| Titel | Nur noch ein kleiner Gefallen |
| Genre | Krimi, Komödie |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Regie | Paul Feig |
Starttermin: 01.05.2025 | Prime Video
Mord in Capri
Mit „Nur ein kleiner Gefallen” gelang es Paul Feig im Jahr 2018, die Motive von Thriller und Dark Comedy geschickt zu einem unterhaltsamen Psychospiel zusammenzufügen – gespickt mit überraschenden Wendungen, unvorhersehbaren Charakteren und satirischem Blick auf das vermeintliche Vorstadtidyll. Dabei entfaltete der Film eine raffinierte Dynamik zwischen der neurotischen Stephanie (Anna Kendrick) und der mysteriösen Emily (Blake Lively), deren komplexe Beziehung das zentrale Element der Geschichte bildete. Feig spielte gekonnt mit den Erwartungen des Publikums und mischte schwarzhumorige Momente mit packender Spannung, was den Film sowohl unterhaltsam als auch verspielt und leichtfüßig machte. Doch gelingt es ihm, diese Erfolgsformel in der Fortsetzung ebenso überzeugend umzusetzen?

Und darum geht es…
Seit ihrem letzten Aufeinandertreffen mit Emily Nelson (Blake Lively) hat sich einiges getan bei Stephanie Smothers (Anna Kendrick). Inzwischen schreibt sie als True-Crime-Autorin über genau jenen Fall, der einst Emilys Verhaftung wegen Mordes an ihrer Zwillingsschwester auslöste. Als Emily, inzwischen wieder auf freiem Fuß, überraschend auftaucht und sie bittet, ihre Brautjungfer bei einer opulenten Hochzeit auf Capri zu sein, willigt Stephanie zögernd ein – nicht zuletzt aus Neugier auf den Bräutigam: Dante Versano (Michele Morrone), ein ebenso gut aussehender wie berüchtigter Geschäftsmann mit mafiösem Hintergrund. Als dann jedoch zwei Gäste ermordet werden, entwickelt sich die Reise Als dann jedoch zwei Gäste ermordet werden, entwickelt sich die Reise zum Albtraum – und Stephanie findet sich bald selbst im Zentrum eines tödlichen Komplotts wieder, in dem alte Schuld, verletzter Stolz und Emilys undurchschaubare Pläne unheilvoll miteinander verknüpft sind.

Mediterraner Jetset statt Vorstadtidyll
Die Fortsetzung zu Paul Feigs kultivierter Mütter-Mordkomödie von 2018 ist glatter, greller und weit entfernt von der fein geschichteten Ironie des Vorgängers. Capri ersetzt die US-amerikanische Vorstadt und aus einem smarten kleinen Psychospiel wird eine schillernde Seifenoper mit Krimielementen. Doch wo der erste Teil mit stilistischer Raffinesse und spöttischem Unterton punktete, verliert sich “Nur noch ein kleiner Gefallen” in einer etwas zu überdrehten und ausladenden Farce, die zwar zu unterhalten weiß, aber kaum nachhallt bietet. Wieder einmal im Zentrum stehen Anna Kendrick und Blake Lively, deren ungleiche Dynamik auch diesmal der stärkste Anker des Films ist. Während Kendrick wieder gewohnt ihre einnehmende Charmeoffensive startet, dominiert Lively erneut als undurchschaubare Schlage: spöttisch, kühl, kalkuliert. Beide tragen die Konstruktion mit sichtbarem Spaß, wenngleich das Drehbuch ihnen deutlich weniger Projektionsfläche bietet als noch im Vorgänger.

Als Dreh- und Angelpunkt der mörderischen Geschichte dient diesmal nicht mehr die trügerisch perfekte Vorstadt, sondern die mediterrane Idylle Capris, die mit ihrer blendenden Postkartenästhetik eher Deko bleibt als Atmosphäre stiftet. Die sich darin entspinnende Kriminalgeschichte gleicht einem Cocktail aus Agatha Christie, Instagram-Glamour und Seifenoper, ambitioniert gemixt, doch ohne erzählerisches Feingefühl. Es fehlt nicht an Einfällen, wohl aber an Takt. Was “Nur ein kleiner Gefallen” einst auszeichnete – das feine Gespür für Ambivalenz, das verspielte Austarieren von Rollenbildern, die elegante Ironie – geht hier weitgehend verloren. Statt Spannung dominiert Spektakel, statt Subversion herrscht reiner Selbstzweck. Ein hübsch verpackter Nachklapp ohne Nachhall – glänzend an der Oberfläche, doch innerlich längst ausgezehrt.

Fazit
Die Fortsetzung versäumt es, das clever inszenierte Psychospiel fortzuführen und setzt stattdessen auf die altbekannte Formel: höher, schneller, weiter – aber eben nicht besser!


