Der Fälscher: Kritik zum Netflix Film – Die Kunst des Kopierens

Der Fälscher Netflix Film 2026
TitelDer Fälscher
Genre Biopic, Drama
Jahr2026
FSK12
RegieStefano Lodovichi

Starttermin: 23.01.2026 | Netflix

Die Kunst der Kopie und das Handwerk des Verbrechens

Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem die algorithmische Allgegenwart der künstlichen Intelligenz jede Form von Originalität im Keim erstickt. Dank KI mutiert heute im digitalen Vorbeigehen jeder Hanswurst zum vermeintlichen Picasso, während das echte, schmerzhafte Handwerk der Täuschung zu einem billigen Mausklick verkommt. Früher war das anders. Das Fälschen war nicht nur anspruchsvoller, es besaß eine fast schon dreckige Romantik, eine Art bürgerliche Rebellion durch die Hintertür. Antonio Chichiarelli war einer dieser Typen – ein Mann, dessen Pinselstriche ebenso gut in die großen Museen wie in die Kriminalstatistik passten. Doch wer sich einmal außerhalb des Gesetzes einrichtet und merkt, dass die Ästhetik der Lüge verdammt lukrativ ist, der bleibt selten beim harmlosen Plagiieren weltbekannter Ölmalereien. Da rutscht man schnell in wirklich finstere Gefilde ab – wie die Chichiarellis Geschichte zeigt, die dem NetflixBiopic „Der Fälscher“ als Grundlage dient.

Der Fälscher Netflix Film 2026
Der Fälscher ©Netflix

„Der Fälscher“ spielt im flirrenden Rom der späten 1970er Jahre – ein Jahrzehnt, das in Italien nicht umsonst als „bleiern“ gilt. Die Ewige Stadt schwankte damals zwischen Dolce Vita und dem nackten Terror auf offener Straße. Mittendrin: Tony Chichiarelli (Pietro Castellitto). Ein Typ mit Talent, der sich aber herzlich wenig für das Geschwätz der Kunstkritiker interessiert. Ihn reizen die unbegrenzten Möglichkeiten der Unterwelt weit mehr – die sein Talent als Eintrittskarte nutzen und ihn schnell tiefer in die Netzwerke der organisierten Kriminalität hineinziehen. Als er begreift, dass seine Fähigkeiten für weitaus gefährlichere Fälschungen taugen als für ein paar Leinwände, gerät sein Leben endgültig aus den Fugen. Das italienische Netflix Original zeichnet dabei einen Weg nach, der ohne Umwege aus dem sonnendurchfluteten Atelier direkt in die schmierigen Hinterzimmer der Macht führt, wo Kunst nur noch eine Währung für politische Geschäfte ist.

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Die perfekte Blaupause

Antonio „Tony“ Chichiarelli – talentiert, charismatisch und von einer Hybris getrieben, die ihm viele Türen öffnet, aber auch die, die man besser nie durchqueren sollte. „Der Fälscher“ erzählt die Geschichte dieses Nachmalers nach einem ziemlich klassischen Schema: Aufstieg, der schleichende Kontrollverlust und der unvermeidliche Absturz. Wer die echte Biografie Chichiarellis kennt – inklusive seiner Verwicklung in das Drama um die Entführung des Politikers Aldo Moro –, der weiß, wie das Ganze ausgeht. Doch selbst wenn: Der Weg dahin macht überraschend viel Spaß. Angesiedelt in diesem bleiernen Jahrzehnt Italiens, entspinnt sich so ein Biopic nach Schema F, das zwar wenig Lust auf Experimente hat, aber handwerklich viel richtig macht. Dass Netflix hier keine erzählerischen Revolutionen anzettelt, stört kaum, weil die Atmosphäre des alten Roms mit einer beneidenswerten Leichtigkeit eingefangen wird.

Der Fälscher Netflix Film 2026
Der Fälscher ©Netflix

Malen, Kopieren, politische Intrigen: Tony gerät zunehmend zwischen die Fronten von extremen Rechten und linksextremen Brigaden. Das eigentliche Malen gerät dabei fast schon zur Randnotiz, während das Fälschen von Dokumenten und das politische Ränkespiel das Kommando übernehmen. „Der Fälscher“ hält das Tempo dabei erstaunlich lange hoch. Die Inszenierung ist beschwingt, hat Rhythmus und profitiert massiv von einem Hauptdarsteller, dem man den charismatischen Gauner uneingeschränkt abnimmt. Doch leider verliert dieser beschwingte Ton im letzten Drittel spürbar den Takt. Wenn die politische Schwere die Oberhand gewinnt, büßt der Film viel von jener Leichtfüßigkeit ein, die ihn zuvor getragen hat. Das ist schade, aber vielleicht unvermeidlich bei diesem Stoff. Was bleibt, ist ein grundsolides Biopic mit gutem Drive und einem Charme, der trotz der inhaltlichen Schwere nie ganz absäuft. Dass Tony dabei als sympathischer Held dasteht, gehört zum guten Ton dieses Genres – schließlich sehen wir es gerne, wenn gute Jungs böse Dinge tun, um in einer korrupten Welt obenauf zu schwimmen.

Der Fälscher Netflix Film 2026
Der Fälscher ©Netflix

Fazit

„Der Fälscher“ ist wie sein Protagonist: Er erfindet nichts neu, kopiert das Genre-Schema aber so charmant, dass das grundsolide Handwerk die fehlende Originalität und den späteren Verlust der Leichtfüssigkeit letztlich souverän auffängt.

Bewertung: 3 von 5.
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