| Titel | Der Seelenfänger |
| Genre | Thriller, Krimi |
| Jahr | 2024 |
| FSK | ungeprüft |
| Regie | Alexandre Bustillo, Julien Maury |
Fantasy Filmfest Nights 2024

Das französische Terrorkino ist zurück – oder doch nicht?
Die 00er Jahre war eine Ära des Schreckens – zumindest, wenn man dem französischen Kino Glauben schenkt. Mit “Hight Tension” (2003) , “Frontière(s) 2007 und “Martyrs” (2008) entbrannte zu dieser Zeit eine regelrechte Terror-Hysterie, die ihre Kreise weit über die Grenzen unseres Nachbarlandes hinaus zog und Horrorfans weltweit in ihren Bann zog. Mit brachialer, die Grenzen der Belastbarkeit – und die des deutschen Jugendschutzes gleich mit – neu auslotender Gewaltdarstellung, schneidend dichter Atmosphäre und einer dreckig-rohen Aura, etablierte sich das französische Terrorkino zum neuen Gütesiegel im Horrorgenre. Mittendrin, das Regieduo Alexandre Bustillo und Julien Maury, die mit ihrem Debütfilm “Inside” da weitermachten, wo „High Tension” und Co. aufgehört haben. Klar, dass das Horrorherz direkt einen Sprung macht, wenn mit “Der Seelenfänger” der nächste Film des terror-afinen Zweiergespanns ins Haus steht!
Und darum geht es…
Frankreich: Als sich in einer kleinen Dorfgemeinde in den Vogesen ein brutaler Doppelmord ereignet, ist es an der taffen Kommissarin Elisabeth Guardiano (Virginie Ledoyen) den mysteriösen Fall zu untersuchen. Gemeinsam mit dem Ermittler Franck de Roland (Paul Hamy), der bei der blutigen Tat einen Zusammenhang mit einer Reihe von Kindesentführungen vermutet, macht sie sich auf Ursachenforschung und stößt dabei auf die alte urbane Legende des Seelenfressers: Ein finsteres Wesen, das in den nahegelegenen Wäldern lauert und seinen Opfern die Seele aus dem Körper saugt. Doch die Wahrheit hinter den Ereignissen ist schrecklicher als jede überirdische Erklärung…


Ein (fast) neues Genre, dieselbe Handschrift
Wer durch das bisherige Schaffen von Alexandre Bustillo und Julien Maury hinter dem, die Horrorerwartungen noch einmal befeuernden Titel “Der Seelenfänger” den nächsten Terrorfilm vermutet, dürfte über den doch klar im Ermittlungsthrillergenre verorteten Plot ihrer neuen Regiearbeit etwas überrascht werden. Nun wären die horroraffinen Terror-Paten aus Frankreich nicht Bustillo und Julien, wenn die beiden die klassisch aufgezogen Polizeiarbeit nicht dennoch mit einem expliziten, grafischen Goregehalt anreichern würden und auch abseits der blutigen Schauwerte immer wieder in Richtung des Horrorgenres schielen würden. Dennoch ist und bleibt “Der Seelenfänger” ein Crime- beziehungsweise Police Thriller durch und durch – und als das betrachtet auch überaus sehenswert.

Der Schrecken in “Der Seelenfänger” ist irdischer Natur und bricht sich nach einem bis dahin eher gemächlich aufgebauten Geflecht aus möglichen Motiven im dritten Akt letztlich auf eindringliche Weise Bahn. Dann nämlich geht es Schlag auf Schlag. Wenn sich plötzlich eine unerwartete Wendung an die nächste reiht und die Enthüllungen, seien sie noch so absurd und weit hergeholt, zusammenfließen, könnte man meinen Alexandre Bustillo und Julien Maury hätten den nächsten, noch unveröffentlichten Sebastian Fitzek-Roman einfach in die französische Provinz verfrachtet. Das ist einerseits unglaublich kurzweilig, überraschend und unterhaltsam, aber auch arg konstruiert und nie ganz plausibel. Einem Thriller vorzuwerfen, er wäre zu reißerisch, mag paradox klingen, trifft im Fall von “Der Seelenfänger” aber irgendwie zu.

Fazit
Fingerspitzengefühl ist für Alexandre Bustillo und Julien Maury ein Fremdwort. Wenn die “Inside”-Macher sich mit “Der Seelenfänger” ein wenig weg vom Horror hin zum Thriller orientieren, dann mit allem, was das Genre bereithält!

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