| Titel | Perpetrator – Ein Teil von ihr |
| Genre | Horror |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 16 |
| Regie | Jennifer Reeder |
Starttermin: 24.05.2024
Starke Frauen, schwacher Film
Im Horrorgenre dient die Menstruation nicht selten als Metapher für die durch körperliche und geistige Veränderungen begleiteten Ängste auf dem beschwerlichen Weg durch die Adoleszenz. Die Entdeckung der weiblichen Identität wird zur Allegorie für das Ungewisse und beschwört abwechselnd übersinnliche Kräfte herauf oder wird zum Lockmittel für finstere Mächte. Das war schon in der Stephen King-Verfilmung “Carrie” so und zieht sich noch heute wie ein roter Faden durch die Coming-of-Age-Pfade der Horrorfilmlandschaft. Anders als die oft sowohl filmisch als auch pädagogisch wertvollen Subgenre-Beiträge kann das ähnliche Ambitionen verfolgende Horrordrama “Perpetrator – Ein Teil von ihr” in beiderlei Hinsicht als gescheitert betrachtet werden.

Und darum geht es…
Jonny (Kiah McKirnan) steht kurz vor ihrem 18. Geburtstag – und bisher verlief das Leben der Teenagerin nicht rosig. Bei ihrem überforderten und distanzierten Vater (Tim Hopper) aufgewachsen und ohne eine Mutter an ihrer Seite, hat es Jonny schwer ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Dass mit ihrer Tante Hildie (Alicia Silverstone) plötzlich eine starke Frau in ihr Leben tritt, kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass sie sich zunehmend seltsamer fühlt, was mit dem Eintreten ihrer Volljährigkeit seinen surrealen Höhepunkt findet. Es scheint so, als könnten andere Menschen durch Jonny sprechen und für wenige Momente Besitz von ihrem Körper nehmen. So auch das kürzlich verschwundene Mädchen von ihrer Schule…


Kann nicht halten, was die Szenenbilder versprechen
Dass “Perpetrator – Ein Teil von ihr” seine Feminismus-Ambitionen nur bedingt einlösen kann, ist größtenteils dem arg konstruierten, ungelenk kryptischen Skript zuzuschreiben, das aufgrund der stereotypischen Darstellung toxischer Männerfiguren eher den Geist eines albernen Late Night Sketches atmet, als den einer ernstzunehmenden Auseinandersetzung mit dem Thema. Trotz bemüht bedrohlicher Düsterheit wird Jennifer Reeders Weckruf für weibliche Solidarität und Zusammenhalt von einer unfreiwilligen Komik begleitet, die durch die gestelzten, sich in unnötig lange Erklärungen verlierenden Dialoge und die Theatralik, mit der die Textzeilen vorgetragen werden, noch bestärkt wird. Wo “Perpetrator – Ein Teil von ihr” auf dem Papier noch den Anschein eines inhaltlich nuancierten und visuell berauschenden Indie-Horrors erweckt, lässt sich das Ergebnis ohne weiteres als reinrassiges B-Movie-Produkt deklarieren.

Was in Form einzelner Szenenbilder noch auf atmosphärischen Horror hoffen lässt, wird spätestens durch das Editing und die Musik zunichtegemacht. Selbst ästhetische Einzelbilder fallen der Produktion zum Opfer, während der dünne Score flach vor sich hindümpelt und jegliches Gefühl von Unbehagen und Atmosphäre im Keim erstickt. Dass Alicia Silverstone seit ihrer vermeintlichen Hollywood-Karriere im B-Movie-Kosmos verschollen, keinen Satz mehr ohne unerträgliches Overacting herausbekommt, kommt auch in “Perpetrator – Ein Teil von ihr” erschwerend hinzu. Trotz offenkundig als Inspiration herangezogene Vorbilder wie David Lynch und David Cronenberg lassen ähnliche Ergebnisse auf sich warten. Wer nach Filmen wie dem Horrordrama “Raw” oder Alex Garlands “Men” auf der Suche nach Nachschub in Sachen weiblicher Coming-of-Age und toxischer Männlichkeit ist, kommt höchstens stichpunktartig auf seine Kosten…

Fazit
Feministischer Horror auf Sparflamme!


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