| Titel | Ransom Canyon |
| Genre | Drama, Romanze |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 12 |
| Creator | April Blair |
Starttermin: 17.04.2025 | Netflix
Nichts neues im Western
Der Western ist zurück – nicht als nostalgischer Abklatsch, sondern als neu codiertes Narrativ für eine Welt im Umbruch. Alles begann mit Taylor Sheridan, der mit “Yellowstone” und dessen Prequels (“1883”, “1923”) das totgeglaubte Genre nicht nur entstaubte, sondern in die Gegenwart überführte – verpackt im allseits beliebten Serienformat. Seine Figuren kämpfen nicht mehr um Land, sondern um Zugehörigkeit, um Kontrolle, um das Überleben alter Werte in einer neuen Ordnung. Was früher Cowboy–Romantik war, ist heute eine düstere Studie über Macht, Gewalt und Identität. Auch Serien wie “The English” oder “Godless” führten diese Erzählform weiter – konzentriert, radikal, geerdet. Wem das zu nihilistisch ist, bekommt mit “Ransom Canyon” nun einen passenden Gegenentwurf präsentiert.

Und darum geht es…
Staten Kirkland (Josh Duhamel) ist ein Rancher, der nach dem tragischen Verlust seiner Familie in einem Zustand der Trauer und des Selbstzweifels lebt. Die unaufgelösten Konflikte in seiner Vergangenheit und die Bedrohung durch ein Ölunternehmen, das seine Ranch übernehmen will, treiben ihn weiter in eine innere Isolation. In diese vertrackte Situation tritt Quinn O’Grady (Minka Kelly), die zurückhaltende Künstlerin und langjährige Freundin seiner verstorbenen Frau. Die beiden finden eine unerwartete Nähe zueinander, doch Quinn trägt ein Geheimnis in sich, das ihre aufkeimende Beziehung bedroht.

Unser Eindruck nach zwei Episoden
Was “Ransom Canyon” erzählen will, bleibt über weite Strecken unklar. Die Netflix Serie versucht, mehrere Generationen, zahlreiche Konflikte und emotionale Verwundungen miteinander zu verknüpfen, doch sie scheitert an ihrer eigenen Überfrachtung. Die Figuren sind oft nur Projektionen einer Idee – der schweigsame Cowboy, die aufopfernde Frau, das rebellische Teenager-Mädchen – ohne echte Entwicklung, ohne eigene Stimme. Auch inszenatorisch wirkt vieles wie auf Knopfdruck generiert: Sonnenuntergänge, Zäune, Familienfeiern, Konflikte am Lagerfeuer – alles da, aber nie lebendig. Selbst die Landschaft, die sonst als stiller Akteur funktioniert, bleibt hier Kulisse ohne Gewicht.

Das macht “Ransom Canyon” einerseits zu einem leicht verdaulichen Yellowstone-Abklatsch, der das Genre im Wesentlichen nachahmt, ohne dessen tiefgründige Erkundung von Macht, Identität und Zugehörigkeit zu bieten. Während Sheridan in seinen Werken das Western-Genre mit komplexen, oft düsteren Figuren und einer scharfsinnigen Untersuchung von gesellschaftlichen Verwerfungen weiterentwickelt hat, bleibt “Ransom Canyon” fest im Bereich des Belanglosen. Die oberflächlichen Konflikte und die Stereotypen, die hier zum Leben erweckt werden, wirken eher wie eine Inszenierung, die den Western-Mythos nur bemüht wiederbelebt, ohne echte emotionale Tiefe oder gesellschaftliche Relevanz zu erreichen. Leicht bekömmliche Unterhaltung eben – in bedingt unterhaltsamer Form.

Fazit
“Ransom Canyon” sieht aus wie eine Westernserie und klingt wie eine Westernserie – doch fehlt es ihr an Seele, Tiefe und erzählerischem Mut. Statt das Genre weiterzuentwickeln, reproduziert sie lediglich vertraute Bilder – ohne Reibung, ohne Relevanz – und verkommt so letztlich zur austauschbaren Seifenoper.

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