| Titel | Bring Her Back |
| Genre | Horror |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 18 |
| Regie | Danny Philippou, Michael Philippou |
Kinostart: 14.08.2025
Guter Horror ist berührend?
Er zerrt an den Nerven. Frisst sich unaufhaltsam in die Eingeweide. Tiefer und tiefer und nistet sich ein, als viszeraler Schrecken. Guter Horror ist atmosphärisch. Vielschichtig. Einnehmend. Guter Horror ist… berührend? Dass Jumpscares nicht die Universallösung für effektiven Horror sind, hat die Ära des Elevated Horrors unlängst bewiesen – den Weg, den Danny und Michael Philippou in ihrem zweiten Langfilm „Bring Her Back“ bestreiten, eröffnet dem jahrelang auf der Stelle getretenen Genre nun einen weiteren, eher ungewöhnlichen Blickwinkel, der zwar nicht ganz neu ist, aber ins Gedächtnis ruft, dass Horror umso effektiver ist, desto mehr sich die Zuschauerschaft für die Figuren interessiert – und das ist die große Stärke von „Bring Her Back“. Denn ja, guter Horror ist berührend!

Und darum geht es…
Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters werden der 17-jährige Andy (Billy Barratt) und seine sehbeeinträchtigte Schwester Piper (Sora Wong) in eine Pflegefamilie gegeben. Ihre neue Pflegemutter Laura (Sally Hawkins) empfängt sie mit offenem Lächeln und leiser Melancholie – eine warmherzige Frau, die sich besonders liebevoll um Piper kümmert. Doch was anfangs nach einem sicheren Hafen aussieht, bekommt schnell Risse. Lauras Fürsorge schlägt um in Kontrolle, ihre Nähe wird zu etwas Erstickendem. Auch Oliver (Jonah Wren Phillips), Lauras erstes Pflegekind, verhält sich zunehmend befremdlich – still, abwesend, irgendwie verschoben. Andy beginnt, misstrauisch zu werden. Er will Piper schützen, koste es, was es wolle. Doch je näher er der Wahrheit kommt, desto mehr verliert er den Boden unter den Füßen.

Ein Film, der unter die Haut geht
„Bring Her Back“ ist berührend – und genau darin liegt seine Wucht. Die Handlung lässt seinen Figuren Raum. Raum zum Atmen, sich zu entfalten, ihr Inneres nach außen zu tragen. Gerade die Beziehung zwischen Andy und Piper entwickelt sich so feinfühlig, dass jede Bedrohung, jede Eskalation im späteren Verlauf doppelt wirkt. Der Horror funktioniert hier nicht trotz der Emotionen, sondern durch sie. Die Angst entspringt nicht der Dunkelheit, sondern der Vorstellung, jemanden zu verlieren, den man liebt – oder schlimmer noch: diesen Menschen nicht beschützen zu können. Es ist diese emotionale Durchdringung, die „Bring Her Back“ so kompromisslos macht. Wenn der Horror kommt, trifft er mit voller Wucht. Er trifft ins Herz – und gleichzeitig auch tief in die Magengegend, da wo es besonders wehtut. Ohne Vorwarnung, ohne Rückzugsmöglichkeit. Die Philippou-Brüder verstehen es, die Spannung zu schichten – langsam, akribisch – nur um sie dann mit aller Konsequenz zur Explosion zu bringen. Jeder Schock, jeder Moment der Verstörung ist mehr als nur ein Effekt. Er ist ein Ausdruck von Leid, Schuld, Machtlosigkeit – und bereitet alleine durch das Zuschauen körperliche Schmerzen.

Was „Bring Her Back“ so besonders macht, ist die Bereitschaft, Trauma nicht zu schematisieren. Statt Archetypen zeigt der Film komplexe Menschen, mit noch komplexeren Beziehungen. Diese Balance ist selten und macht den Horror umso wirkungsvoller. Wer nun genervt abwinkt und das Horrorversprechen, das Danny und Michael Philippou mit ihrem Erstlingswerk „Talk to Me“ abgegeben haben, in Gefahr sieht, kann beruhigt sein. Auch „Bring Her Back“ spart nicht an Terror – im Gegenteil. Gerade weil wir fühlen, was auf dem Spiel steht, weil wir die Verletzlichkeit der Figuren kennen, weil wir ihnen nahe sind, trifft uns der Schrecken mit voller Härte. Hier wird nicht gezögert, nicht relativiert, nicht weggeschnitten. Der Horror kommt nicht beiläufig, sondern frontal und mit Nachdruck. Denn trotz des emotionalen Unterbaus geht „Bring Her Back“ nie den einfachen Weg und scheut keine Wahrheiten, auch wenn sie noch so hässlich sind. Ein Film, der wehtut, weil er ehrlich ist. Und erschreckt, weil er es muss.

Fazit
Brutal, kompromisslos und zutiefst berührend: „Bring Her Back“ baut seinen Terror auf einem menschlichen Gerüst – und erschüttert, weil er genau dort ansetzt, wo es weh tut!


