Influencer 2: Kritik zum Film – Noch tödlicher als Teil 1!

Influencer 2 Film 2025
TitelInfluencer 2
Genre Thriller
Jahr2025
FSK18
RegieKurtis David Harder

Heimkinostart: 29.01.2026

Gefällt mir – bis zum Tod!

Sequels neigen in der Regel dazu, sich auf dem erzählerischen Fundament ihrer Vorgänger auszuruhen und in einer bequemen Redundanz zu verharren, die lediglich das Erfolgsrezept variiert, ohne echtes Wagnis einzugehen. Kurtis David Harders „Influencer 2“ folgt diesem ermüdenden Muster jedoch keineswegs. Wie seine Protagonistin setzt auch die Fortsetzung seines Social-Media-Horrorthrillers „Influencer – Trau niemandem, dem Du folgst“ permanent neue Masken auf, während er zugleich eine beinahe hypnotische Sogwirkung entfaltet, der man sich nur schwer entziehen kann. Zwischen der oberflächlichen Leichtigkeit digitaler Selbstdarstellung und der unentrinnbaren Schwere existenzieller Abgründe oszillierend, verschmelzen visuelle Präzision und narrative Kühnheit zu einem bitterbösen Epos über Identität in Zeiten totaler Simulation.

Influencer 2 Film 2025
Influencer 2 ©Plaion Pictures

CW (Cassandra Naud) hat ihr blutiges Handwerk in Thailand zurückgelassen und zieht nun als Catherine durch die malerischen Landschaften Südfrankreichs. Hier glaubt sie, das Unmögliche gefunden zu haben: eine unverfälschte Verbindung jenseits von Filtern, Algorithmen und künstlicher Inszenierung. Diane (Lisa Delamar) eröffnet ihr eine Welt, die analoger und echter nicht sein könnte – und doch entpuppt sich diese Nähe als fragile Blase. Denn die Vergangenheit lässt sich nicht einfach löschen: Madison (Emily Tennant), die einzige Überlebende des ersten Teils, ist vom digitalen Mob traumatisiert und zur eiskalten Jägerin mutiert. Bewaffnet mit obsessiver Rachelust, verfolgt sie Catherine quer durch Europa – und die Idylle wird zum Jagdrevier. Wo „Influencer – Trau niemandem, dem Du folgst“ bereits die Sehgewohnheiten herausforderte, indem er dramaturgisch auf gängige Tropen des Genres verzichtete und mit einem radikalen Perspektivwechsel zur Mitte des Films überraschte, verzichtet Harder bei der Fortsetzung nun konsequent auf lineare Thrillermechanismen. 

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Ein starkes Stück Genre-Kino

„Influencer 2“ entfaltet ein verschachteltes Puzzle, das weit über das bloße Influencer*innen-Dasein hinausweist und die gesamte Struktur unserer Aufmerksamkeitsökonomie hinterfragt. Kameramann David Schuurman fängt die Côte d’Azur und Thailand in Bildern ein, deren makellose Perfektion die oberflächliche Scheinwelt seiner Protagonist*innen und ihrer Followerschaft spiegelt. Jede Einstellung wirkt wie ein hochglanzpolierter Post, der jedoch giftige Untertöne transportiert. Doch hinter dieser Schönheit gärt eine Abrechnung mit den Machtstrukturen der Gegenwart: Die toxische Social-Media-Kultur, die dunklen Ecken misogyner Dynamiken und der voyeuristische Drang einer Gesellschaft, die Schicksale in Echtzeit entwertet, werden hier gnadenlos seziert. Satirische Spitzen wechseln sich ab mit existenziellem Grauen, doch stets bleibt die visuelle Perfektion eine unterschwellige Drohung, die den Blick auf das Unsagbare lenkt. Genregrenzen scheint Harder nicht zu kennen – oder er besitzt einen filmischen Reisepass, der es ihm erlaubt, diese im Minutentakt zu überschreiten. Lovestory, Agentengeschichte, Rachethriller und tiefschürfendes Charakterdrama münden schließlich in einen blutrünstigen Slasher.

Influencer 2 Film 2025
Influencer 2 ©Plaion Pictures

Im letzten Drittel löst der Film das Versprechen seiner Intensität mit einer Konsequenz ein, die den Zuschauer regelrecht überrumpelt. Das Slasher-artige Finale erscheint nicht als bloße Eskalation zum Selbstzweck, sondern als logische Konsequenz der über die gesamte Laufzeit aufgebauten Spannung. Gewalt wird zum unausweichlichen Ausdruck einer Realität, die sich nicht digital wegfiltern lässt und die am Ende immer ihren Tribut fordert. CWs Innenleben, die als komplexe Killerin trotz ihrer Taten seltsam nahbar bleibt, fungiert dabei stets als emotionaler Anker – sie verkörpert echte Gefühle in einer Welt voller Deepfakes, trotz ihres ausgeprägten Killerinstinkts. Das macht „Influencer 2“ zu einem cineastischen Hybridwesen: Romantik, scharfe Gesellschaftskritik und kompromissloser Horror verschmelzen zu einem dichten, unentrinnbaren Gewebe. Harder zeigt eindrucksvoll, dass Sequels intelligenter, mutiger und radikaler sein können als ihre Vorgänger, indem sie die großen Fragen nach Wahrheit, Inszenierung und digitaler Verzerrung auf eine neue, schmerzhafte Ebene heben. Mit einer stark aufspielenden Cassandra Naud und einer präzisen Bildsprache markiert „Influencer 2“ zwar kein neues absolutes Highlight, aber einen handwerklich wie inhaltlich bemerkenswert starken Vertreter des modernen Genre-Kinos.

Influencer 2 Film 2025
Influencer 2 ©Plaion Pictures

Fazit

„Influencer 2“ überholt den Erstling locker: Ein Follow-up ohne Filter, das zeigt, dass dieses Sequel definitiv mehr als einen Like verdient.

Bewertung: 3.5 von 5.
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