| Titel | Hostage |
| Genre | Thriller |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Creator | Matt Charman |
Starttermin: 21.08.2025 | Netflix
Zwischen Macht und Menschlichkeit
Politik und Gewissen – zwei Begriffe, die sich heute kaum mehr berühren. Wer Macht sucht, muss Kompromisse eingehen, sich dem Anbiedern, was die vermeintliche Mehrheit fordert, während sich die eigenen Prinzipien zunehmend verschwimmen. Das Gewissen wird zum leisen Störgeräusch, übertönt von Meinungstrends, Koalitionslogik und dem Drang, Wahlen zu gewinnen. Während der Rechtsruck weiter durch Europa zieht und Migration nicht mehr als Reaktion politischen Versagens betrachtet wird, übernehmen Regierungen Narrative, die einst nur am rechten Rand existierten, und verwandeln Unwissenheit und Angst in Stimmen. Inmitten dieses Szenarios entspinnt „Hostage“ ein moralisches Kammerspiel im Gewand eines Thrillers und stellt sich dabei folgende Frage: Gibt es in der politischen Landschaft noch Platz für moralische Integrität? Oder ist Gewissen längst zum Luxus geworden, den sich Macht nicht leisten kann?

Und darum geht es…
Während eines internationalen Gipfels zwischen Großbritannien und Frankreich gerät alles außer Kontrolle: Die britische Premierministerin Abigail Dalton (Suranne Jones) wird in eine persönliche Krise gezwungen, als ihr Ehemann Alex (Ashley Thomas) entführt wird. Gleichzeitig sieht sich die französische Präsidentin Vivienne Toussaint (Julie Delpy) einer geheimnisvollen Erpressung gegenüber. Zwischen politischen Spannungen und persönlichen Ängsten müssen die beiden Staatsoberhäupter zusammenarbeiten, um Leben zu retten und eine drohende Katastrophe abzuwenden. In einem Wettlauf gegen die Zeit stehen nicht nur ihre Karriere, sondern auch ihre Existenz auf dem Spiel.

Unser Eindruck zwei Episoden
Die Prämisse ist simpel: Eine marode diplomatische Beziehung, ein persönlicher Angriff mit politischem Ausmaß, die Zerrissenheit zwischen Verantwortung und eigenem Interesse. Im Kern orientiert sich „Hostage“ an den Gepflogenheiten eines jeden Politthrillers – doch das, was den feinen Unterschied ausmacht, spielt sich zwischen den Zeilen ab. Wo sich das Netflix Original „Day Zero“zuletzt noch vornehmlich der kühlen, atmosphärischen Inszenierung widmete und die Figuren oft nur Randgestalten blieben, rückt “Hostage” die inneren Konflikte und moralischen Zwiespälte der Charaktere in den Vordergrund und lässt daraus die politischen und letztlich auch die dramaturgischen Spannung erwachsen. So dauert es nicht lange, bis die fünf Episoden umfassende Miniserie eine einnehmende Sogwirkung entfalten kann – und die kurzweilige Thriller-Dynamik nimmt ihren Lauf.

Es sind die Figuren, die die Geschichte tragen, nicht umgekehrt. Ihre innere Zerrissenheit steht im Zentrum, mit greifbaren Ängsten, Schuldgefühlen und widersprüchlichen Motiven. Während die Protagonist*innen im Politthriller-Genre oft wie Marionetten wirken, deren Handlungen allein die Geschichte vorantreiben, gelingt es „Hostage“ die menschliche Dimension mit den politischen Konflikten organisch zu verweben. Die Figuren sind nicht nur Träger der Story, sie sind deren moralisches und emotionales Zentrum, das die politischen Spannungen greifbar macht. Dadurch entsteht eine Dynamik, die weit über bloße Plotpunkte hinausgeht und die Zuschauerschaft auf subtile Weise zwingt, sich mit den Zwängen und Widersprüchen der Charaktere auseinanderzusetzen. Auch wenn sich „Hostage“ dabei immer noch im Rahmen erwartbarer Netflix-Unterhaltung aufhält, bleibt der Eindruck einer soliden und durchweg gelungenen Politserie zurück.

Fazit
Wer einen Politthriller sucht, in dem Figuren nicht nur die Handlung tragen, sondern als zerrissene, fühlbare Menschen spürbar werden, findet in „Hostage“ packende, subtile Spannung.


