The Rip: Kritik zum Netflix Film – Geld verdirbt den Cop

The Rip Netflix Film 2026
TitelThe Rip
Genre Thriller
Jahr2026
FSK16
RegieJoe Carnahan

Starttermin: 16.02.2026 | Netflix

Matt Damon und Ben Affleck im moralischen Abgrund

Korruption, Vertrauen, Loyalität, Verrat – die vier Säulen des Cop-Thrillers. Gemeinsam bilden sie ein Gerüst, das das Genre von reiner Polizeiarbeit in die Sphäre der griechischen Tragödie hebt. „Heat“, „The Departed – Unter Feinden“, „Training Day“ – sie alle sind moderne Epen über Männer, die im Labyrinth ihrer eigenen Prinzipien verloren gehen. In diesen Geschichten ist die Dienstmarke kein Symbol für Gerechtigkeit, sondern ein zweischneidiges Schwert, das die Grenze zwischen Gesetzeshüter und Gesetzlosem zerschneidet, bis sie nicht mehr existiert. Mit dem hochkarätig besetzen NetflixThriller „The Rip“ findet diese Tradition nun ihre neueste, erbarmungslose Fortsetzung. Was als Routineeinsatz einer Miami-Cops-Einheit beginnt, mutiert in dem Moment zur existenziellen Krise, als ein Berg von Bargeld gefunden wird – und mit ihm die Versuchung, das morsche Gerüst der eigenen Moral endgültig einzureißen.

The Rip Netflix Film 2026
The Rip ©Warrick Page/Netflix

„The Rip“ setzt ein, als ein Team der Miami-Drogenfahndung unter Lieutenant Dane Dumars (Matt Damon) und Sergeant J.D. Byrne (Ben Affleck) einen anonymen Tipp erhält. Sie erwarten ein verlassenes Versteck mit einer überschaubaren Summe, doch was sie in den Wänden des Hauses finden, sprengt jede Dimension: Ein Bargeldfund, der so gewaltig ist, dass er das moralische Fundament der Einheit binnen Sekunden pulverisiert. Während das Team noch mit dem Trauma des ungelösten Mordes an ihrer Vorgesetzten, Captain Jackie Velez, kämpft, bricht durch die Entdeckung der 20 Millionen US-Dollar ein offener Konflikt aus: Sollen die Millionen offiziell gemeldet oder untereinander aufgeteilt werden? In der Enge des Verstecks verwandelt sich die einstige Kameradschaft so in ein tödliches Geflecht aus Misstrauen, während von außen weitere Parteien Anspruch auf das Geld erheben und schließlich mit brutaler Waffengewalt versuchen, das Gebäude zu stürmen, wodurch der moralische Konflikt im Inneren in einem blutigen Inferno aus Blei und Verrat endet.

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Ein klaustrophobischer Cop-Thriller zwischen Gier und Gewalt

Basierend auf einer wahren Geschichte – ein Gütesiegel, das wie ein Ehrenwort über dem Vorspann von „The Rip“ prangt. Es ist das ultimative Versprechen von Authentizität: Ein Label, das die Neugier befeuert und die Zuschauerschaft zu Amateur-Ermittler*innen macht, die die Fiktion der Geschichte mit der Nüchternheit der Realität abgleichen will. Doch wer tiefer gräbt, stellt fest: Regisseur Joe Carnahan („The Grey – Unter Wölfen“) erzählt hier primär eine „Hörensagengeschichte, bei der die Realität lediglich als loses Fundament für ein fiktionalisiertes Thriller-Gerüst dient – und das ist in Anbetracht der teils arg konstruierten Eskalationsspirale fast schon beruhigend. Historisch mag man sich an den berüchtigten „Miami-River-Skandal“ der 1980er Jahre erinnert fühlen, in dem die Grenzen zwischen Gesetzeshütern und Kriminellen vollends verschwammen, doch Carnahans Szenario im Jahr 2026 ist weit weniger an dokumentarischer Präzision interessiert. Die Glaubwürdigkeit gerät nämlich immer dann ins Wanken, wenn eine Gruppe von Cops auf eigene Faust Geld beschlagnahmt und die Welt um sie herum wie in einem Vakuum zu verharren scheint. 

The Rip Netflix Film 2026
The Rip ©Warrick Page/Netflix

„The Rip“ ist kein realistisches Polizeidrama, sondern ein hochglanzpolierter Cop-Thriller, der die Logik gerne der Spannung opfert. Doch wo das Netflix Original inhaltlich stolpert, macht es atmosphärisch Boden gut. Die Kameraarbeit fängt Miami in betont düsteren, fast schon klaustrophobischen Bildern ein, die den Film zeitweise wie ein intensives Kammerspiel wirken lassen. Die visuelle Gestaltung unterstreicht die moralische Dunkelheit, in der sich die Protagonisten bewegen. Getragen wird „The Rip“ von einem Cast, der hält, was die großen Namen auf dem Poster versprechen. Auch wenn Matt Damon („The Instigators“) und Ben Affleck („The Accountant 2“) letztlich die Archetypen des harten, innerlich zerrissenen Cops spielen, füllen sie diese Stereotypen mit einer Leinwandpräsenz, die den Film über das Mittelmaß hebt – und das trotz eines dann doch eher generischen Schlussakts, der das zuvor sorgfältig aufgebaute Kammerspielszenario zugunsten eines routinierten Kugelhagels auflöst.

The Rip Netflix Film 2026
The Rip ©Warrick Page/Netflix

Fazit

Zwei Stars, ein Berg Geld und eine Entscheidung, die alles vergiftet: „The Rip“ lebt von Spannung und Atmosphäre, getragen von Damon und Affleck – verliert sich zum Schluss jedoch in vertrauten Genrepfaden.

Bewertung: 3 von 5.
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