| Titel | Feueralarm: Die Grube |
| Genre | Drama |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 12 |
| Regie | Abdullah Bamjbour |
Starttermin: 22.01.2026 | Netflix
Wer anderen eine Grube gräbt…
Wer anderen eine Grube gräbt, braucht nicht nur einen Spaten, sondern fällt – so will es das Sprichwort – am Ende oft selbst hinein. Ein Schicksal, das Netflix’ „Feueralarm 2: Die Grube“ mit einer fast schon tragischen Präzision ereilt, denn die Fortsetzung des saudi-arabischen Schuldramas „Feueralarm“ manövriert sich mit bemerkenswerter Zielstrebigkeit in das Loch, das eigentlich als spannungsgeladene Bühne für einen intensiven Überlebenskampf gedacht war. Anstatt die psychologischen Abgründe einer in die Enge getriebenen Schicksalsgemeinschaft auszuloten, verfängt sich die kitschige Netflix Produktion in inszenatorischer Belanglosigkeit, die das Streaming-Publikum ratloser zurücklassen dürfte, als die Protagonistinnen in ihrem unterirdischen Gefängnis.

Die Asche des verheerenden Feuers hat sich gerade erst gelegt, da bricht für die Überlebenden bereits die nächste Katastrophe an. „Feueralarm 2: Die Grube“ führt das traumatische Erbe des Schulbrands fort und zeigt, dass das düstere Drama für die einst unzertrennlichen Freundinnen Mona (Aseel Morya), Mashael (Moudi Abdullah) und Heba (Wafa Al Wafi) noch lange kein Ende gefunden hat. Als während eines heftigen Unwetters ein Streit auf dem Schulgelände eskaliert, gibt plötzlich der Boden unter ihren Füßen nach. Die Gruppe stürzt in eine tiefe Grube unter dem Fundament der Schule, die sich durch den unaufhörlichen Regen schnell in eine lebensgefährliche Falle verwandelt. In der bedrückenden Enge ihres Gefängnisses sind die Schülerinnen gezwungen, sich nicht nur den steigenden Wassermassen zu stellen, sondern auch jenen verdrängten Geheimnissen und Wahrheiten hinter ihren Differenzen, die ihre Freundschaft längst gezeichnet haben.

Wenn das Drehbuch sich selbst begräbt
Muss man den ersten Teil gesehen haben, um „Feueralarm: Die Grube“ vollends zu durchdringen? Diese Frage stellt sich unweigerlich, lässt sich in diesem speziellen Fall jedoch mit einem deutlichen Nein beantworten. Dies liegt keineswegs nur daran, dass man der erschreckend simplen Handlung und den oberflächlich gezeichneten Figuren auch ohne Vorkenntnisse mühelos folgen könnte. Vielmehr reicht die Sichtung der Fortsetzung völlig aus, um die fundierte Empfehlung auszusprechen, den Vorgänger grundsätzlich zu meiden – und das ungesehen. Es mangelt der Erzählung nicht an narrativer Kontinuität; es ist schlicht die inhärente Qualitätslosigkeit, die jegliches Interesse im Keim erstickt. Es erscheint unmöglich, dass der erste Teil eine Sichtung rechtfertigen könnte, wenn das Fundament bereits derart brüchig ist. „Feueralarm: Die Grube“ beginnt als nichtssagender Highschool-Film, der von einem schwer erträglichen religiösen Unterbau und lediglich behaupteten Konflikten durchzogen ist. Die blassen Protagonistinnen, ein austauschbarer Haufen von Schulmädchen, fungieren nur als Mittel zum Zweck, bis die Handlung sie endlich in die Tiefe stürzen lässt, um dort metaphorisch wie physisch zu versauern. Der erzählerische Aufbau wirkt dabei so hölzern wie die darstellerischen Leistungen, was den Einstieg in dieses Netflix Original zu einer Geduldsprobe macht, die keinerlei Belohnung verspricht.

Ist der Boden erst einmal offen und die Gruppe gefangen, setzt sich das filmische Desaster konsequent fort. „Feueralarm: Die Grube“ verleiht dem Genre des Katastrophenfilms eine unfreiwillig wörtliche Bedeutung, obwohl selbst dieser Begriff in die Irre führt, da eine echte, spürbare Notlage schlicht ausbleibt. Es entsteht kein klaustrophobisches Szenario, keine psychologisch fundierte Auseinandersetzung mit den gruppendynamischen Differenzen, und im restlichen Schulgebäude herrscht derweil eine lähmende Ereignislosigkeit. Die gesamte Inszenierung wirkt künstlich aufgeblasen; anstelle von echten Emotionen bietet die Filmmusik lediglich melodramatisches Gedudel. Besonders fragwürdig erscheinen die unterschwellig durchquellende Moralvorstellungen, welche die missliche Lage der Mädchen als eine Art Selbstverschulden porträtieren, anstatt die problematischen kulturellen Hintergründe dieses saudi-arabischen Dramas kritisch zu hinterfragen. Es wirkt fast so, als sei das Unglück eine göttliche Strafe oder Prüfung, die bestanden werden muss, um sich von einer vermeintlichen Schuld reinzuwaschen – dabei waren diese Mädchen schlichtweg Teenagerinnen.

Fazit
Statt klaustrophobischem Nervenkitzel bietet „Feueralarm 2: Die Grube“ lediglich hölzernes Schablonen-Drama und eine zweifelhafte Moral. Ein filmisches Desaster, das in seiner inszenatorischen Leere und völligen Bedeutungslosigkeit gnadenlos versinkt.


