| Titel | Beating Hearts |
| Genre | Drama, Romanze |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 16 |
| Regie | Gilles Lellouche |
Heimkinostart: 26.06.2025
Der Puls der Entscheidungen
“Beating Hearts” ist kein Film, den man einfach konsumiert. Er ist ein Rausch, eine wunde Erinnerung an das, was war, und ein fiebriger Traum von dem, was hätte sein können. Gilles Lellouche erschafft mit seinem zwischen Verklärung und Verrohung oszillierenden Epos eine Liebesgeschichte, die sich mit einer solchen Wucht entfaltet, dass sie alle Genregrenzen sprengt. Ein Werk, das sich unaufhörlich neu definiert, das tanzt, brodelt, aufflammt und sich in seinen schönsten Momenten selbst zu sprengen scheint. Ein formal überwältigendes Drama, das in seiner Mischung aus Brutalität, Zärtlichkeit und ästhetischer Radikalität seinesgleichen sucht. Eine Romanze, ja – aber auch eine Reflexion über die Konsequenz von Entscheidungen, die man nie mehr ungeschehen machen kann.

Und darum geht es…
Clotaire (Malik Frikah) wächst in prekären Verhältnissen auf und verliebt sich früh in Jackie (Mallory Wanecque), die aus einer wohlhabenden, behüteten Familie stammt. Trotz ihrer sozialen Gegensätze verbindet sie eine intensive Jugendliebe – bis Clotaire sich einer kriminellen Straßenbande anschließt und allmählich den Halt verliert. Als er schließlich für ein Verbrechen verurteilt wird, das er nicht begangen hat, zerbricht der Kontakt zu Jackie endgültig. Jahre später, nach seiner Haftentlassung, kehrt Clotaire (jetzt: François Civil) zurück – verändert, zerrissen, suchend. Als er Jackie (jetzt: Adèle Exarchopoulos) wieder begegnet, steht er vor einem inneren Scheideweg: die Vergangenheit ruhen lassen und sich der Liebe öffnen – oder Rache nehmen für alles, was ihm geraubt wurde.

Ein Epos über Liebe, Hoffnung und Gewalt
“Beating Hearts” ist durchzogen vom Leitmotiv der Entscheidung – bewusst oder impulsiv, aus Angst oder Liebe, im Affekt oder mit klarem Blick. Jeder Schnitt, jede Wendung, jede Begegnung ist getragen von der Frage: Was wäre gewesen, wenn? Und was bleibt, wenn es kein Zurück mehr gibt? Dieses Motiv kulminiert in einer Schlussszene, die gezielt mit den Erwartungen bricht – Erwartungen, die Gilles Lellouche geschickt befeuert. Schon in den ersten Minuten wird klar, dass diese Geschichte nicht nur erzählt, sondern gefühlt werden will. Die Gewalt ist unvermittelt, die Kamera hektisch, verspielt, ideenreich, als wäre sie selbst von jugendlicher Rastlosigkeit besessen. Was “Beating Hearts” so unverkennbar macht, ist seine kompromisslose visuelle Sprache. Kameramann Laurent Tangy komponiert Bilder, die oft mehr erzählen als ganze Dialogszenen. Sie sind überhöht und doch intim: mal betont düster, dann beschwingt und heiter, in glühende Sonnenuntergänge gebettet – ein Spiel mit den Emotionen, das ständig zwischen Ekstase und Absturz pendelt. Es ist diese visuelle Großspurigkeit, die das Epos in eine fast barocke Überzeichnung hebt. In anderen Händen wäre das Kitsch. Hier ist es pure Hingabe.

Was Lellouche in “Beating Hearts” gelingt, ist bemerkenswert: Er vermählt die rauen Codes des Gangsterkinos mit einer melancholischen Oper über verpasste Chancen. Er erzählt nicht nur von einer Jugendliebe, sondern von deren Deformation durch Systeme, Milieus und Männlichkeitsrituale. „Beating Hearts“ ist ein Film, der sich weigert, sich in narrative Klarheit zu retten. Er will viel – manche würden sagen, zu viel. Doch seine Überfrachtung ist Teil seines Wesens. Er ist romantisch, brutal, pathetisch, rhythmisch – und gerade in seiner Unentschiedenheit zwischen Genre und Gefühl entfaltet sich seine Kraft. Er erinnert uns daran, dass Liebe selten linear verläuft. Dass sie zerschellt, sich verformt, zerstört – und doch überleben kann. Das macht “Beating Hearts” zu einem cineastischen Meisterwerk, das nicht nur gesehen, sondern durchlebt werden will. Er brennt, tobt, verführt – und bleibt. In seinen Bildern, in seiner Musik, in seinem Nachhall. Wer das Kino liebt, wird hier mit offenem Herzen getroffen. Wer sich darauf einlässt, spürt die volle Magie des Kinos. Spannend, mitreißend, berührend – und großartig gespielt!

Fazit
“Beating Hearts“ ist visuell überwältigendes Gefühlskino – roh, romantisch, rastlos. Ein Film über Entscheidungen, Liebe und Verlust, der explodiert und nachglüht!



