| Titel | Forever |
| Genre | Romanze, Drama |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 12 |
| Creator | Mara Brock Akil |
Starttermin: 08.05.2025 | Netflix
Die erste große Liebe
Judy Blumes Roman “Forever” sorgte seit seiner Veröffentlichung 1975 für anhaltende Kontroversen – nicht zuletzt wegen religiöser Einwände. Der Roman schildert offen jugendliche Sexualität, Verhütung und das erste Mal – Themen, die in konservativ-religiösen Kreisen als moralisch verwerflich gelten. Besonders christlich geprägte Schulbezirke in den USA verbannten das Buch aus Bibliotheken und Lehrplänen. Kritiker*innen warfen Blume vor, traditionelle Werte zu untergraben und Jugendliche vom „rechten Weg“ abzubringen. 2024 eskalierte die Debatte: Utah erließ ein landesweites Verbot von “Forever”, gestützt auf ein neues Gesetz zum Schutz vor “sensiblen Inhalten“. Auch in Texas wurde das Buch entfernt – mit Verweis auf vermeintlich “falsche” Genderideologien. Dass Aufklärung nichts mit Gottlosigkeit, sondern mit Respekt, Verantwortung und Vertrauen zu tun hat, betont auch Judy Blume. Umso mehr dürfte sie sich über die gleichnamige Serienadaption auf Netflix freuen – ganz ohne staatliches Zutun und fadenscheinige Zensur.

Und darum geht es…
Los Angeles, 2018: Keisha (Lovie Simone) und Justin (Michael Cooper Jr.) wachsen im selben Viertel auf, zwischen Basketballplätzen, Schulfluren und langen Sommerabenden, die nach Aufbruch schmecken. Seit ihrer Kindheit verbindet sie eine enge Freundschaft – jetzt, am Ende der Highschool, stehen sie an einem Wendepunkt. Keisha träumt von einer Laufbahn als Leichtathletin, Justin will es im Profibasketball schaffen. Doch als sich aus ihrer Vertrautheit eine erste, tiefgehende Liebe entwickelt, geraten ihre Pläne ins Wanken. Zwischen sportlichen Ambitionen, familiären Erwartungen und der flirrenden Energie eines letzten gemeinsamen Sommers müssen sie herausfinden, ob ihre Verbindung stark genug ist, um die Zukunft zu überdauern.

Unser eindruck nach den ersten Episoden
“Forever” erzählt von den Auf und Abs einer jungen Liebe – vorsichtig tastend, oft überfordert, immer aufrichtig. Eine Coming of Age–Romanze im klassischen Gewand, getragen von sommerlicher Leichtigkeit, die die kleinen bis mittelgroßen Probleme des Erwachsenwerdens mit sanftem Ton umspielt: Eifersucht, Unsicherheit, erste körperliche Begegnungen. Es geht um Nähe und Distanz, um das fragile Ringen mit der eigenen Identität, um Herkunft und soziale Prägung – und um das schwere Gewicht der Worte, die zwischen zwei (jungen) Menschen ungesagt bleiben. Skandalös, wie es der literarischen Vorlage nachgesagt wird, ist in “Forever” nichts – nicht einmal im Ansatz. Die Serienadaption fühlt sich vielmehr wie ein zaghaftes Herantasten an die emotionale Realität von Jugendlichkeit an, an das, was Liebe sein könnte, bevor sie zur Entscheidung wird. Eher oberflächlich schön als tiefschürfend – und genau aus diesem Grund auch leicht bekömmlich, gefällig, manchmal fast zu gefällig.

Auch inszenatorisch bleibt “Forever” zurückhaltend, stilsicher. Die sonnendurchfluteten Bilder verleihen der Netflix Serie eine warme, schwerelose Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, während sich die Beziehung zwischen Lovie Simone und Michael Cooper Jr. in leisen, authentischen Momenten entfaltet – getragen von der spürbaren Chemie, die zwischen den beiden herrscht. Das macht “Forever” zu unaufgeregtem Erzählfernsehen, das weniger auf große Spannungsbögen, sondern auf fein nuancierte Alltagsbeobachtungen setzt – ruhig, konsistent, und mit einem feinen Gespür für Stimmungen, die ihre Wirkung eher im Moment als im Nachhall entfalten. Und doch bleibt nach den ersten Folgen die leise Ahnung, dass sich diese Geschichte womöglich auch mit weniger Spielzeit hätte erzählen lassen.

Fazit
Eine überraschungsarme, aber stimmungsvolle Jugendromanze, die mit einer charmanten Leichtigkeit und unaufdringlicher Wärme überzeugt!


