| Titel | Thunderbolts* |
| Genre | Action |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 12 |
| Regie | Jake Schreier |
Kinostart: 01.05.2025
Mehr als nur der nächste Marvel-Blockbuster
Geht es um “Thunderbolts*” wird gerne von der Rettung des Marvel Cinematic Cinema gesprochen – und in der Tat: Die qualitative Durststrecke ist lang und ein finaler Befreiungsschlag mehr als notwendig. Während Filme wie „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“ und „Black Panther: Wakanda Forever“ kaum mehr den Ticketpreis rechtfertigen und Disney+ das Streamingpublikum mit einer dürftigen Serie nach der anderen abspeist („Moon Knight“, „Agatha All Along“), ist die angekündigte Rettungsmission eigentlich bereits im vollen Gange. Mit „Daredevil: Born Again“ im Serienformat und „Captain America: Brave New World“ auf der Kinoleinwand konnte das MCU 2025 mit gleich zwei Projekten an die glorreichen Zeiten anschließen, was „Thunderbolts*“ technisch gesehen nicht zum alleinigen Retter, sondern vielmehr zu einem weiteren wichtigen Akteur macht, der tatkräftig daran mitwirkt, das Universum aus der Krise zu hieven. Das Ergebnis jedoch ist dasselbe – und “Thunderbolts*” mit das Beste, was das MCU je hervorgebracht hat.

Und darum geht es…
Unter der Leitung der undurchsichtigen Valentina Allegra de Fontaine (Julia Louis-Dreyfus) werden Yelena Belova (Florence Pugh), Bucky Barnes (Sebastian Stan), Red Guardian (David Harbour), Ghost (Hannah John-Kamen), Taskmaster (Olga Kurylenko) und U.S. Agent (Wyatt Russell) auf eine heikle Mission geschickt. Was zunächst wie ein klarer Auftrag erscheint, entwickelt sich schnell zu einer Reise in die dunkelsten Kapitel ihrer eigenen Vergangenheit. Zwischen Schuld, Verrat und der verzweifelten Suche nach Erlösung kämpfen die Thunderbolts* nicht nur gegen äußere Bedrohungen – sondern auch gegen die eigenen Dämonen. In einer Welt, die ihnen mit Misstrauen begegnet, zeigt sich bald: Nicht jede Gefahr kommt von außen, und nicht jede Mission lässt sich kontrollieren.

Keine Schurk*innen, keine Held*innen – einfach nur Menschen
Was, wenn der größte Kampf nicht auf dem Schlachtfeld tobt, sondern in den Schatten der eigenen Gedanken? “Thunderbolts*” erzählt keine Geschichte vom Sieg über das Böse im herkömmlichen Sinne – sondern vom Ringen mit sich selbst. Ein düsterer Abstieg in die Psyche seiner gebrochenen Akteur*innen, in deren Innerem mehr Brüche liegen als in den Welten, die sie zu retten vorgeben. Der wahre Feind ist hier nicht irgendeine außerirdische Macht, sondern das eigene Selbst – und “Thunderbolts*” ganzheitlich betrachtet mehr als nur handelsüblicher Bombast, sondern eine Allegorie auf Depressionen, Selbstentfremdung und innerer Leere. Sind die ersten nach bekanntem Muster verlaufenden Filmminuten erst einmal überwunden, hält “Thunderbolts* etwas parat, das es im MCU bislang nie zu sehen gab: eine introspektive Erzählung über psychischen Schmerz – ohne Pathos, aber mit spürbarer Klarheit und emotionaler Ehrlichkeit.

Im Zentrum der Geschichte steht Yelena – eine verlorene Seele, deren zynische Fassade kaum noch verbirgt, wie tief die Risse in ihrem Inneren reichen. Florence Pugh verkörpert eine Figur, die den Glauben an ihr eigenes Glück längst verloren hat. Ihr Witz dient als Abwehrmechanismus, ihr Mut gleicht Todessehnsucht. Gerade in den Momenten der Stille offenbart sich das eigentliche Drama – der stille, zähe Kampf gegen die eigene innere Leere. „Thunderbolts*“ spiegelt die Zerrissenheit seiner Figuren visuell wie strukturell: Es gibt keine orchestrierten Weltraumschlachten, keine heroischen One Liner vor dem Sonnenuntergang. Stattdessen: karge Bildsprache, spärliche Action, und weit weniger Comedy als es der Trailer vermuten lässt. Selbst der vermeintlich übermächtige Gegenspieler verweigert sich der klassischen Antagonistenrolle – und wird zum Spiegelbild der eigenen Ängste.

Fazit
„Thunderbolts*“ geht über die herkömmliche Marvel-Formel hinaus und entfaltet eine kraftvolle Allegorie auf Depressionen und den Kampf mit sich selbst!


