| Titel | Night Call – Überlebe die Nacht |
| Genre | Thriller |
| Jahr | 2024 |
| FSK | ungeprüft |
| Regie | Michiel Blanchart |
Heimkinostart: 28.02.2025
Atemlos durch die Nacht!
Wer an Nervenkitzel denkt, denkt unweigerlich an Horrorfilme. An Welten voller Schockeffekte, Jumpscares und monströser Schreckensgestalten. Eben alledem, was schweißnasse Hände verursacht und den Puls nach oben treibt. Doch dieses vermeintliche Alleinstellungsmerkmal wird dem Gerne in den vergangenen Jahren zunehmend abgenommen. Filme wie “Uncut Gems – Der schwarze Diamant”, “Boiling Point” oder “Shiva Baby” könnten inhaltlich nicht weiter von dem entfernt sein, wofür das Horrorgenre steht, und doch erreichen sie mit der Rekonstruktion des alltäglichen Chaos, ein Ausmaß an nervenzehrend Spannung, dem kaum ein übersinnliches Grauen standhalten kann. Wie ein unaufhörlicher, pulsierender Herzschlag, der das Publikum an den Rand des Sitzes treibt. Dort wo unglückselige Charaktere durch eine dichte Kette aus Konflikten taumeln und zum Spielball des Schicksals werden, während der Zuschauerschaft kein Moment zum Durchatmen gewährleistet wird. “Night Call” ist einer dieser Filme, wenngleich der aufgrund seiner tiefen Verwurzelung im Thriller-Genre natürlich von Haus aus zum Mitfiebern einlädt. Und dennoch: “Night Call” ist weit näher an den genannten Werken angesiedelt, als an herkömmlichen Genrefilmen – und genau das spielt ihm in die Karten!

Und darum geht es…
Der junge Schlosser Mady (Jonathan Feltre) erhält einen ungewöhnlichen Auftrag. Claire (Natacha Krief) bittet ihn, ihre Wohnungstür zu öffnen. Ausweisen kann sie sich aber nicht. Da die Beschreibung der Wohnung stimmt, als er das Schloss knackt, lässt er sie trotzdem hinein. Doch Claire wohnt hier nicht und flüchtet mit einer Tasche voller Bargeld – Eigentum des Kriminellen Yannick (Romain Duris). Dieser macht Mady für den Verlust verantwortlich und stellt ihm ein tödliches Ultimatum: Bis zum Morgengrauen muss die Tasche zurück sein, andernfalls wird er das mit seinem Leben bezahlen. In Panik irrt Mady durch die Straßen der Brüssel, um die geheimnisvolle Claire zu finden. Währenddessen ist ihm eine Gruppe von Yannicks skrupellosen Handlangern dicht auf den Fersen, die ihre eigenen Ziele verfolgen.

Rastlos, beklemmend, relevant
“Night Call” ist einer dieser rastlosen Hochspannungsfilme, dem es alleine schon mittels dynamischer Kamerafahrten gelingt, das Publikum unmittelbar ins Geschehen einzubinden und den körperlichen Druck förmlich spürbar zu machen. Dass Michiel Blanchart die stringente Handlung seines adrenalingeladenen Spielfilmdebüts dann auch noch in den Kontext der Black Lives Matters-Bewegung setzt, verleiht dem Geschehen eine zusätzliche Dringlichkeit. Während das nächtliche Setting der belgischen Hauptstadt durch die gewaltsam bekämpften Proteste auf den Straßen in ein ohnehin schon hochexplosives Pulverfass verwandelt, weiß “Night Call” die sozialen Spannungen darüber hinaus noch geschickt für eine niederschmetternde politische Erkenntnis im Finale zu nutzen. Je mehr Mady sich bemüht, aus der ausweglosen Situation zu entkommen, umso tiefer versinkt er im Treibsand-artigen Morast. Sowohl dramaturgisch als auch inszenatorisch ruft das immer wieder Erinnerungen an die nervenzehrende Wirkung von “Uncut Gems – Der schwarze Diamant” und Co. aus der Einleitung, die sich eben nicht auf die reine Kraft einer möglichst haarsträubenden Geschichten verlassen, sondern erst durch die Verflechtung von Tempo, Chaos und emotionaler Intensität ihre Wucht entfalten.

Die Kamera rückt nah heran, der Soundtrack rast vorwärts – und zusammen schaffen sie ein Crescendo der Beklemmung, das sich wie ein unaufhaltsamer Sog auf das Publikum überträgt. Dass “Night Call” darüber hinaus auch noch atemberaubenden Actionsequenzen aufwarten kann, die trotz intimer Größe mehr Gravitas als die meisten Hollywood-Blockbuster bieten, wäre eigentlich gar nicht mehr nötig gewesen und erweist sich in der zweiten Filmhälfte sogar als etwas störend. Auch wenn Blancharts Thriller in den geerdeteren Momenten eine weit größere Intention an den Tag legt, als in den dann doch etwas überbordenden, sich dem Mainstream anbiedernden Passagen, kann sich der Belgier am Ende auf die Stärke seines atmosphärischen Gespürs und die beeindruckende Kameraarbeit verlassen. Das macht “Night Call” zu einen kraftvollen und relevanten Film, der Spannung und gesellschaftliche Brisanz gekonnt miteinander verwebt.

Fazit
„Night Call“ erweist sich als pulsierender Thriller, der mit nervenzehrender Spannung, politischer Brisanz und einer fesselnden Atmosphäre brilliert – ein beeindruckendes Debüt mit Nachhall!

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