| Titel | Fall For Me |
| Genre | Thriller, Erotik |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Regie | Sherry Hormann |
Starttermin: 21.08.2025 | Netflix
Knisternde Erotik, oder leere Verheißung?
Seit „Fifty Shades of Grey“ die Herzen – und Lenden – einer überwiegend weiblichen Leserschaft eroberte und mit der Leinwandadaption auch das Kinopublikum erreichte, haben toxische Liebesgeschichten Hochkonjunktur. Klar, dass auch der Deutsche Film diese Entwicklung nicht ungenutzt an sich vorbeiziehen ließ und mit dem Amazon Original „Un/Dressed“ im vergangenen Jahr erste Gehversuche in selten romantische, bedingt erotische, dafür aber stets bedenkliche Geschichten wagte. Von uns wurde dieser Versuch prompt mit 0,5 Sternen abgestraft. Kein gutes Omen also für Deutschlands nächste Bildschirmfantasie: „Fall for Me“ auf Netflix – oder doch?

Und darum geht es…
Lilli (Svenja Jung) reist nach Mallorca, um ihre jüngere Schwester Valeria (Tijan Marei) zu besuchen – und stolpert direkt in ein Netz aus Geheimnissen und Verlockungen. Valeria ist frisch verlobt mit Manu (Victor Meutelet), einem charmanten Franzosen, der ein luxuriöses B&B eröffnen will. Lilli misstraut dem rasanten Glück ihrer Schwester und beginnt, Manu genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei kreuzt sie der mysteriöse Nachtclub-Manager Tom (Theo Trebs), und zwischen den beiden entbrennt eine gefährliche Affäre. Leidenschaft, Lügen und verborgene Absichten verschränken sich zu einem Spiel, bei dem niemand ohne Risiko bleibt.

Weit weniger toxisch, aber auch nicht gut
Eines vorweg: „Fall For Me“ mag äußerlich genau das bedienen, was die Welt der toxischen Erotikromanzen längst ausgeleiert hat – doch wirklich toxisch wird es dabei nicht. Ein Verdienst, der allerdings kaum als Maßstab filmischer Qualität taugt. Denn ein guter Film ist die deutsche Antwort auf die „After“-Reihe – und eigentlich jede andere Softcore-Schnulzen – noch lange nicht. Zwar bedienen die fatalen Liebesversprechen der männlichen Protagonisten dasselbe altbekannte Muster manipulativer, gewalttätiger Verführungscodes, und doch sind es dieses Mal nicht die dummen, ahnungslosen Frauen, die blind ins Verderben stolpern; es sind die Männer, die kalkuliert und vorsätzlich handeln. „Fall For Me“ bemüht sich nicht, diese Dynamik zu verharmlosen oder als romantischen Sommernachtstraum zu verklären. Fast könnte man dies als feministische Geste lesen – wäre der Film in seiner erzählerischen Schlichtheit nicht so banal. Da ist es beinahe tröstlich, da es der Erotik in ihrer Körperlichkeit gelingt, deutlich mehr Leidenschaft zu entfachen als „365 Days“ oder „Culpa Mia“, die ihren vermeintlichen Sexappeal in bloßem Voyeurismus erschöpfen.

Für eine deutsche Mainstreamproduktion überrascht „Fall For Me“ mit Dialogen, die zumindest gelegentlich eine gewisse Natürlichkeit behaupten. Auch die Kulissen des mallorquinischen Sommeridylls entfalten eine optische Eleganz, und Svenja Jung verleiht ihrer Figur emotionale Authentizität, obwohl das Drehbuch ihr kaum psychologische Tiefe zugesteht. Die erzählerischen Wendungen bleiben jedoch so vorhersehbar, wie es die Synopsis vermuten lässt. So entsteht ein Werk, das zwar im Vorbeigehen unterhält, in seiner Gesamtheit aber zu banal bleibt, um wirklich zu fesseln. Am Ende steht somit ein Film, der weit entfernt ist von mutigen Charakterstudien à la „Babygirl“, die Macht, Sexualität und Selbstbestimmung mit einer seltenen Differenziertheit erkunden. Gleichzeitig ist er kein toxisch-romantisierender Schund der Marke „365 Days“. „Fall For Me“ verharrt in einer unbeholfenen Zwischenlage: zu glatt, um anzuecken, zu substanzlos, um wirklich etwas zu erzählen.

Fazit
„Fall For Me“ bleibt harmlose deutsche Erotikromanze: Weniger toxisch als gedacht, aber vorhersehbar, banal und oberflächlich – Leidenschaft spürbar, doch erzählerisch ohne Substanz.


