| Titel | Canary Black |
| Genre | Action, Thriller |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 16 |
| Regie | Pierre Morel |
Starttermin: 24.10.2024 | Prime Video
Die McGuffin-Jagd geht in die nächste Runde
Regierungen und ihre geheimen Datenträger – ein Thema, das Spionagethriller bis zur schieren Übertreibung ausreizen. Man könnte fast meinen, jeder Geheimdienst habe einen digitalen Joker in der Hinterhand, der nur darauf wartet, die Welt ins Chaos zu stürzen. James Bond war schon hinter einem her. Auch John McClane musste zum Wohle der Gesellschaft einiges über sich ergehen lassen und auch Ethan Hunt kann ein Lied davon singen, wie es ist, eine streng vertrauliche und brandgefährliche Festplatte vor bösen Jungs zu schützen. Doch ist die immergleiche Fabel vom alles und jede*n bedrohenden McGuffin im USB-Stick-Format nicht langsam auserzählt? Ach komm schon – einer geht noch: “Canary Black” – du bist dran!

Und darum geht es…
Avery Graves (Kate Beckinsale) führt ein Doppelleben: tagsüber Geheimagentin für die CIA, abends unscheinbare Ehefrau. Doch die Mauern, die diese beiden Welten voneinander trennen, brechen schon bald in sich zusammen. Als eine terroristische Organisation ihren Mann entführt, um an eine geheime Datei namens Canary Black zu gelangen, muss Avery über ihre Grenzen hinausgehen und alles riskieren. Um ihren Mann zu retten, sieht sie sich gezwungen, sich gegen ihre eigenen Leute zu stellen. Inmitten dieser moralischen Zwickmühle kämpft sie, um ihre Unschuld zu beweisen und gleichzeitig ihre Familie zu schützen, während sie zur Zielscheibe beider Seiten wird.

Zerschnittene Action, bekannter Plot
Alles beginnt mit einer wasserstoffblondierten Kate Beckinsale mit Bobschnitt am Abgrund einer neonbeleuchteten Hochhausfront, bereit sich in den Kampf zu stürzen. Ehe man “Ist Canary Black eine Fortsetzung des Amazon Originals Jolt aus dem Jahre 2021” in die Google-Suchleiste tippen kann, da liefert “Canary Black” die Antwort bereits von selbst. Wenn sich die “Underworld”-Darstellerin schon wenigen Sekunden nach der ästhetischen Eröffnungseinstellung ins Getümmel wirft und die monotone Action ihren Lauf nimmt, ist klar: Ähnlich spaßig wie der zwar dämliche, dafür aber unterhaltsame Edeltrash “Jolt”, der rein gar nichts mit “Canary Black” zu tun hat, wird dieser 08/15-Agent*innen-Thriller zu keinem Zeitpunkt. Denn, ist die kanarienvogelgelbe Perücke erst einmal abgelegt, und Beckinsale fortan brünett, war es das dann auch schon wieder mit den farbenfrohen Settings und auch mit sonst allem anderen, was irgendwie Spaß machen könnte.

Es scheint fast so, als hätte Pierre Morel nach seinem grandiosen Debütfilm “Ghettogangz – Die Hölle vor Paris” jegliches inszenatorisches Talent als Actionregisseur beim Übertreten der Landesgrenze seiner Heimat Frankreich beim Zoll abgegeben. Frisch in den USA angekommen erhielten bereits in “96 Hours” saft- und kraftlose Actionszenen Einzug in Morels filmisches Schaffen, ehe diese im “Canary Black” gar nicht so unähnlichen Action-Debakel “Peppermint: Angel of Vengeance” ihren vorläufigen Tiefpunkt fanden. Doch auch abseits des als Action getarnten Schnittgewitters erweist sich “Canary Black” als lieblos heruntergekurbelter Agent*innen-Thriller. Eine handelsübliche McGuffin-Jagd mit der obligatorischen Datei, die in den falschen Händen unermesslichen Schaden bringt, inklusive unwissendem Zivilisten-Ehepartner, lieblosen Großstadthopping durch Europa; den Feind vor Augen, die eigene Organisation im Nacken. Alle gegen eine. Eine gegen alle. Alles schon gesehen – und das deutlich besser und spannender!

Fazit
„Canary Black“ bietet nichts, was man nicht schon in unzähligen Agent*innen-Thrillern zuvor gesehen hat – und dort auch deutlich besser!

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