| Titel | Time Cut |
| Genre | Horror, Thriller |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 12 |
| Regie | Hannah Macpherson |
Starttermin: 30.10.2024 | Netflix
Zurück in die Zukunft goes Teenie-Slasher
Halloween – die Zeit, in der Streamingdienste unser kollektives Gedächtnis schröpfen und ein weiteres Mal das alte Repertoire an Gruselklassikern aufwärmen. „Halloween“, „The Shining“, „Scream“ – ein jährliches Déjà-vu, das in seiner Wiederholung zur liebgewonnenen Tradition wurde, schon lange bevor Netflix & Co. begonnen haben jeden Oktober auf ein neues ihre Mediatheken aufzustocken.. Aber wieso nicht einfach mal etwas Neues wagen? Nach der x-ten Sichtung verliert schließlich auch der letzte noch so präzise Jumpscare seine Wirkung und selbst die kreativsten Mordszenen verkommen zu bekannter Normalität. Da könnte man doch auch einmal einem neuen Horrorfilm, wie dem Zeitreise-Slasher “Time Cut” eine Chance geben!

Und darum geht es…
Noch bevor Lucy Field (Madison Bailey) ihre Schwester Summer (Antonia Gentry) überhaupt kennenlernen durfte, wurden sie und drei weiterer Mitschüler*innen von einem maskierten Killer ermordet. Das ist nun bereits zwanzig Jahre her und doch wird Lucy auch heute noch mit diesem tragischen Ereignis konfrontiert – und das intensiver als ihr lieb wäre. Als sich die Teenagerin nämlich plötzlich in der Vergangenheit wiederfindet, und das zu genau der Zeit, in der sich einst die Morde ereigneten, wird die längst vergangene Tragödie, zu ihrer neuen Gegenwart – mit der verlockenden Aussicht alles ungeschehen zu machen! Doch ehe sie sich daran machen kann, den Killer zur Strecke zu bringen, muss Lucy zunächst einmal eine Verbindung zu ihrer Schwester aufbauen – was in Anbetracht der absurden Situation gar nicht so einfach ist…

Blasse Nostalgie statt Blutiger Spannung
Ein Jahr ist es her, ebenfalls passend zur Halloween-Saison, dafür aber nicht auf Netflix, sondern beim unmittelbaren Konkurrenten Prime Video, da eröffnete der augenzwinkernde Retro-Slasher “Totally Killer” einer Teenagerin die Chance, den Mord an ihrer Mutter zu verhindern, per Zeitmaschine zurück in die 80er, um dort einen berüchtigten Killer zur Strecke zu bringen und die Zukunft ihrer Familie nachhaltig zu verändern. Wer nun empört schimpfend dem Netflix Original “Time Cut” dreisten Ideenklau unterstellet, sollte sich ins Gedächtnis rufen, dass das Slasher-Genre seit jeher von vertrauten Mustern und wiederkehrenden Mechaniken lebt. Statt den nächsten bloßen Abklatsch ohne Leitmotiv abseits des Mordens zu liefern, greifen “Time Cut” und “Totally Killer” immerhin auf ein kreatives, wenn auch geteiltes, Thema zurück: die Zeitreise als spannendes Mittel, um den tödlichen Kreislauf der Vergangenheit zu durchbrechen.

Das war es dann aber auch schon mit den Parallelen, die “Time Cut” und “Totally Killer” auf einer positiven Ebene eint. Anders als das durch die Bank unterhaltsame Prime Video-Equivalent fällt Luckys Zeitreise konsequent Spaßbefreit aus. Statt auf pointierten Humor und kreative Slasher-Einlagen, setzt “Time Cut” konsequent auf oberflächliche 00er-Jahre Nostalgie im Rahmen eines austauschbar-drögen Teeniefilm-Ambientes, wodurch sich das Netflix Original qualitativ weit näher bei der missglückten Retro-Slasher-Reihe “Fear Street” einordnet, als bei “Totally Killer”. Der Fokus liegt, wie die aufgrund der nahezu ausschließlich Off-Screen geschehenen Morde vollkommen berechtigten FSK 12-Freigabe bereits erahnen lassen, ohnehin woanders. Hätte das zentrale Familiendrama, dass den Slasher-Anteil nahezu vollständig an den Rand drängt, so etwas wie Gravitas gehabt, wäre die Verlagerung durchaus zu verschmerzen, wenn nicht sogar zu begrüßen gewesen – so jedoch bleibt der emotionale Kern flach und belanglos, ohne Tiefgang.

Fazit
„Time Cut“ enttäuscht als blutarmer Teenie-Slasher, der sein Potenzial vollständig verschenkt!

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