| Titel | The Last Video Store |
| Genre | Horror, Komödie |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 16 |
| Regie | Cody Kennedy, Tim Rutherford |
Heimkinostart: 23.01.2026
Ein Liebesbrief an VHS, Monster und eine verlorene Filmära
Mit HBO Max hat sich ein weiterer Streaming-Gigant in Deutschland breit gemacht, Netflix ist dabei Warner Brothers aufzukaufen und Kino wie auch der physische Filmmarkt werden zunehmend an den Rand gedrängt. Doch Blu-rays, DVDs, VHS & Co. sind längst nicht so tot, wie es oft heißt. Nicht nur die Generation, die mit ihnen aufgewachsen ist, hält weiterhin an den physischen Medien fest. Auch Gen Z entdeckt laut aktuellen Berichten zunehmend wieder Gefallen an ihnen und haucht einem längst totgeglaubten Format neues Leben ein. In Filmen ist die Nostalgie für diese Zeit ohnehin allgegenwärtig und wird immer wieder gezielt als Stilmittel eingesetzt.

So auch in „The Last Video Store“, der nicht nur ein Liebesbrief an die VHS-Kassette ist, sondern ebenso an die Horrorfilme der 70er und 80er Jahre. Das Spielfilmdebüt, basierend auf einer Reihe von Kurzfilmen, dreht sich um eine Videothek, die nur noch vom Besitzer Kevin (Kevin Martin) und einer Handvoll Stammgäste am Leben gehalten wird. Als Nyla (Yaayaa Adams) einige alte Kassetten ihres Vaters zurückbringen möchte, befindet sich darunter eine, die als verflucht gilt. Filmfan Kevin kann seiner Neugier nicht widerstehen und legt sie ein. Mit fatalen Folgen: Zahlreiche Filmmonster treten aus der Leinwand in die reale Welt über und machen Jagd auf die beiden.

Zwischen VHS-Regal und Dämonenjagd
Cody Kennedys und Tim Rutherfords „The Last Video Store“ ist sicher kein fehlerfreier Film, aber er weiß das auch. Mehr noch: Er lebt genau davon. Der Film geht vollkommen in dem auf, was er sein will. Reines „Nostalgia Bait“. Und das ist hier keinsfalls negativ gemeint. Kennedy und Rutherford stecken spürbar viel Liebe in ihr Projekt und erschaffen eine kleine, in sich geschlossene Welt, die sich wie eine echte Zeitkapsel aus einem anderen Jahrzehnt anfühlt. Aus vermutlich rechtlichen Gründen können sie keine echten Klassiker der 70er und 80er zeigen und setzen stattdessen auf Mockbuster. Hingebungsvoll gestaltete Kopien bekannter Horrorikonen wie Jason Vorhees aus „Freitag der 13.“ oder des Xenomorphs aus „Alien“. Sie unterscheiden sich nur in Details von ihren Vorbildern, lösen aber genau das gewünschte Nostalgiegefühl aus.

Diese Liebe zum Detail zieht sich durch den gesamten Film, besonders durch das Design der Videothek selbst. Sie wird fast zum eigenen Charakter, vollgestopft mit Easter Eggs und Postern, darunter auch solche moderner Filme wie „Psycho Goreman“, der seinerseits selbst als Hommage an alte Monsterfilme funktioniert. Erzählerisch bleibt „The Last Video Store“ bewusst simpel und bewegt sich irgendwo zwischen „The Evil Dead“ und „The Final Girls“. Doch darum geht es Kennedy und Rutherford auch gar nicht. Ihr Ziel ist es, die Erinnerung an die VHS-Ära lebendig zu halten. Und das gelingt ihnen erstaunlich gut. Mit praktischen Effekten, die teilweise bewusst billig wirken und gerade deshalb so viel Charme haben. Manchmal ist ein einfacher Trip in die Vergangenheit alles, was man braucht. Gerade in Zeiten wie diesen.

Fazit
„The Last Video Store“ ist ein Film, der genau weiß, was er sein will, und daraus keinen Hehl macht. Ein liebevoller Nostalgietrip, der mehr von Leidenschaft als von Perfektion lebt. Nicht alles geht auf, aber der Charme, der Humor und die spürbare Liebe zum Medium machen das locker wett. Für alle, die Videotheken nicht nur als Ort, sondern als Gefühl vermissen.



