Finding Her Edge: Kritik zur Netflix Serie – Kalt serviert und heiß diskutiert

Finding Her Edge Netflix Serie 2026
TitelFinding Her Edge
Genre Drama, Sport
Jahr2026
FSK12
CreatorJeff Norton

Starttermin: 22.01.2026 | Netflix

Warum Liebe zum Eiskunstlauf hier nicht ausreicht

Muss man Eiskunstlauf eigentlich lieben, um einen Film über Eiskunstlauf zu mögen? „I, Tonya“ hat diese Frage vor einigen Jahren auf eine fast schon rabiate Weise beiseite gewischt. Craig Gillespie („Dumb Money – Schnelles Geld“) inszenierte Margot Robbie („Barbie“) eben gerade nicht als das strahlende Poster-Girl, das sich die Verbände immer gewünscht haben, sondern als eine pure Urgewalt – als einen wütenden Körper im permanenten Abwehrmodus gegen eine Welt, die sie von vornherein aussortiert hatte. Der Sport war dort nur Mittel zum Zweck, eine scharfzüngige Reibungsfläche für Themen wie Klassismus und die brutale Maschinerie der Medienhysterie. Auch „Die Eisprinzen“ funktionierte, weil das Eis dort nur zur Bühne für Will Ferrells („Ihr seid herzlich eingeladen“) völlig enthemmten Humor wurde. Beide Filme zog auch Leute vor den Bildschirm, denen Schlittschuhe herzlich egal sind. Es reichte, wenn man Spaß an mutigen Tonlagenwechseln hatte und an Charakteren, die schlichtweg größer waren als der Stoff, in dem sie sich bewegten. Und damit stellt sich die Frage: Was genau soll uns eigentlich bei „Finding Her Edge“ bei der Stange halten? Reicht die bloße Neugier auf das nächste Coming-of-Age-Gerüst von Netflix? Braucht es eine generelle Schwäche für Teen-Serien? Oder ist am Ende doch diese ganz spezifische Liebe zur Choreografie nötig, um über die Runden zu kommen?

Finding Her Edge Netflix Serie 2026
Finding Her Edge ©Netflix

„Finding Her Edge“ spielt nicht mit offenem Visier; sondern umkreist das Problem eher vorsichtig und wählt am Ende den sichersten – und damit auch langweiligsten – Weg, den man im aktuellen Streaming-Dschungel finden kann. Im Zentrum steht Adriana Russo (Madelyn Keys). Ihre Familie hat im Eiskunstlauf zwar einen Namen, aber leider auch einen Schuldenberg, der sie langsam erdrückt. Die familieneigene Eishalle ist nicht nur der Ort ihrer Träume, sondern mittlerweile der personifizierte finanzielle Ruin. Während ihr Vater (Harmon Walsh) sich an Trainingspläne klammert wie an einen letzten Rettungsring, zerfleischen sich die Schwestern in einem Geflecht aus Loyalität und nagender Eifersucht. Adriana selbst steht vor dem Wettkampf ihres Lebens, allerdings mit Brayden (Cale Ambrozic) an ihrer Seite – einem neuen Partner, der zwar begabt, aber emotional ein absolutes Minenfeld ist. Um Sponsoren zu locken, spielen die beiden nach außen das verliebte Paar. Ein strategischer Schachzug, der natürlich die inneren Koordinaten aller Beteiligten verschiebt. Zwischen harten Trainingseinheiten und nächtlichen Lagerfeuer-Szenen muss Adriana herausfinden, wer sie eigentlich sein will, wenn das Flutlicht ausgeht.

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Dünnes Eis, dick aufgetragene Klischees

„Finding Her Edge“ verlangt der Zuschauerschaft kein Fachwissen ab. Wer sich hier wohlfühlen will, braucht eher ein hohes Maß an Toleranz für das Standardrepertoire, das Netflix seit Jahren als sichere Bank kultiviert. Es sind die immergleichen Familiengeschichten und Liebesverwicklungen, die sich so sicher im Kreis drehen wie eine Kür. Wenn die Streitereien am Lagerfeuer gipfeln, bis die obligatorische Polizeistreife das Idyll auflöst, wirkt das fast wie eine abgehakte Checkliste des Erwachsenwerdens. Das Problem ist nicht, dass wie so oft die immergleichen Themen wie Identität oder Sexualität verhandelt werden – das Problem ist die Art, wie unmotiviert das geschieht. „Finding Her Edge“ verlagert bekannte Versatzstücke einfach aufs Eis und hofft, dass die Ästhetik des Sports die erzählerische Leere füllt, die das auf Mainstream getrimmte Skript offenbart. Das ist handwerklich okay, aber durch die glatte Art oft seltsam leblos. Die Konflikte platzen an den vorhersehbaren Stellen und der Soundtrack markiert die Emotionen so plump mit dem Textmarker, dass man den Szenen kaum noch Raum zum Atmen lässt.

Finding Her Edge Netflix Serie 2026
Finding Her Edge ©Netflix

Richtig anstrengend wird es dort, wo die Netflix Original Serie den Mut verliert, über diese reine Funktionalität hinauszugehen. Die Figuren stecken fest in ihren Stereotypen: die eifersüchtige Schwester, der verbissene Vater und das finanzielle Desaster als Dauerbrenner. Eine verflossene Lieben, alte Leidenschaft, neuer Ergeiz – das Einmaleins der Teenie-Serie eben. Man spürt keine echte Reibung, keine Gefahr, dass die Geschichte mal aus dem Drehbuch-Leitfaden ausbrechen könnte. Sogar der Eiskunstlauf verkommt zur bloßen Kulisse für den nächsten Zickenkrieg, statt als echte Ausdrucksform ernst genommen zu werden. „Finding Her Edge“ erzählt zwar von Selbstverwirklichung, traut sich aber nie, dabei wirklich etwas auf Spiel zu setzen. Am Ende bleibt genau das Gefühl zurück, das man beim Blick auf das Poster schon befürchtet hat: Es ist keine Katastrophe, aber ermüdend gleichgeschaltet mit ähnlich gearteten Netflix Produktionen. Eine Serie, die niemanden verärgert, aber eben auch niemanden wirklich erreicht, außer die, die ohnehin jeder Teenie-Romanze hinterher schlendern.

Finding Her Edge Netflix Serie 2026
Finding Her Edge ©Netflix

Fazit

Stumpfe Kufen statt echter Kante: „Finding Her Edge“ bietet glattgebügelte Netflix-Routine, die trotz sportlicher Kulisse den Mut zur eigenen Kante und echtem Tiefgang schmerzlich vermissen lässt.

(Fazit nach zwei Episoden)

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