| Titel | Ricky Stanicky |
| Genre | Komödie |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 12 |
| Regie | Peter Farrelly |
Starttermin: 07.03.2024 (Prime Video)
Peter Farrelly: Vom Klamauk zu den Oscars® und wieder zurück
Wenn man in den 90ern und den frühen 00er-Jahren groß geworden ist, war es nahezu unmöglich, an den derben Komödien der Farrelly-Brüder vorbeizukommen. Der Mix aus anarchistischem Humor, oft unter der Gürtellinie verorteten Gags und liebenswert-charismatischen Charakteren erfreute sich in dieser Zeit großer Beliebtheit und brachte Filme, wie die ikonische Screwball-Komödie “Verrückt nach Mary”, dem heute undenkbaren, weil politisch alles andere als korrekten Klamauk “Schwer verliebt” und dem Kultfilm “Dumm und dümmer” hervor. Ohne seinen Bruder Bobby und dafür weitaus anspruchsvoller legte Peter Farrelly viele Jahre später mit “Green Book” einen kleinen Abstecher ins Dramatische ein und erntete dafür prompt einen Oscar®, um mit dem Apple TV+ Original “The Greatest Beer Run Ever” mit Zac Efron in der Hauptrolle anschließend einen Kompromiss zwischen Humor und Drama zu finden. Mit “Ricky Stanicky” jedoch geht es für Farrelly nun wieder zurück zu den Wurzeln, ebenfalls mit Efron im Schlepptau, an der Seite von John Cena, exklusiv auf Prime Video. Ob das gut geht?

Und darum geht es…
Dean (Zac Efron), Wes (Jermaine Fowler) und JT (Andrew Santino) sind beste Freunde seit ihrer Kindheit. Schon in ihrer Jugend waren die drei für jeden Blödsinn zu haben und manövrieren sich dadurch immer wieder in unliebsame Situationen. Um sich den Ärger vom Hals zu halten, musste schon damals ein vernünftiges Alibi her, das sie galant aus der Verantwortung nimmt – und dieses Alibi hört auf den Namen Ricky Stanicky. Der imaginäre Freund, der immer dann zum Tragen kam, wenn die Situation aus dem Ruder lief, begleitete Dean und seine Freunde bis ins Erwachsenenalter und ist selbst dann noch eine beliebte Ausrede, wenn es darum geht, die Familie für einen entspannten Männertrip hinter sich zu lassen. Doch nach einem Trip nach Atlantic City droht der Schwindel aufzufliegen und ein echter Ricky Stanicky muss her, den sie in Form des erfolglosen Schauspielers und Rockstar-Imitators Rod (John Cena) finden. Bei einem Familienfest soll er dem, an Rickys Existenz zweifelnden Umfeld von Dean, Wes und JT unter Beweis stellen, dass es ihn wirklich gibt – ein böser Fehler!


Lügen haben muskulöse Beine
Bereits die in der Jugend und somit der Geburtsstunde des Mythos Ricky Stanicky angesiedelte Exposition lässt Böses ahnen, oder besser gesagt, die sowieso schon düstere Vorahnung bestätigen. Eine Farrelly-Pipi-Kacka-Komödie mit eingestaubten Sexwitzchen? Und das 2024? Das kann doch nicht gut gehen! Aber Fehlanzeige. Es dauert nicht lange, vielleicht 10 Minuten, da haut “Ricky Stanicky” noch während der Fahrt die Handbremse rein und legt kurz vor der Ausfahrt austauschbare 90er-Jahre-Comedy einen U-Turn hin. Die Pointen sind dann selbstverständlich immer noch südlich des Bauchnabels angesiedelt, treffen dabei aber plötzlich allesamt ins Ziel, fast so als wäre wieder 1998. Und viel wichtiger noch: Wie damals schon sind Farrelly seine Figuren nicht etwa egal und fristen ein oberflächliches Gagschleuderdasein, sondern bekommen allesamt ausreichend Raum, um vom Skript und den Darsteller*innen mit Leben gefüllt zu werden.

Nachdem Zac Efron sich mit seinen brillanten Auftritten in “The Iron Claw”, “Gold” und auch Farrellys “The Greatest Beer Run Ever” zum echten Charakterdarsteller emanzipieren konnte, hält “Ricky Stanicky” bedauerlicherweise wenig für ihn bereit. Doch die Bühne gehört sowieso John Cena, der bereits öfters unter Beweis stellen konnte, dass ihm Comedy weitaus besser zu liegen scheint als bierernste Action. Seine Rolle ist dermaßen over the top angelegt und bietet dem Ex-Wrestler ein unglaublich großes Spektrum an Albernheiten, dass man als Comedy-Fan fast schon applaudieren möchte. Das liegt natürlich auch am unverkennbaren Farrelly-Humor, der mit einer musikalischen Masturbations-Kompilation bekannter Pop- und Rockklassiker, einer, einen Golfball ausbrütenden Gans mit Tötungsabsicht und einer spontanen Beschneidung mit dem Zigarrenschneider seinen Höhepunkt findet. “Ricky Stanicky” ist dabei sogar weitaus weniger vorhersehbar, als es die altbekannte Prämisse vermuten lässt und bringt tatsächlich wieder etwas frischen Wind in ein vom Aussterben bedrohten Genres.

Fazit
Die Farrelly-Brüder kehren zu ihren Wurzeln zurück – oder zumindest einer von beiden. Ein voller Erfolg!

Wie hat Dir „Ricky Stanicky“ gefallen?

