Agatha Christie’s Seven Dials: Kritik zur Netflix Serie – Cleveres Rätsel oder Leerlauf?

Agatha Christie's Seven Dials Netflix Serie 2026
TitelAgatha Christie’s Seven Dials
Genre Krimi
Jahr2026
FSK12
RegieChris Sweeney

Starttermin: 15.01.2026 | Netflix

Ein Abenteuer im Schatten der großen Detektive

Denkt man an Agatha Christie, denkt man unweigerlich an den analytischen Geist von Miss Marple oder die exzentrische Präzision eines Hercule Poirot. „Agatha Christie’s The Seven Dials Mystery“ bricht radikal mit diesen Erwartungen – und genau hier liegt das Problem der aktuellen Serienadaption von Netflix. Während die literarische Vorlage bereits als eine von Christies untypischsten Arbeiten gilt, versucht die Verfilmung, den Spagat zwischen klassischem Krimi und moderner Spionagegeschichte für das Streamingpublikum zu reproduzieren, verliert dabei jedoch die essenzielle Seele der Queen of Crime. Der Fokus liegt hier weniger auf klassischem Whodunit als auf beschwingtem Abenteurertum und undurchsichtigen Verschwörungen. Statt eines klar abgegrenzten Täterkreises verliert sich die Erzählung in Spionageintrigen, nebulösen Geheimbünden und einer rastlosen Spurensuche, die mehr Bewegung erzeugt als Erkenntnis. Im Zentrum steht eine junge Heldin, die aktiv handelt, statt nur im Lehnstuhl zu beobachten und zu kombinieren. Was auf dem Papier nach einer erfrischenden Abwechslung klingt, entpuppt sich in der Umsetzung als eine Produktion, die zwischen den Stühlen sitzt: Für Fans der logischen Deduktion ist sie zu fahrig, für Liebhaber moderner Action zu bieder.

Agatha Christie's Seven Dials Netflix Serie 2026
Agatha Christie’s Seven Dials ©Netflix

Die Geschichte beginnt im September 1925 mit einer ausgelassenen Landhausparty. Eine Gruppe von Freunden platziert acht Wecker im Zimmer des notorischen Langschläfers Gerry Wade (Corey Mylchreest), um ihn unsanft zu wecken. Am nächsten Morgen wird Wade jedoch tot aufgefunden – und die Wecker stehen aufgereiht auf seinem Kaminsims. Die junge, unkonventionelle Lady Eileen „Bundle“ Brent (Mia McKenna-Bruce) glaubt nicht an einen Unfall und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Ihre Suche führt sie von den prunkvollen Salons der Oberschicht – unter den Augen ihrer Mutter Lady Caterham (Helena Bonham Carter) – in die zwielichtige Unterwelt Londons. Dabei stößt sie gemeinsam mit Begleitern wie Jimmy Thesiger (Edward Bluemel) immer wieder auf das mysteriöse Symbol der „Seven Dials“ – und auch der undurchsichtige Ermittler Battle (Martin Freeman) scheint mehr zu wissen, als er preisgibt.

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Eine Fußnote im Christie-Kanon

„Agatha Christie’s The Seven Dials Mystery“ entfaltet sich gemächlich, beinahe widerwillig über mehrere Episoden mit einer Netto-Laufzeit von insgesamt 150 Minuten – damit ist die Netflix Miniserie nur einen Tick länger als Rian Johnsons aktueller Genre-Beitrag „Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery“. Doch während Johnson das Genre zuletzt noch mit spielerischer Lust und einem klaren Autorenton dekonstruiert, wirkt die Adaption des Kriminalromans eher wie eine pflichtbewusste, fast schematische Fingerübung. Typische Christie-Merkmale fehlen oder treten auffällig leise in den Hintergrund. Es gibt kaum ein geschlossenes Setting; die Handlung ist zerfasert, unruhig, verlässt schnell die Sicherheit englischer Herrenhäuser – und damit auch das, was man gemeinhin mit der wohlig-klaustrophobischen Dramaturgie Christies verbindet. Zudem fehlt eine ikonische Ermittlerfigur, die es mit dem Charme eines Poirot oder einer Miss Marple aufnehmen könnte. Die Motive der Akteur*innen wirken indes zweckmäßig, fast mechanisch, die Figuren bleiben eher blasse Typen statt lebendiger, widersprüchlicher Charakterstudien. Selbst der finale Twist ist streng funktional, rein Plot-getrieben und wird nicht, wie sonst üblich, durch feinsinnige, beiläufig gestreute deduktive Hinweise vorbereitet.

Agatha Christie's Seven Dials Netflix Serie 2026
Agatha Christie’s Seven Dials ©Netflix

Nur weil ein Werk anders ist als erwartet, ist es per se nicht schlecht. Im Fall von „Agatha Christie’s The Seven Dials Mystery“ ist das Ergebnis dennoch ernüchternd, was vor allem an der inszenatorischen Gleichförmigkeit liegt. Abgesehen von ein paar Drohnen-Shots passiert visuell zu wenig und zu selten, um die Zuschauerschaft über die zähen zweieinhalb Stunden durchweg zu fesseln. Die Ausstattung mag makellos sein und mit sichtbarem Aufwand designt, doch Kostüme und Szenenbild fangen den Zeitgeist der Zwischenkriegszeit lediglich handwerklich korrekt ein, ohne ihm eine eigene Handschrift zu verleihen. Was fehlt, ist eine Form von eigenem visuellen Gestus, ein nennenswerter Wiedererkennungswert, der fern bleibt. Letztlich scheitert „Agatha Christie’s The Seven Dials Mystery“ somit am eigenen Anspruch, eine bewusst andere Kriminalgeschichte zu sein. Es fehlt spürbar an echtem Charme und jenem britischen Esprit, der selbst die schwächeren, formelhafteren Romane der Autorin oft noch elegant über Wasser hält. Für Komplettisten mag  die Netflix Serie einen Blick wert sein, für alle anderen bleibt sie eine erstaunlich farblose, schnell vergessene Fußnote im umfangreichen Kanon der Christie-Verfilmungen.

Agatha Christie's Seven Dials Netflix Serie 2026
Agatha Christie’s Seven Dials ©Netflix

Fazit

Ambitioniert gedacht, ordentlich produziert, doch seltsam seelenlos erzählt: Diese Christie-Adaption verirrt sich zwischen Abenteuer und Krimi und verliert dabei Charme, Spannung und erzählerische Präzision.

Bewertung: 2 von 5.
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