| Titel | 24 Stunden mit Gaspar |
| Genre | Thriller, Action |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 16 |
| Regie | Yosep Anggi Noen |
Starttermin: 14.03.2024 (Netflix)
Nutze den Tag, verzichte auf “24 Stunden mit Gaspar”
Carpe Diem! Ob als Wandtattoo über der perlweißen Ikeaküchenzeile, mit echter Tinte für immer auf der Innenseite des Unterarms verewigt oder als Instagram-Bio-Überschrift neben einem Südseepalmen-Emoticon: Für das seit dem inflationären Gebrauch in den 90er Jahren ausgerutschte Sprichwort gibt es bis heute noch ungeeignet-kitschige Stellen und Orte, um es öffentlichkeitswirksam zur Schau zu stellen. “Nutze den Tag” oder besser noch “Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter” ist die Devise. Das gilt auch für Gaspar, der im indonesischen Netflix Original “24 Stunden mit Gaspar” die schreckliche Nachricht bekommt, dass ihm nur noch ein Tag auf Gottes grünem Erdenrund übrig bleibt. Statt sich gebührend vom Leben zu verabschieden, gibt es für ihn nur eines, das er unbedingt noch erledigen möchte: Rache nehmen!

Und darum geht es…
Als Gaspar (Reza Rahadian) erfährt, dass er nur noch 24 Stunden zu leben hat, setzt er alles auf eine Karte: Als Privatdetektiv ist er bereits seit langer Zeit einem Menschenhändlerring auf der Spur, der unter der Führung des skrupellosen Anführers Wan Ali (Landung Simatupang) auch schon für die Entführung seiner Kindheitsfreundin Kirana (Shofia Shireen) verantwortlich war. Statt es sich also an seinem letzten Tag auf Erden noch einmal so richtig gutgehen zu lassen, trommelt er eine Gruppe von alten Wegbegleiter*innen zusammen, um Wan Ali ein für alle Mal das Handwerk zu legen. Sterben wird er am Ende sowieso!


Netflix macht jetzt auch Hörspiele?
Wenn Jason Statham im High-Voltage–Thriller “Crank” als dem Tode geweihter Mann, dessen Herz aufgrund eines Giftcocktails jederzeit stehen bleiben könnte, es sei denn, er ballert seinen Körper mit Adrenalin voll, einerseits blutige Rache schwört und sich andererseits am Leben halten muss, mag das ziemlich doof sein, aber auch verdammt unterhaltsam. Ähnlich verhielt es sich vor wenigen Wochen bei Emilio Sakraya, der auf Netflix, gegen die Zeit ankämpfend, eine Mission zu beenden hatte – und dass, wie der Titel bereits verrät, in exakt “60 Minuten”. Da sind die Aussichten auf den indonesischen Netflix-Beitrag “24 Stunden mit Gaspar” doch vielversprechend. Dass sich der in einer nicht näher definierten Zukunft verortete Thriller dann doch als eine derartige Katastrophe herausstellt, hätte niemand ahnen können. Dabei sind es nicht einmal die merkwürdig-disharmonische musikalische Untermalung oder die dazu im Kontrast stehende eintönige Inszenierung, die der Detektivgeschichte (die als solche überhaupt nicht funktioniert) das Genick brechen. Dafür ist einzig und alleine das Skript verantwortlich – der Rest ist lediglich die Spitze des Eisbergs.

“24 Stunden mit Gaspar” ist mehr Hörspiel als Film. Jede Figur, jedes Ereignis und selbst die Welt, in der sich die Charaktere und Geschehnisse tummeln, wird ausschließlich auf der Tonspur manifestiert. Verlieren sich die Dialoge einmal nicht in nervige Binsenweisheiten und bedeutungsschwangeren Kalenderspruchzitaten, beschränken sie sich darauf, dass sich Figuren selbst und/oder gegenseitig charakterisieren, Wikipedia-eske Hintergründinformationen austauschen oder mal metaphorische, mal in der Vergangenheit angesiedelte Geschichtsstunden um die Ohren hauen. Jedes einzelne Wort bleibt Behauptung. Rein gar nichts und niemand bekommt ein Profil. Es ist kaum auszuhalten. Statt mit Tempo durch einen rasanten Racheplot zu rauschen, inhaltsleere Gespräche. Statt Fortschritt in der Handlung, Backflashs ohne Mehrwert. Gaspar meint einmal, er habe schon mal ganz aufgehört zu sprechen, weil Worte Menschen verletzten. Bei der Qualität der Dialoge, kein Wunder…

Fazit
Wer sich das Sprichwort “Carpe Diem” zu Herzen nehmen möchte, macht am besten einen großen Bogen um “24 Stunden mit Gaspar”!

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