Dust Bunny: Kritik zum Film – Mads Mikkelsen auf Monsterjagd!

Dust Bunny Film 2025
TitelDust Bunny
Genre Fantasy, Action
Jahr2025
FSK12
RegieBryan Fuller

Kinostart: 19.02.2026

Das Monster unter dem Bett ist realen

Kindliche Fantasie ist weit mehr als bloße Spielerei; sie ist ein kraftvoller Schutzraum, der neue Welten öffnet, wenn die Realität zu schwer wiegt. Oft dient dieses Motiv als Parabel für die Bewältigung von tiefem Schmerz, wie in Juan Antonio Bayonas „Sieben Minuten nach Mitternacht“, wo sich die Angst eines Jungen in einem gewaltigen Naturwesen manifestiert, das ihm hilft, den drohenden Verlust seiner Mutter zu verarbeiten. Auch im australischen Coming-of-Age-Drama „Blaze“ wurde die Fantasie zur Parabel für die Verarbeitung eines traumatischen Gewaltverbrechens. Während das Kind in „Sieben Minuten nach Mitternacht“ durch seine Visionen Heilung erfährt, flüchtet die zwölfjährige Blaze in eine Welt mit einem schützenden Drachen, um die Ohnmacht gegenüber einer grausamen Realität zu überstehen. Einen dezidiert actionlastigeren, ins Makabre spielenden Weg beschlägt indes Bryan Fullers „Dust Bunny“ – wo die kindlichen Albträume der achtjährigen Aurora zur tödlichen Realität werden.

Dust Bunny Film 2025
Dust Bunny ©DCM

Nachdem ihre Eltern spurlos verschwunden sind – laut Aurora (Sophie Sloan) wurden sie von einem gefräßigen Monster unter ihrem Bett verschlungen –, sucht das traumatisierte Mädchen Hilfe bei ihrem wortkargen Nachbarn (Mads Mikkelsen). Aurora hält ihn für einen erfahrenen Monsterjäger, doch die Wahrheit ist profaner, wenn auch kaum weniger düster: Der Nachbar ist ein professioneller Auftragskiller. Was als vermeintliche Wahnvorstellung eines Kindes beginnt, entwickelt sich schnell zu einem gefährlichen Katz-und-Maus-Spiel, in dem auch eine geheimnisvolle Frau namens Cass (Sigourney Weaver) und ihr bedrohlicher Lakai (David Dastmalchian) ihre eigenen Ziele verfolgen. Dass Bryan Fuller es versteht, den makabren Schrecken in seiner vollen Schönheit zu visualisieren, weiß man, wenn man seine „Hannibal“-Serie gesehen hat. Eine ganz eigene Handschrift, Brutalität als Kunstwerk, eine Ästhetik des Verfalls. Für „Dust Bunny“ wählt er nun eine andere Tonalität – weit weniger transgressiv, schließlich inszeniert sich das Werk beinahe als Familienfilm, wenn auch an der Grenze dessen, was man dem kindlichen Gemüt zumuten möchte. Dass er sich jedoch von seiner Linie entfernt und sich stattdessen am eklektischen Inszenierungsstil eines Wes Anderson orientiert, bleibt ein Rätsel.

Style over Substance

Symmetrische Bildkompositionen, eine fast schon klinische Farbpalette und eine akribische Kostümierung – „Dust Bunny“ sieht stark aus, aber auch kopiert. Der arg künstliche Look bei den Animationen hingegen ist eigen, aber weit weniger schön. Diese visuelle Diskrepanz zieht sich durch den gesamten Film: Einerseits gibt es die penibel durchkomponierten Sets, die wie Puppenhäuser wirken, andererseits die CGI-Effekte der Monster, die in ihrer bewussten Künstlichkeit eher befremdlich als faszinierend wirken. Es scheint, als könne sich Fuller nicht entscheiden, ob er ein modernes Märchen oder eine bizarre Satire inszenieren möchte, wodurch das visuelle Konzept letztlich zerfasert. Was „Dust Bunny“ dann aber zum höchstens mittelprächtigen Erlebnis macht, ist der fehlende Unterhaltungswert und die fehlende Emotionalität. Statt das emotional aufgeladene Thema für sich zu benützen, verkommt der Fantasyfilm zum oberflächlichen und seltsam seelenlosen Abenteuer. Die Action ist gering dosiert, die Dialoge setzen oft minutenlang aus und lassen stattdessen die Bilder die Geschichte erzählen – und dennoch fehlt es „Dust Bunny“ an Leben. Kein generischer Blockbuster, aber trotzdem farblos.

Dust Bunny Film 2025
Dust Bunny ©DCM

Wenn dann auch noch das zentrale Motiv der kindlichen Fantasie zugunsten eines deplatziert wirkenden Plottwists weicht, stellt sich die Sinnhaftigkeit hinter der eingangs gezogenen Parabel. Dieses erzählerische Vakuum wiegt schwer, da „Dust Bunny“ zwar vorgibt, von Trauma und Verlust zu handeln, die Zuschauerschaft aber nie wirklich an das Innenleben der kleinen Aurora heranlässt. Die Verbindung zwischen ihr und dem Killer bleibt rein zweckmäßig und entwickelt nie die nötige Wärme oder Tiefe, die Filme wie „Léon – Der Profi“ einst so unvergesslich machten. Was dann noch bleibt, ist ein eher blasser Mads Mikkelsen, der nach „Hannibal“ die nächste Zusammenarbeit mit Bryan Fuller eingeht und eine zugegeben recht liebreizende Kinderdarstellerin. Mikkelsen wirkt unterfordert, seine stoische Miene, die in anderen Rollen eine bedrohliche Intensität ausstrahlt, wirkt hier eher wie Desinteresse an dem wirren Drehbuch. Am Ende bleibt so ein Werk, das zwar ambitioniert in seiner Referenzlosigkeit gegenüber dem Mainstream-Kino ist, aber dabei vergisst, eine Geschichte zu erzählen, die das Herz berührt oder den Verstand fordert. „Dust Bunny“ ist ein hübsch verpacktes Geschenk, in dem sich beim Auspacken leider nur eine Menge Staub und heiße Luft befindet. Ein visuelles Experiment, das seine eigene Seele für einen Look opfert, der nicht einmal sein eigener ist.

Dust Bunny Film 2025
Dust Bunny ©DCM

Fazit

Statt tiefer Emotionen bietet Fuller nur dekorative Leere. „Dust Bunny“ gleicht einer hübschen, aber hohlen Theaterkulisse, die das Trauma ihrer Heldin verrät und die Zuschauerschaft trotz großer Namen seltsam unberührt zurücklässt.

Bewertung: 2.5 von 5.
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