| Titel | 10 Tage eines neugierigen Mannes |
| Genre | Krimi |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 16 |
| Regie | Uluç Bayraktar |
Starttermin: 07.11.2024 | Netflix
Gut. Schlecht. Neugierig!
Rauchiger Nebel umhüllt die Straßenlaternen, während sie sich durch finstere Gassen bewegen. Geheimnisse lauern in den Schatten, ein Rascheln, ein ungewisser Blick. Stets getrieben von Intuition, immer bereit für die Wendung, die alles verändert. Eine Femme fatale, ein doppeltes Spiel, die unerwartete Enthüllung – das Leben als Kriminalermittler*in. Zumindest, wenn es nach den fiktionalen Geschichten aus der Welt von Literatur, Film und Fernsehen geht. Aber wer möchte schon zusehen, wie sich Aktenstapel türmen, Fallprotokollierungsvorgänge durchexerziert werden und Streifendienstfahrten im monotonen Nichts verlaufen? Da ist es doch von Vorteil, dass sich fiktionale Kriminalgeschichten ein wenig aufhübschen, um dem tristen Beamt*innen-Alltag mit Leben und Spannung zu füllen. Der Protagonist des Netflix Krimis “10 Tage eines neugierigen Mannes” hingegen kann mit den meisten Romanen recht wenig anfangen, wenngleich natürlich auch sein Leben als Privatdetektiv ein Spielfilm-gerechtes Make-over erfährt!

Und darum geht es…
Wenn es nach Sadik Demir (Nejat Isler) geht, sind die Kriminalromane von Agatha Christie allesamt unglaubwürdiger Schund. Als erfahrener Privatdetektiv, der in den verwegenen Straßen von Istanbul mehr als nur einen komplizierten Fall gelöst hat, ist er sich sicher, dass er mit seiner Expertise deutlich bessere und vor allem authentische Geschichten zu Papier bringen kann. Als er sich auf Recherche begibt, um selbst einen Roman zu verfassen, gerät Sadik durch Zufall in einen Vermisstenfall einer jungen Frau, weshalb er sein Schriftsteller-Vorhaben zunächst einmal hinten anstellen muss.

Der Abschluss der Trilogie
Erst war er gut, dann war er schlecht, jetzt ist er neugierig. Der Mann, der auf den Namen Sadik Demir hört, meldet sich zurück für ein drittes Kriminalabenteuer in den digitalen Streaminghallen von Netflix. Nach “10 Tage eines guten Mannes” und “10 Tage eines schlechten Mannes” folgt die Fortsetzung der türkischen Romanverfilmung auf dem Fuß und die schickt den Privatdetektiv mit Agatha Christie-Aversion auf eine neue knifflige Mission – so zumindest der Plan. Statt das Rätsel-begierige Publikum mit einer spannenden Krimigeschichte vor die heimischen Bildschirme zu bannen, gibt sich “10 Tage eines neugierigen Mannes” größte Mühe, selbiges mit allen Mitteln auf Abstand zu halten. Während der verschachtelte Fall so rein gar nichts aufmacht und entsprechend wenig zum Mitfiebern einlädt, sorgen das chauvinistische Frauenbild und die pseudo-coole Inszenierung des weder heldenhaften noch charismatischen “Helden” mehrfach für irritiertes Augenreiben.

Um beurteilen zu können, ob Sadik Demir in der zugrundeliegenden Kriminalroman-Trilogie von Mehmet Eroglu ein ähnlich unsympathischer Möchtegern ist, wie in der Adaption des dritten und glücklicherweise letzten Teil der Buchreihe, müsste man diese natürlich erst einmal gelesen haben – was nach der unterwältigenden Performance von “10 Tage eines neugierigen Mannes” jedoch die wenigstens dazu animieren dürfte. Während der groovige Funk-Score einen Gute-Laune-Krimi suggeriert und die vergeblich auf cool und abgebrüht getrimmte Inszenierung ordentlich zu Brot liefer zur bemühten Lockerheit – ohne Sättigungsgefühl – fällt der um misogyne Gewalt angereicherte Plot tonal völlig aus dem Rahmen. Dass dabei alle Frauenfiguren in der Art wie sie präsentiert werden unverkennbar dem Geist lüsterner Altherrenfantasien entsprungen sind, dürfte am Ende keinen mehr verwundern…

Fazit
Frei von Charisma, Charme und Nahbarkeit ermittelt sich “10 Tage eines neugierigen Mannes” durch eine unaufgeregte Kriminalgeschichte, deren Weg von allerhand Ärgernissen gesäumt ist!

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