| Titel | The Wrecking Crew |
| Genre | Action, Komödie |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 16 |
| Regie | Ángel Manuel Soto |
Starttermin: 28.01.2026 | Prime Video
Action-Gala der Superhelden-Stars
Der Exodus der Stars aus den großen Franchise-Maschinen ist längst zur Regel geworden, besonders wenn das Korsett der Superhelden-Reihen enger sitzt als das Spandex-Kostüm selbst. Viele nutzen den Absprung als Sprungbrett in das, was man gerne das „echte“ Kino nennt. Andrew Garfield etwa hat nach „Spider-Man“ konsequent die Maske abgelegt und konnte sich in Filmen wie „Tick, Tick… Boom!“ oder „We Live in Time“ als emotional präziser Charakterdarsteller etablieren. Sebastian Stan wiederum arbeitete schon während seiner Marvel-Jahre an einem zweiten Standbein und entfernte sich mit eindringlichen Auftritten in „The Apprentice“ und „A Different Man“ zunehmend vom Schatten des Winter Soldier. Andere jedoch bleiben lieber in vertrauten Gefilden – sie justieren ihr Image, ohne die eigene Komfortzone auch nur ansatzweise zu hinterfragen. „The Wrecking Crew“ auf Amazon Prime Video ist ein Paradebeispiel für diesen Stillstand.

Hier treffen Dave Bautista, vielen weiterhin als Drax vertraut, und Jason Momoa, der als Aquaman zum DC-Aushängeschild wurde, aufeinander. Zwei Superhelden-Ikonen, die – unterstützt vom Aura-Bonus ihrer Franchise-Vergangenheit – genau das tun, was man von ihnen erwartet: Fäuste sprechen lassen und kernige Sprüche klopfen. Dabei hat Bautista zuletzt in „The Last Showgirl“ bewiesen, dass er durchaus ein feines Gespür für Nuancen besitzt, wenn man ihm ein Skript gibt, das mehr als bloße Physis verlangt. In Amazons „The Wrecking Crew“ geht es jedoch zurück zu den Basics der Schläger-Ästhetik. Dave Bautista spielt James, einen disziplinierten, innerlich aufgeräumten Ex-Navy SEAL, der nach dem mysteriösen Tod seines Vaters auf Hawaii unvermittelt auf seinen entfremdeten Halbbruder Jonny (Momoa) trifft – einen impulsiven Cop, der weniger durch Pflichtbewusstsein als durch Bauchentscheidungen gesteuert wird. Widerwillig müssen sich die beiden zusammenraufen, um eine Verschwörung rund um das väterliche Erbe aufzudecken, was erwartungsgemäß in einem blutigen Chaos aus Schießereien, Blechschäden und Onelinern gipfelt.

Wenn handgemachte Prügel das Drehbuch-Vakuum füllen
Es ist eine Prämisse, die nach Dienst nach Vorschrift riecht, und doch überrascht das Amazon Original genau dort, wo das moderne US-Mainstreamkino regelmäßig versagt – in seiner Action. Die ist nämlich von einer fast schon vergessenen, brachialen Handarbeit geprägt. Wenn Momoa sich in einer frühen Sequenz mit einer Gruppe Yakuza anlegt, werden Zähne an Tischkanten ausgeschlagen und Alltagsgegenstände mit einer Kreativität zweckentfremdet, als gäbe es am Set keinerlei Sicherheitskonzept. Das ist roh, ungemütlich und mit deutlich weniger Schnitten montiert, als man es vom glattpolierten, oft völlig unleserlichen Hollywood-Standard kennt. Die Kämpfe wirken durchkomponiert und wertig, auch wenn es kurz vor dem finsteren Schlussdrittel kurz in spaßig-übertriebene CGI-Gefilde abdriftet und damit etwas von seiner physischen Wucht einbüßt. Selten rettet sich ein Film ausgerechnet über seine Kampfchoreografien, doch hier beginnt plötzlich die Chemie zwischen den beiden Hünen zu greifen. Sogar der Humor, der in den dialoglastigen Passagen zuvor oft verpufft, trifft innerhalb dieser physischen Eskalation deutlich präziser.

Abseits fliegender Fäuste, explodierender Kraftfahrzeuge und vom Himmel stürzender Helikopter bleibt „The Wrecking Crew“ jedoch unangenehm heterogen. Der Plot ist reines Handbuch-Recycling, während die diffuse Tonalität ziellos zwischen müder Buddy-Comedy, finsterer Stimmung und behauptetem Familiendrama pendelt. Wenn die Erzählung witzig sein will, dann meist krampfhaft bemüht; wenn sie die Emotionalität sucht, fehlt es ihr schlicht an dramaturgischem Unterbau, um echte Fallhöhe zu erzeugen. So verpufft die hohe Schlagzahl an kindischen Wortwitzen und kernigen Punchlines im ersten Akt größtenteils wirkungslos, auch wenn Momoa seinem dauerquatschenden Jonny gelegentlich einen Treffer gönnt. Was bleibt, ist sein unbestreitbarer Charme – und ein eher müde mitziehender Bautista, der hier wieder in jene Rollenmuster zurückfällt, denen er eigentlich längst entfliehen wollte. Am Ende steht somit ein routinierter Actionfilm, der genau dort überzeugt, wo er sich auf seine physische Wucht verlässt, und alles dazwischen im erzählerischen Leerlauf versanden lässt.

Fazit
Bautista und Momoa liefern rohe Fäuste und Charme, doch Drehbuch und Humor versanden – kurzweilig unterhaltsam, physisch stark, erzählerisch vorhersehbar.


