Boxer: Kritik zum Netflix Film – Die polnische Antwort auf Creed und Rocky!

Boxer Netflix Film 2024 Bokser
TitelBoxer
Genre Drama, Sport
Jahr2024
FSK16
RegieMitja Okorn

Starttermin: 11.09.2024 (Netflix)

Die fast wahre Geschichte eines talentierten Boxers

Während der kommunistischen Phase Polens war es für Profisportler*innen nahezu unmöglich, ihr Heimatland zu verlassen. Selbst Athletinnen, die internationale Erfolge feierten und Goldmedaillen für ihr Land gewannen, wurden vom Staat streng überwacht und lebten oft in Armut. Das Überwachungssystem, das Teil des allumfassenden Sicherheitsapparats war, kontrollierte das Leben vieler, besonders der Sportler*innen, die als Aushängeschilder des sozialistischen Regimes galten. Aufenthalte im Ausland waren nur unter strengsten Auflagen erlaubt, und selbst bei offiziellen Anlässen waren sie ständig von Sicherheitskräften begleitet, um Fluchtversuche zu verhindern. Gelockt vom Ruhm und Reichtum den der Westen versprach, nahmen in dieser Zeit vermehrt junge Olymponik*innen und Ausnahmesportler*innen das Risiko von Repressalien in Kauf und entschieden sich für die Flucht. “Boxer” erzählt eine dieser Geschichten, wenngleich fiktional, stellvertretend für viele Sportler*innen, die eine ähnliche Reise auf sich nahmen!

Boxer Netflix Film 2024 Bokser
Boxer ©Netflix

Und darum geht es…

In seinem Heimatland Polen gilt Jedrzej (Eryk Kulm) als junges und vielversprechendes Talent im Boxring, doch das kommunistische Regime des Landes macht es dem Sportler unmöglich seinen Erfolg zu genießen. Zusammen mit seiner Frau Kasia (Adrianna Chlebicka) lebt er in Armut und unter ständiger Überwachung. Erst die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London gibt ihm die Möglichkeit, endlich etwas an seinem Leben zu ändern. Gemeinsam mit Kasia wagt er die Flucht und kann schnell Fuß fassen in der ruhmreichen Sportszene Englands. Doch das neue Leben hat auch seinen Preis, was er, am Gipfel der Boxgesellschaft angekommen, am eigenen Leib erfahren muss.

Eher technisches K.O. statt Knockout

Beginnend in den 1970er-Jahren, die düsteren Dekaden des Kommunismus durchquerend bis in die 90er hinein, erzählt “Boxer“ die fiktionalisierte Biografie eines aufstrebenden Sportlers, der sich zunächst von den Ketten eines totalitären Regimes befreien muss, um, angekommen an der Spitze, eine weitere bittere Realität erfahren zu müssen. Vom Regen in die Traufe quasi, versteckt hinter luxuriösen Sportwagen, einer weitläufigen Villa und vermeintlicher Freundschaft. Das Konzept hinter dem Netflix Original ist so alt wie das Genre selbst. Die Umsetzung ist hochwertig, mit authentischen Kulissen und Kostümen, überzeugenden Darsteller*innen und rasanten Boxkämpfen. Besser gut adaptiert als innovativ und doch halbgar inszeniert könnte das Motto des polnischen Dramas lauten. Das Ergebnis jedenfalls ist unterhaltsam.

Boxer Netflix Film 2024 Bokser
Boxer ©Netflix

Dass ”Boxer“ dem Publikum an manchen Stellen doch etwas zu viel aufs Brötchen schmieren möchte und den Bogen der Dramatik dadurch das eine oder andere Mal überspannt, dämpft ein wenig. Ebenso die doch arg überladene Spielzeit von beinahe zweieinhalb Stunden. Langweilig wird es währenddessen zwar nie, dem Ideenmangel beugt es aber auch nicht gerade vor. Nichtsdestotrotz ist das polnische Netflix Original durchaus gelungen. Die Kämpfe haben Wumms, die Inszenierung, auch außerhalb des Rings, ist tadellos und der Cast macht seine Sache gut. Ein klassisches Sportler*innen-Biopic eben, wenngleich es streng genommen gar keines ist. Denn trotz der Parallelen zu diversen wahren Geschichten entstammt das Leben Jedrzejs dem kreativen Kopf eines findigen Drehbuchautors, der bei näherer Betrachtung gar nicht mal so kreativ ist.

Boxer Netflix Film 2024 Bokser
Boxer ©Netflix

Fazit

„Boxer“ bietet spannende Boxkämpfe und starke Darsteller, scheitert aber an Innovation und übertriebener Dramatik. Unterhaltsam, aber nicht herausragend.

Bewertung: 3 von 5.
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