst“, dass dort die Schönen und Reichen gejagt werden. Es gibt keine entwaffnenden Kommentare zum Starkult, keine tiefere Analyse der Dekadenz, die diesen Ort so angreifbar macht. Wo „The Menu“ oder „Triangle of Sadness“ die soziale Schere genüsslich sezierten, bleibt „Coyotes“ oberflächlich. Er ist im Kontext seines Genres zweifellos ein guter, hochwertig produzierter Vertreter, dem man sein Budget ansieht. Aber am Ende des Tages ist er eben auch kein wirklich guter Film im Sinne eines bleibenden cineastischen Erlebnisses. Er unterhält für 90 Minuten, verpasst es aber, die Zähne tief genug in das Fleisch der Gesellschaft zu schlagen, die er eigentlich porträtieren wollte. Wer einen handwerklich soliden Horror-Snack sucht, wird bedient – wer die angekündigte Satire sucht, findet nur ein leeres Versprechen im Mondschein.

Fazit
Ein stylischer Schocker mit Biss, aber ohne Seele: Trotz soliden Effekte und Justin Longs Hingabe verhungert die erhoffte Hollywood-Satire zwischen Designervillen und Kojoten-Fütterung. Handwerklich fähiger Tierhorror – doch es fehlt die Tollwut.



