Amerikanische Fiktion

TitelAmerikanische Fiktion (OT: American Fiction)
Genre Drama, Komödie
Jahr2024
FSK16
RegieCord Jefferson

Starttermin: 27.02.2024 (Prime Video)

Black Cinema-Satire auf Oscar®-Kurs

Die US-amerikanische Geschichte ist eine Geschichte des Rassismus. Von der Sklaverei über die Kolonialisierung bis hin zu systematischem Rassismus und Unterdrückung haben Schwarze Menschen bis zum heutigen Tag Generationen vollere Leid erfahren. Aus diesem Grund ist es selbstredend wichtig, jedes einzelne dieser düsteren Kapitel festzuhalten und aufzuarbeiten, ob in der Literatur oder in der Welt des Films, um eine allgemeine Sensibilität und eine Kultur des Nichtvergessens zu schaffen. Nun könnte man der Filmbranche jedoch den Vorwurf machen, sich aus reinem Kalkül an den immergleichen Geschichten über Polizeigewalt, Armut und Orientierungslosigkeit zu laben, frei nach dem Motto “Gib Ihnen was Sie sehen wollen”. Für Regisseur und Drehbuchautor Cord Jefferson ein klares Zeichen für Oscar®-bait – der mit “American Fiction” ironischerweise bei der diesjährigen Verleihung selbst gute Chancen haben dürfte, wenn auch aus einem anderen Grund!

American Fiction ©Orion Pictures

Und darum geht es…

Thelonious „Monk“ Ellison (Jeffrey Wright) ist ein stolzer Schwarzer Mann. Als Hochschulprofessor für englische Literatur, der darüber hinaus auch selbst als Schriftsteller publiziert, ist er es Leid, wie klischeebehaftet sich die Schwarze Community in der Unterhaltungsbranche in Szene setzt. Als sein neues Buch dann auch noch keinen Verleger findet, weil es angeblich nicht „schwarz genug“ sei, hat er endgültig die Schnauze voll. Um die Krankenhausrechnungen für seine schwerkranke Mutter begleichen zu können, springt er auf den medial so erfolgreichen Zug auf. Unter einem Pseudonym veröffentlicht er einen Roman voller Klischees und Abziehbilder, der prompt zum Bestseller avanciert. Nun stellt sich für Monk jedoch die Frage, was wichtiger ist: seine Prinzipien oder doch der Ruhm und das Geld?

American Fiction ©Orion Pictures

“Unterschätze nie die Dummheit der Menschen”

Mit insgesamt fünf Nominierungen, vom besten Film über das beste adaptierten Drehbuch bis hin zu Jeffrey Wright als bester Hauptdarsteller, ist Cord Jefferson nun also genau das gelungen, was er in eben jenem Werk vielen seiner filmschaffenden, oft weißen Kolleg*innen aus Hollywood vorwirft: ein für die Oscar®-Verleihung prädestinierter Film über Schwarze Menschen. Ehe man jedoch in Versuchung kommt das Wort Doppelmoral auszusprechen, beweist Jefferson, dass sein Spielfilmdebüt “American Fiction” eben keiner dieser Filme ist, sondern vielmehr ein radikaler Gegenentwurf, der zeigt, dass Schwarze Menschen, wie es das Nomen schon sagt, auch nur Menschen sind – und demnach mehr als nur die sich oftmals auf stereotype Klischees reduzierenden Milieustudien glauben lassen.

American Fiction ©Orion Pictures

“American Fiction” erweist sich dabei als humorvolle Aufarbeitung eines komplexen Themas, mit feinstrafierten Nuancen, die mehr als nur einen, den vermeintlich einzig richtigen Blickwinkel zulässt, indem Cord Jefferson auch das Handeln seines keinesfalls fehlerfreien Protagonisten infrage stellt. Getragen wird die Farce von Jeffrey Wrights minimalistischem Spiel, das oft mit kleinen Gesten wie einem subtilen Naserümpfen oder einem flüchtigen Blick genau den richtigen Ton trifft. So reduziert wie die Performance seines Hauptdarstellers, verhält es sich auch mit den meist trocken humorigen Beobachtungen zum Umgang mit der Schwarzen “Kultur” und der omnipräsenten Ausgrenzung. Alltagsrassismus in a nutshell – aber am Bildrand. Bedauerlich ist hierbei lediglich, dass es “American Fiction” nie so richtig gelingt, seine starken Einzelmomente zufriedenstellend zu einem homogenen Ganzen zu vereinen. So bleibt das locker die Hälfte der insgesamt zwei Stunden Spielzeit einnehmende Familienleben von Monk unbefriedigend oberflächlich – und “American Fiction” dadurch nicht frei von Längen.

American Fiction ©Orion Pictures

Fazit

Als Satire erfrischend, als Familiengeschichte nur bedingt geglückt!

Bewertung: 3 von 5.

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