Nosferatu (2024): Kritik zur Neuverfilmung – Ein Remake, auf das die Welt gewartet hat?

Nosferatu 2024 Film
TitelNosferatu – Der Untote
Genre Horror
Jahr2024
FSK16
RegieRobert Eggers

Kinostart: 02.01.2025

Im Schatten der Legende!

Der ikonische Schattenwurf von “Nosferatu” erstreckte sich nicht nur über die Leinwände, sondern auch über die Jahrzehnte hinweg wie ein kulturhistorisches Erbe. F.W. Murnaus Stummfilm von 1922 hat das Vampirbild in der Popkultur unumstößlich geprägt und dabei ästhetische Wegmarken gesetzt, die bis heute nachhallen. Orloks langfingrige Silhouette, seine katzenhafte Eleganz und die morbide Pracht seines Schlosses sind längst ikonische Bausteine moderner Schauerfantasien. Damit hat “Nosferatu” ein Bildarchiv geschaffen, aus dem sich Kunst, Literatur und Werbung bis heute bedienen – und Robert Eggers‘ jüngste Neuinterpretation fügt diesem Erbe ein weiteres, wenngleich eher unrühmliches Kapitel hinzu.

Nosferatu 2024 Film
Nosferatu ©FOCUS FEATURES LLC.

Und darum geht es…

Mit einem Kaufvertrag in der Hand und einem flauen Gefühl im Magen macht sich der junge Thomas Hutter (Nicholas Hoult) auf den Weg in das entlegene Transsylvanien. Sein Arbeitgeber hatte ihn beauftragt, mit einem mysteriösen Grafen Orlok (Bill Skarsgård) einen Hauskauf zu besiegeln. Schon bei ihrer ersten Begegnung spürt Thomas, dass Orlok anders ist – unheimlich, fast unmenschlich. Das Schloss birgt Geheimnisse, die an Thomas‘ Verstand nagen, und mit jeder verstreichenden Stunde wird ihm klarer: Orlok ist kein gewöhnlicher Mann, sondern ein Geschöpf der Finsternis. Als Thomas dann noch entdeckt, dass der Graf ein unheilvolles Interesse an seiner Ehefrau Ellen (Lily-Rose Depp) hegt, ist es längst zu spät…

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Mehr Hommage als Neuinterpretation

Nosferatus Erbe ist unsterblich, wie sein Protagonist selbst – und doch muss sich auch diese Legende der eintretenden Altersschwäche geschlagen geben. Während sowohl das Stummfilm-Original aus dem Jahr 1922 als auch Werner Herzogs Neuinterpretation im zeitlichen Kontext betrachtet noch Maßstäbe setzen konnten, bleibt Robert Eggers’ “Nosferatu” bemerkenswert unbedeutend. Eggers scheint zu sehr darauf bedacht, den Klassikern Tribut zu zollen, statt mutige, neue Akzente zu setzen. So verkommt sein gewohnt authentisch in Szene gesetzte Reise in schaurig-düstere Dekaden kaum noch bedienter Schauerfilme zur reinen Fingerübung für die Reproduktion der Ästhetik vergangener Jahrhunderte. Eine kaleidoskopische Abfolge von Szenen, die mehr um ihre visuelle Wirkung und Authentizität als um narrative Substanz bemüht sind – und dadurch den gegenteiligen Effekt erzielen. Je penetranter sich der wiederholt erhebende Score im Zusammenspiel mit plakativen Jumpscares und bemüht düstere Bilder in den Vordergrund drängt, umso weniger gelingt es “Nosferatu”, dass, was oberflächlich betrachtet durchaus als stimmige Inszenierung deklariert werden kann, in echte Atmosphäre zu transferieren.

Nosferatu 2024 Film
Nosferatu ©FOCUS FEATURES LLC.

Statt sich gemächlich unter die Haut zu fressen, bis sich die feinen Härchen überall am Körper verteilt aufstellen, verfehlt der erhoffte viszerale Horror von vornherein seine Wirkung und perlt, ehe er seinen Weg in Richtung Magengegend überhaupt antreten kann, bereits an der Oberfläche ab. Robert Eggers lässt sich zwischen den punktuell durchaus ansprechend fotografierten Horrorsequenzen, standesgemäß mit natürlichem Licht gefilmt, ohnehin viel zu viel Zeit damit, sich in ausladenden Erklärungen und bedeutungsschwangeren Dialogen zu verstricken. Während “Nosferatu” also bereits an der Eingangshürde von wohligem Grusel scheitert und das tief verwurzelte Gefühl von Unbehagen auf sich warten lässt, bleibt selbst der titelgebenden Schauergestalt (mit Schnurrbart!) die attestierte Bedrohlichkeit verwehrt (u.a. wegen besagtem Schnurrbart). So verkommt Eggers‘ gar nicht mal so neue Neuinterpretation der “Nosferatu”-Geschichte schnell zur holprig vorgetragenen, über zwei Stunden anhaltende Geduldsprobe, die selbst darstellerisch nur wenige Glanzpunkte bereit hält – Willem Dafoe einmal ausgeklammert.

Nosferatu 2024 Film
Nosferatu ©FOCUS FEATURES LLC.

Fazit


“Nosferatu” ist weniger Neuinterpretation, als eine visuelle Kopie, die sowohl bedrohliche Präsenz als auch atmosphärischen Grusel vermissen lässt!

Bewertung: 2 von 5.
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