| Titel | Push: Haus in tödlicher Lage |
| Genre | Thriller, Horror |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 16 |
| Regie | David Charbonier, Justin Powell |
Heimkinostart: 16.01.2026
Auf den Spuren von „Inside“
Der französische Horror-Schocker „Inside“ (2007) bezog seine brachiale Intensität aus einer meisterhaften Reduktion auf das Wesentliche. Als Kammerspiel konzipiert, verzichtete der Film auf unnötige Erklärungen und fokussierte sich rein auf den klaustrophobischen Überlebenskampf zuhause. Durch die Beschränkung auf zwei Gegenspielerinnen – Sarah (Alysson Paradis) und eine unbekannte Frau (Béatrice Dalle) – sowie die Verletzlichkeit einer hochschwangeren Protagonistin wurde eine existenzielle Urangst getriggert. Die Gewalt wirkte durch das chirurgisch präzise Sounddesign fast physisch schmerzhaft. Diese radikale Einfachheit machte „Inside“ zu einem Meilenstein, der die Zuschauerschaft ohne Atempause in den Abgrund riss – eine Messlatte, an der „Push: Haus in tödlicher Lage“ (2024) nun unweigerlich scheitert.

Obwohl „Push: Haus in tödlicher Lage“ ein fast identisches Grundgerüst nutzt – eine schwangere Frau allein in einem isolierten, modernen Haus –, scheitert der US-amerikanische Home-Invasion-Thriller kläglich an der Umsetzung dieser Reduktion. Wo „Inside“ durch Weglassen an Stärke gewinnt, wirkt „Push“ schlichtweg leer. In „Push: Haus in tödlicher Lage“ versucht die hochschwangere Maklerin Natalie (Alicia Sanz), durch den Verkauf eines luxuriösen, aber isolierten Anwesens in Nord-Michigan einen Neuanfang zu wagen. Belastet durch den traumatischen Verlust ihres Partners, hofft sie auf einen schnellen Abschluss, doch das „Open House“ gerät zum Albtraum.

Warum das US-Copycat nicht in die Gänge kommt
Nachdem nur ein einziger, bedrohlicher Interessent (Raul Castillo) erscheint, findet sich Natalie plötzlich allein und ohne Fluchtmöglichkeit in dem weitläufigen Labyrinth aus Beton und Glas gefangen. Als die Wehen einsetzen, beginnt ein verzweifelter Überlebenskampf gegen einen sadistischen Eindringling. Wo das Setting eine klaustrophobische Intensität verspricht, verliert sich die Handlung jedoch schnell in bekannten Genremustern, ohne die viszerale Härte seines geistigen Vorbilds zu erreichen. Die Regie verlässt sich hierbei zu sehr auf die Architektur des Gebäudes und vernachlässigt dabei die emotionale Dringlichkeit der Situation. Statt den psychischen Druck der bevorstehenden Geburt und der tödlichen Bedrohung organisch zu verweben, setzt „Push: Haus in tödlicher Lage“ auf repetitives Verfolgungsschleichen durch sterile Flure.

Vor allem der Hauptfigur Natalie fehlt es an jener verzweifelten Wucht, die Sarah in „Inside“ so unvergesslich machte; sie agiert oft nach dem Lehrbuch für Standard-Slasher und bleibt als Charakter merkwürdig blass, was der existenziellen Prämisse die nötige Gravitas raubt. „Push: Haus in tödlicher Lage“ verwechselt Atmosphäre mit Langsamkeit und Spannung mit Klischees. Während die Bedrohung in „Inside“ eine unaufhaltsame Naturgewalt war, verliert sich das US-amerikanisierte Copycat in einer zähen Inszenierung, die weder die psychologische Tiefe noch die handwerkliche Härte besitzt, um das Publikum wirklich zu packen. Am Ende bleibt ein fader Beigeschmack: Die Erkenntnis, dass eine gute Prämisse allein nicht ausreicht, wenn man nicht den Mut besitzt, sie so konsequent und schmerzhaft zu Ende zu denken wie das französische Vorbild.

Fazit
Ein „Push“ in die Belanglosigkeit: Statt nervenaufreibendem Terror liefert dieser sterile Home-Invasion-Thriller nur gähnende Leere. Wer echte Intensität sucht, sollte beim französischen Vorbild „Inside“ bleiben und „Push: Haus in tödlicher Lage“ als ein handwerklich solides, aber erzählerisch blasses Werk betrachten, das letztlich hinter seinen eigenen Ambitionen zurückbleibt.



