| Titel | My Oxford Year |
| Genre | Romanze, Drama |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 6 |
| Regie | Iain Morris |
Starttermin: 01.08.2025 | Netflix
Wenn der Regen die Gefühle nur oberflächlich benetzt
Wenn sich zwei Liebende im strömenden Regen küssen, als wäre die Welt nur für sie stehen geblieben, beginnt das Kino der Gefühle. Dass dabei die Kleidung völlig durchnässt ist, spielt keine Rolle, denn Regen ist hier keine Wetterlage, sondern ein Gefühl – und das romantische Abendprogramm nimmt seinen Lauf: Popcorn in der einen, Taschentücher in der anderen Hand, während auf der Leinwand große Emotionen verhandelt werden. Echtheit ist zweitrangig, Hauptsache die warmen Gefühle stimmen. An dieses Credo hält sich auch Netflix’ Romanadaption „My Oxford Year“ – wenngleich sich nach rund der Hälfte der Spielzeit noch eine weit bedrückendere Emotion zum leichtfüßigen Liebesrausch gesellt. Quasi Herzklopfen mit Kloß im Hals – aber funktioniert das auch?

Und darum geht es…
Anna De La Vega (Sofia Carson) hat alles, was man braucht, um es weit zu bringen: Ehrgeiz, Prinzipien, ein politisches Ziel – und keine Zeit für romantischen Umwegverkehr. Als sie für ein prestigeträchtiges Jahr nach Oxford kommt, rechnet sie mit altertümlichen Bibliotheken, smarter Konkurrenz und der Aussicht auf Washington D.C. Was sie bekommt: Jamie Davenport (Corey Mylchreest). Lyrikstudent, zu klug für seine Rolle, zu lässig für ihr Weltbild – und komplizierter, als sie vermutet. Zwischen Vorlesungen und den essenziellen Fragen über Zukunft, Krankheit und Bindung entspinnt sich so eine leidenschaftliche Liebe, die sich als intensiver und herausfordernder erweist, als Anna es je erwartet hätte.

Liebesdrama à la Carte
„My Oxford Year“ präsentiert sich als makellos aufpolierte Romanze – so makellos, dass sie in ihrer Perfektion fast erschlägt. Jede Figur, jede Szene, jedes Detail scheint bis ins Letzte durchkalkuliert, während die Charaktere eher wie Schablonen wirken als echte Menschen. Anna, die ambitionierte Studentin mit festen Prinzipien, Jamie, der charismatische und gleichzeitig geheimnisvolle Gegenpart – beide durchweg glatt gebügelt, ohne Ecken, ohne Kanten. Und das alles vor der pittoresken Kulisse eines Oxford, das so britisch inszeniert ist, dass man beinahe den Schwarztee schmeckt. Doch diese Perfektion macht den Film auch stinklangweilig. Was man von einer Liebesgeschichte im Genre erwartet, passiert hier genau nach Schema F: Das erste Aufeinandertreffen, das vorsichtige Annähern, die wachsende Zuneigung, die unvermeidliche Krise. Alles schon tausendmal gesehen, aber meistens mit mehr Charme, Sympathie und authentischem emotionalen Unterbau.

Und genau das fehlt hier: Ein emotionaler Kern, der über die Oberfläche hinausgeht, der das Publikum wirklich berührt oder zumindest überrascht. Stattdessen führt die zweite Hälfte ein schmerzliches Geheimnis ein, das den leichtfüßigen Liebesrausch zum Rührstück ummünzt – doch ohne die nötige Tiefe wirkt dieser Umschwung konstruiert und bemüht. So bleibt „My Oxford Year“ eine wohlgemeinte, aber seelenlose Romanze von der Stange – ohne ärgerliche Ausschweifungen, aber auch ohne Tiefgang und Herz. Bei so viel kalkulierter Gefühlskulisse stehen Sofia Carson und Corey Mylchreest am Ende da wie zwei begossene Pudel im Dauerregen – nass bis auf die Knochen, aber ohne emotionale Substanz, die den Moment rettet. Daran ändert auch der obligatorische Regenkuss nichts.

Fazit
So vorhersehbar wie ein Kuss im Regen: “My Oxford” Year hakt romantische Momente ab, ohne je wirklich unter die Haut zu gehen. Melodramatisch, kitschig – und britisch bis in die Haarspitzen.


