| Titel | Kill |
| Genre | Action, Thriller |
| Jahr | 2023 |
| FSK | ungeprüft |
| Regie | Nikhil Nagesh Bhat |
Fantasy Filmfest 2024
Wenn die Liebe zum Überlebenskampf wird
„John Wick“ hat das Actiongenre zweifellos geprägt, und viele Actionfilme müssen sich dem Vergleich mit dem von Keanu Reeves geführten Franchise stellen – oft vergeblich. Doch in diesem Jahr gelang es Dev Patel mit „Monkey Man“, sowohl als Regisseur als auch als Hauptdarsteller, diesem Vergleich standzuhalten. Der Film brachte mit seiner Verbindung zwischen Action und indischer Kultur frischen Wind ins Genre. Das Fantasy Filmfest präsentiert in seinem diesjährigen Programm einen weiteren indischen Actionkracher: „Kill“. Der Streifen beeindruckte nicht nur Kritiker, sondern auch das Studio hinter „John Wick“, das bereits ein englischsprachiges Remake plant.

Und darum geht es…
Der Soldat Amrit (Lakshya) ist fest entschlossen, die arrangierte Ehe seiner großen Liebe Tulika (Tanya Maniktala) zu verhindern und begibt sich auf dem Nachtzug nach Neu-Delhi, mit dem sie und ihre Familie unterwegs sind. Doch der romantische Plan nimmt eine dramatische Wendung, als eine Gruppe von etwa vierzig schwer bewaffneten Räubern den Zug überfällt. Um Tulika zu schützen, bleibt Amrit nichts anderes übrig, als sich den Angreifern mit allen Mitteln zu stellen – improvisierte Waffen aus der Zugumgebung inklusive.

Wenn Bollywood auf blutige Action trifft
Vor der Vorstellung von „Kill“ beim Fantasy Filmfest richtete sich Regisseur Nikhil Nagesh Bhat mit einer kleinen Videobotschaft an das Publikum und leitete seinen Actionkracher ein. Dabei wirkte er so liebenswürdig, wie so ziemlich alle der Regisseur:innen beim diesjährigen Filmfestival, dass es kaum vorstellbar ist, dass so jemand solche Gewaltexzesse auf die Leinwand zaubern kann. Dabei beginnt alles ganz süß und romantisch: Soldat Amrit verfolgt seine Geliebte Tulika in den Zug nach Neu-Delhi, und jedes Mal, wenn die beiden zusammen sind, erklingen klassische Bollywood-Melodien, begleitet von einem sanften Wind, der durch Tulikas Haare weht. Das wirkt nicht nur charmant und witzig, sondern funktioniert auch als liebevolle Hommage an indische Romantikfilme. Die Stimmung kippt relativ schnell ins Bedrohliche und eskaliert in einem Rausch voller Gewalt, bei dem Hauptdarsteller Lakshya in eindrucksvoll choreografierten Kämpfen brilliert, während er sich durch den Zug kämpft. Trotz der simpel gehaltenen Story überrascht der Film schon im ersten Drittel mit unvorhersehbaren Wendungen, die das Publikum kalt erwischen.

Wer bereits in der ersten Hälfte mit dem Gewaltgrad von „Kill“ zu kämpfen hatte, sollte sich gut festhalten. Erst nach knapp 45 Minuten erscheint der Titel auf der Leinwand, und von da an geht es richtig los. Während es zuvor „nur“ brutale Kampfszenen gab, nimmt der Film seinen Namen nun wörtlich: Amrit metzelt sich gnadenlos durch die Banditen. Dabei wird alles, was in seine Reichweite kommt, in eine tödliche Waffe verwandelt. Die Mordszenen in „Kill“ sind so explizit und intensiv inszeniert, dass sie allein beim Zuschauen weh tun. Lakshya beeindruckt nicht nur mit physischer Präsenz, sondern auch emotionaler Tiefe, während sein Gegenspieler Raghav Juyal als Bösewicht Fani überraschend nuanciert wirkt. Generell gelingt es Regisseur Nikhil Nagesh Bhat, selbst jeden noch so kleinen Charakter dem Publikum ans Herz wachsen zu lassen. Das macht die unvermeidlichen Tode umso schmerzhafter und verleiht dem Film eine emotionale Intensität, die im Actiongenre selten anzutreffen ist.

Fazit
Regisseur Nikhil Nagesh Bhat präsentiert mit „Kill“ einen Actionkracher, der als süße Romanze im Bollywood-Stil beginnt und sich schnell in einen Blutrausch voller brutaler Gewalt und packender Kampfszenen entwickelt. Selbst die Tode von Nebencharakteren treffen den Zuschauer wie ein Schlag in die Magengrube. Ein Must-See für alle Actionliebhaber.

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