Nach der Wut kommt die Ohnmacht
Mit “Les Misérables Die Wütenden” gelangt Ladj Ly ein intensives und eindringliches Porträt über die sozialen Spannungen in den Pariser Banlieues, das durch die realistische Darstellung des vorherrschenden sozialen Ungleichgewichts brillierte. Perfekt ausgelotet zwischen persönlichem Drama und politischem Kommentar, hinterließ das französische Drama genügend Raum für persönliche Reflexion und mauserte sich spätestens mit seinem kraftvollen Finale zum nächsten wütenden Meilenstein seit “La Haine”. Dass Ladj Ly seitdem als unverzichtbare Stimme des modernen französischen Kinos gehandelt wird, ist wenig überraschend – bleibt nur die Frag, ob “Die Unerwünschten – Les Indésirables” eine ähnliche Wucht entfalten kann!

Und darum geht es…
Nach dem plötzlichen Tod des Bürgermeisters wird der idealistische Kinderarzt Pierre (Alexis Manenti) zu seinem Nachfolger ernannt. Pierre setzt sich für die Sanierung des heruntergekommenen Viertels ein, was jedoch den Abriss der bestehenden Wohngebäude und die Vertreibung der aktuellen Bewohner bedeutet. Haby (Anta Diaw), eine junge Französin malischer Herkunft und Präsidentin einer öffentlichen Wohnungsbaugesellschaft, widersetzt sich diesen Plänen, um ihre Familie und Gemeinschaft zu schützen. Die Situation eskaliert, als ein Feuer in einem der Wohnhäuser ausbricht und Pierre die Räumung des Gebäudes anordnet. In Reaktion darauf kandidiert Haby bei den anstehenden Bürgermeisterwahlen gegen Pierre, um die Interessen ihrer Gemeinschaft zu vertreten.

Die unerbittliche Realität der Banlieues
Ladj Ly ist ein Regisseur, der das Brennen in den Vororten Frankreichs nicht nur kennt, sondern es auch spürbar macht. Mit „Les Misérables Die Wütenden” schuf er 2019 ein fiebriges Abbild sozialer Spannungen, das sich unter die Haut fraß. “Die Unerwünschten – Les Indésirables” geht nun einen ähnlichen Weg – ein Film, der erneut die Kluft zwischen politischer Elite und den vergessenen Gemeinschaften an den Rändern der Metropolen auslotet. Doch wo sein Regiedebüt mit dokumentarischer Wucht und pulsierender Energie fesselte, wirkt “Die Unerwünschten – Les Indésirables” fast schon Deeskalation, als wolle er die Flammen, die er einst entfachte, kontrolliert abbrennen lassen. Das Ergebnis ist weit weniger wuchtig, in seiner Botschaft aber nicht minder dringlich.

Wütend, realistisch – und doch etwas unentschlossen Ladj Ly bleibt seinem Stil treu: raue Straßen, drängende Nahaufnahmen, eine Kamera, die nicht wegschaut, sondern tief in die Gesichter jener dringt, die sich zwischen Ohnmacht und Widerstand bewegen. “Die Unerwünschten – Les Indésirables” ist eine Chronik des modernen Stadtumbaus als Klassenkampf, ein Drama, das mit schmerzlicher Präzision zeigt, wie urbanes Leben zerschlagen wird, wenn wirtschaftliche Interessen die sozialen Realitäten überrollen. Besonders stark hallt dabei die Darstellung der Vertreibungen nach – Szenen, die fast schon dokumentarisch wirken, dass man sich für einen Moment in einer Reportage wähnt.

Keine Explosion, sondern Erosion
Visuell überzeugt “Die Unerwünschten – Les Indésirables” mit einer nüchternen, aber wirkungsvollen Bildsprache. Die grauen Betonblöcke, die beengten Wohnungen, die Lichter der Stadt in der Ferne – all das kreiert eine Atmosphäre der Zermürbung, in der Hoffnung und Resignation sich in ständiger Konkurrenz befinden. Dass Ladj Ly am Ende kein alles niederbrennendes Inferno entfesselt, mag die Erwartungshaltung unterwandern, wirkt im Rahmen der Dramaturgie dennoch sinnig – schließlich kommt die Ernüchterung über das ausbleibende Gerechtigkeitsgefühl erschreckend nah an die Realität heran.

Fazit
Weniger brennender Wunde wie noch “Les Misérables Die Wütenden” als ein dumpfes, nagendes Unbehagen!

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