| Titel | The Turkish Coffee Table |
| Genre | Thriller |
| Jahr | 2025 |
| FSK | ungeprüft |
| Regie | Can Evrenol |
Fantasy Filmfest White Nights 2026
Wenn ein Möbelstück zum Albtraum wird
Remakes kurz nach dem Original zu produzieren ist in der Filmwelt keine Seltenheit, zuletzt erst bei „Speak No Evil“. Meist sind es jedoch US-amerikanische Produktionen, die aus europäischen Vorlagen Profit schlagen wollen, ohne dabei selbst viel Kreativität zu riskieren. Umso überraschender ist es, dass dieser Trend diesmal innerhalb Europas bleibt und die Türkei mit einer neuen Interpretation des spanischen „The Coffee Table“ an den Start geht. Das Original erschien 2022 und schockierte sein Publikum mit einer extrem unangenehmen Atmosphäre und einer grotesken, kaum auszuhaltenden Geschichte.

Regisseur Caye Casas wollte mit dem Original Horror auf möglichst natürliche Weise erzeugen, indem er die willkürliche Grausamkeit des echten Lebens in den Mittelpunkt stellt. Und genau das ist ihm gelungen. Ob das Remake „The Turkish Coffee Table“ von Can Evrenol eigene Wege geht oder dem Original weitgehend treu bleibt, ließ sich bei den Fantasy Filmfest White Nights 2026 beobachten. Inhaltlich bleibt jedoch vieles vertraut: Der frischgebackene Vater Ibrahim (Alper Kul) kauft einen Couchtisch, obwohl seine Frau (Algi Eke) strikt dagegen ist. Eine scheinbar banale Entscheidung, die fatale Folgen für ihn und seine Familie nach sich zieht.

Schwarzer Humor trifft auf pure Verzweiflung
Es ist schwer, eine Neuinterpretation von „The Coffee Table“ zu bewerten. Ein Film, der fast ausschließlich von den unangenehmen Gefühlen lebt, die er im Publikum auslöst – etwas, das sich nicht einfach reproduzieren lässt. Das Original wurde zwar als schwarze Komödie beschrieben, doch nach dem einen entscheidenden Schockmoment war einem das Lachen für keine Minute mehr möglich. Die Geschichte ist eine Tragödie durch und durch, so grausam, dass sie sich kaum in Worte fassen lässt und am Ende nichts als Leere hinterlässt. Wie bewertet man also eine Neuauflage genau dieser Geschichte? Can Evrenol geht in seiner Version zumindest in einigen Punkten andere Wege. Im Kern bleibt alles gleich, doch was im Original lediglich angedeutet wurde, wird hier explizit gezeigt. Die Grausamkeit existiert nicht mehr nur in den Bildern im eigenen Kopf, sondern liegt offen und unmissverständlich auf der Leinwand.

Auch die Balance zwischen Humor und Tragödie wirkt ausgewogener. Doch auch hier stellt sich die Frage, ob das tatsächlich Evrenols Drehbuch zuzuschreiben ist oder ob man sich beim zweiten Mal schlicht leichter auf den schwarzen Humor einlassen kann. Für Zuschauer, die das Original nicht kennen, dürfte das Lachen jedoch auch hier schnell im Halse stecken bleiben. Die Schwere der Ereignisse ist jederzeit spürbar, nicht zuletzt durch Alper Kuls eindringliche Performance. Vor allem in den ruhigen Momenten, in denen der Familienvater das Ausmaß des Geschehenen begreift und sich mit den Konsequenzen auseinandersetzen muss, wird der Schmerz fast körperlich spürbar. Im emotional aufgeladenen Finale schlägt Evrenol ebenfalls einen eigenen Ton an, endet aber ähnlich morbide – und bleibt auch lange danach im Gedächtnis.

Fazit
„The Turkish Coffee Table“ steht dem Original technisch in nichts nach und überzeugt mit starker Atmosphäre und einer eindringlichen Performance von Alper Kul. Am Ende entscheidet weniger die Qualität als die Reihenfolge: Welche Version man zuerst sieht, hinterlässt den tieferen Eindruck. Schmerzhaft, bitter und nichts für schwache Nerven.


