| Titel | Free Falling – Tanz am Abgrund |
| Genre | Drama, Thriller |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 16 |
| Regie | Laura Jou |
Heimkinostart: 27.09.2024
Die dunkle Seite der Machtbeziehung
Was passieren kann, wenn der Druck, den Mentor*innen auf ihre Protegés ausüben, Grenzen überschreitet, haben Filme wie “TÁR” und “Whiplash” bereits eindrucksvoll veranschaulicht. In “Whiplash” treibt der gnadenlose Dirigent Fletcher seinen Schüler Andrew bis zum Äußersten, überzeugt davon, dass nur Schmerz wahres Genie hervorbringt, während uns “TÁR” offenbart, wie das Streben nach Perfektion in der Musikwelt nicht nur Karrieren, sondern auch Seelen zerstören kann. Talent wird zur Arena des Überlebens, in der Talent und Macht sich unheilvoll verstricken. Wo endet die Förderung und wo beginnt der Missbrauch? Beide Filme legen offen, dass Erfolg ohne Menschlichkeit einen verhängnisvollen Preis hat – eine Parabel, die sich auf jedes beliebige Themenfeld übertragen lässt. Auch auf die rhythmische Sportgymnastik, wie in Laura Jous psychologischen Drama “Free Falling – Tanz am Abgrund”.

Und darum geht es…
Marisol (Belén Rueda) brennt für ihre Arbeit und duldet keine Kompromisse. Ohne dieses Feuer wäre sie heute nicht die Leiterin und Chef-Trainerin der spanischen Nationalauswahl für rhythmische Sportgymnastik. Wer in ihrem Team ist, hat nicht weniger als die reiste Perfektion zu liefern – und dafür greift Marisol zu drastischen Mitteln. Auch wenn sie mit ihren rauen Methoden bereits mehrfach angeeckt ist, fährt sie weiter ihren harten Kurs – vor allem jetzt, zwei Wochen vor den Weltmeisterschaften. Als dann auch noch die Affäre ihres Ehemannes Octavio (Ilay Kurelovic) ans Tageslicht kommt, mit dem er ein Kind erwartet, verbeißt sich Marisol noch mehr in ihre Arbeit. Ganz zum Leidwesen ihres Schützlings, dem ukrainischen Jungtalent Angélica (Mariia Netavrovana), die an Marisols Methoden zunehmend zu zerbrechen droht!

Zwischen Ehrgeiz und Selbstzerstörung
Nur unter Druck entstehen Diamanten, weis ein altes Sprichwort – doch der Mensch ist kein Edelstein. In einer Zeit, in der mentale Gesundheit endlich ernst genommen wird, ist auch das kollektive Verständnis für Achtsamkeit gewachsen. Dauerhafter Stress erzeugt keine Brillanz, sondern Burnouts. Was passieren kann, wenn man dem Druck von Außen nicht mehr standhält, haben Filme wie Damien Chastains “Whiplash” oder Darren Aronofskys “Black Swan” eindrucksvoll auf die Leinwand projiziert. Auch im spanischen Drama “Free Falling – Tanz am Abgrund” steht das Thema Leistungsdruck wieder im Vordergrund, dieses Mal jedoch mit Schwerpunkt auf die andere Seite des fragilen Machtgefälles. Wenn Marisols manische Verbissenheit die Grenzen hin zur psychischen und physischen Gewalt sprengt, sind die Folge nicht nur einseitig spürbar, sondern offenbaren auch ihre selbstzerstörerischen Kräfte.

Dank den starken Performances der Darsteller*innen, allen voran Belén Rueda (“Das Waisenhaus”, The Body”), kann “Free Falling – Tanz am Abgrund” als an die Sehgewohnheiten des Mainstreams angepasste und dadurch weit bekömmlichere “TÁR”-Interpretation durchaus überzeugen – und das ohne sich allzu sehr anzubiedern. Das zeigt sich auch in Sachen psychologischem Thrill, der im Hintergrund verortet, weitestgehend dem Drama zuspielt und entgegen den Erwartungen keine Eigendynamik in Richtung Psychothriller oder Horror-eskem Machwerk entwickelt. Diese Entscheidung überrascht, in Anbetracht von Ruedas Vita, wie auch der gesamten Aufmachung der Heimkinoveröffentlichung. Was einige, im speziellen Genrefans, enttäuschen dürfte, entpuppt sich als gekonntes Spiel mit der Erwartungshaltung, das “Free Falling – Tanz am Abgrund” unter dem Strich sogar bereichert, wenngleich dem spanischen Drama etwas mehr Exzentrik gut gestanden hätte!

Fazit
Dank starker Darsteller*innen, insbesondere Belén Rueda, überzeugt „Free Falling – Tanz am Abgrund“ als spannendes Drama, das geschickt mit den Erwartungen der Zuschauerschaft spielt!


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