| Titel | Weapons – Die Stunde des Verschwindens |
| Genre | Horror, Mystery |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Regie | Zach Cregger |
Kinostart: 07.08.2025
Die Suche nach Antworten beginnt in der Stille der Nacht
Der Sommer hält ein Horrorhighlight nach dem anderen bereit. Nachdem sich Slasher-Fans mit dem Legacy-Sequel von „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ begnügen durften, folgte kurz darauf mit „Together – Unzertrennlich“ ein echter Leckerbissen für Body-Horror-Fans. Und während in einer Woche auch die A24-Fangemeinde mit „Bring Her Back“ auf ihre Kosten kommt, drängt sich noch schnell Zach Cregger mit „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ dazwischen, dem Nachfolger seines gefeierten Debüts „Barbarian“. Im Netz sorgt sein neues Werk erneut für einen regelrechten Hype. Doch wird es diesem auch gerecht?

Und darum geht es…
Eine ruhige Kleinstadt, in der nie etwas passiert, wird von einem mysteriösen Vorfall erschüttert: Nachts, um Punkt 2:17 Uhr, stehen siebzehn Schüler derselben Klasse auf, verlassen ohne ein Wort ihre Häuser, und rennen hinaus in die Dunkelheit. Keine Spuren. Keine Vorwarnung. Die verzweifelten Eltern suchen die Schuld bei Lehrerin Justine Grandy (Julia Garner), die sich das Geschehen ebenso wenig erklären kann. Um ihre Unschuld zu beweisen, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln und klammert sich an Alex (Cary Christopher), das einzige Kind aus ihrer Klasse, das nicht vermisst wird.

Zwischen skurriler Blutorgie und subtilen Mystery-Horror
Regisseur Zach Cregger ist im Horrorgenre zwar noch ein relativer Newcomer, hat mit seinem Debüt „Barbarian“ jedoch bereits einen ganz eigenen Stil etabliert, dem er mit „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ nicht nur treu bleibt, sondern auch konsequent weiter ausbaut. Der ehemalige Comedian spielt mit Urängsten, mit der Furcht vor dem Ungewissen und dem Unbekannten, und würzt das Ganze mit einer ordentlichen Prise makabren Humors. Wie schon in seinem Erstling setzt er auf Perspektivwechsel zwischen verschiedenen Figuren. „Weapons“ ist wie ein Puzzle, das sich nach und nach mit fehlenden Teilen füllt, bis sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt. In der ersten Hälfte funktioniert dieses Konzept auch ausgesprochen gut. Zu keiner Zeit weiß man, wohin sich die Geschichte entwickelt, und genau damit hält Cregger selbst erfahrene Horrorfans auf Trab. Dabei erinnert sein Gespür für Spannung beinahe an Größen wie Stephen King oder Alfred Hitchcock. Seine Furchtlosigkeit vor einem radikalen tonalen Umschwung bringt zudem eine gewisse Frische ins Genre. Doch wie es oftmals so ist, sind die Antworten letztendlich weit weniger furchteinflößend als die Möglichkeiten, die man sich im eigenen Kopf ausmalt.

Das bedeutet nicht, dass die Auflösung enttäuscht. Im Gegenteil: Sie ergibt durchaus Sinn. Besonders im Rückblick erkennt man, dass die Erklärung für die Geschehnisse die ganze Zeit vor der Nase lag. Doch sobald das Mysterium entlarvt ist, verliert auch der Schrecken an Kraft. Das Unerklärliche bekommt ein Gesicht, und mit ihm verpufft auch die Angst. Bis zu diesem Punkt ist die Suche nach Antworten allerdings mit einer dichten, angespannten Atmosphäre unterlegt, die behutsam aufgebaut wird und den Puls jedes Gruselfans in die Höhe treibt. Weite Kamerawinkel erzeugen ein Gefühl der Bedrohung, der dröhnende Retro-Score unterstreicht die düsteren Bilder perfekt. Ob es der stille, nervöse Blick vom Schlafzimmer ins dunkle Wohnzimmer ist oder ein markerschütternder Jumpscare – Cregger versteht sein Handwerk. Und auch wenn der Horror im letzten Drittel etwas in den Hintergrund rückt, gelingt es ihm dennoch, das Publikum auf andere Weise positiv zu überraschen: mit exzessivem Gore und einem wahnwitzigen Finale, das man so schnell nicht vergisst. In gewisser Weise erinnert „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ auch an Ari Asters „Hereditary“. Nicht unbedingt in Stil oder Thematik, sondern in der nachhaltigen Wirkung, die der Film hinterlässt, und sich damit ins Gedächtnis brennt.

Fazit
Zach Cregger liefert mit „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ einen atmosphärisch dichten, klug konstruierten Horrorfilm, der zwar nicht bis zum Ende gruselt, dafür aber mit seinem erzählerischen Puzzle-Prinzip fesselt und durch ein skurril-blutiges Finale bleibenden Eindruck hinterlässt.


