| Titel | Alles für die Liebe |
| Genre | Romanze |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 12 |
| Regie | Yavuz Turgul |
Starttermin: 15.01.2026 | Netflix
Die Drehbuchautorin und der Geldeintreiber
In der glitzernden Welt der türkischen Netflix Originals hat sich ein festes Subgenre etabliert: das hochglanzpolierte Melodram, das zwischen Istanbuler Nostalgie und modernem Lifestyle pendelt. Der neueste Zuwachs, die achtteilige Dramaserie „Alles für die Liebe“, versucht dieses Rezept durch eine metatextuelle Ebene zu verfeinern, scheitert jedoch kläglich an den eigenen Ambitionen. Was als charmante Romanze zwischen einer Drehbuchautorin und einem Geldeintreiber geplant war, entpuppt sich als Paradebeispiel für alles, was im aktuellen Streaming-Mainstream schiefläuft.

„Alles für die Liebe“ folgt Afife (Emine Meyrem), einer engagierten Drehbuchautorin, deren Leben eine dramatische Wendung nimmt, als sie entdeckt, dass ihre Mutter einen riesigen Kredit aufgenommen hat, den das Familienrestaurant, in dem Afife gezwungen ist zu arbeiten, nicht zurückzahlen kann. Das Restaurant, ein gemütlicher Ort im Herzen des alten Istanbul, droht zu scheitern.Um die Familie zu schützen und die finanzielle Notlage zu bewältigen, gerät Afife an Kemal (İbrahim Çelikkol), einen undurchsichtigen, aber attraktiven Geldeintreiber und Erben einer mächtigen Kredithai-Familie. Kemal, der normalerweise Schulden ohne große Probleme eintreibt, trifft auf Afife und entdeckt unerwartete Gefühle. Was als angespannter finanzieller Konflikt beginnt, entwickelt sich zu einer Liebesgeschichte voller unerwarteter Gefühle, familiärer Konflikte und Kitsch, Kitsch und nochmal Kitsch.

Liebe auf Autopilot
Der Clou hinter „Alles für die Liebe“ soll Afifes Beruf sein. Immer wieder durchbricht sie die vierte Wand, indem sie der Zuschauerschaft die Mechanismen eines Drehbuchs erklärt – Wendepunkte, Charakterbögen, Plotlines und Konflikte. Ein unfreiwillig komischer Kniff, bedenkt man das daraus resultierende Paradoxon: Eine Figur erklärt die Regeln des handwerklich präzisen Erzählens, während sie gleichzeitig in einer Geschichte gefangen ist, die jede dieser Regeln ignoriert. Wenn Afife über tiefgründige Charakterentwicklung doziert, während sie selbst nur als blasse Schablone agiert, fragt man sich, ob die Autoren hinter der Netflix Serie jemals ein Lehrbuch über Skriptdesign in der Hand hielten. Es ist, als würde ein Koch erklären, wie man ein Fünf-Gänge-Menü kredenzt, während er dem Gast gerade den Inhalt einer Tütensuppe in das kochende Wasser schüttert. Somit reiht sich Alles für die Liebe nahtlos in die Riege ähnlich gearteter Netflix Originals aus der Türkei wie „Altes Geld, neue Liebe“ oder „Die Kunst, ein Herz zu stehlen“ ein. Sie alle teilen dieselbe DNA: eine fast schon aggressive Melancholie, hölzerne Dialoge und identitätslose Inszenierung.

Man könnte dies als kulturelle Differenz abtun – das türkische Kino liebt schließlich die großen Gesten, die klare Schwarz-Weiß-Zeichnung und ausladende Emotionen –, wären da nicht die wirklich starken Produktionen aus der Türkei, die zeigen, dass Genre-Kino auch intelligent sein kann. „Alles für die Liebe“ hingegen ist gleichgeschalteter Mainstream. Ein Produkt, für den Algorithmus optimiert, nicht für die Zuschauerschaft. Am Ende bleibt „Alles für die Liebe“ genau das, was Afife in ihren Erklärungen wohl als „Redundant“ bezeichnen würde. Ein schlechtes Skript bleibt ein schlechtes Skript, egal wie schön das Licht der untergehenden Sonne über Istanbul auf die Gesichter der Hauptdarsteller*innen fällt. Wer echten Herzschmerz oder kluge Romantik sucht, sollte dieses Restaurant meiden – hier wird nur Convenience-Food für die Seele serviert, das zwar satt macht, aber einen faden Nachgeschmack hinterlässt. Kitsch bleibt Kitsch, auch wenn man versucht, ihn mit einer Prise Selbstreflexion zu garnieren.



