Weil der Mensch erbärmlich ist – Kritik

TitelWeil der Mensch erbärmlich ist
Genre Drama, Krieg
Jahr2023
FSK16              
RegieTim Mielants

Starttermin: 31.01.2024 (Netflix)

Überleben um jeden Preis?

Gefangen in einer moralischen Zwickmühle. Während des Zweiten Weltkriegs sahen sich Millionen von Menschen in den von deutschen Truppen besetzten Ländern einer schwierigen Entscheidung gegenüber: Zusammenarbeit oder Widerstand? Die Realität war düster und grausam. Diejenigen, die sich entschieden, mit den Nazis zu kooperieren, taten dies oft aus einer Notwendigkeit heraus, ihr eigenes Leben und das ihrer Familien zu schützen. Die Alternative: Folter, Verhaftung oder gar der Tod. Es ist leicht, aus der Distanz zu urteilen, aber inmitten der Verzweiflung des Krieges war die Realität alles andere als klar und der Überlebenswille oft größer als die eigene Menschlichkeit. Das belgische Kriegsdrama “Weil der Mensch erbärmlich ist” bringt dieses moralische Dilemma auf den Punkt und erweist sich bereits nach wenigen Minuten als ein außergewöhnliches Netflix Original, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

Weil der Mensch erbärmlich ist ©Netflix / Kinepolis Film Distribution

Und darum geht es…

1942: Der Zweite Weltkrieg ist im vollen Gange und macht auch vor der belgischen Handelsstadt Antwerpen keinen Halt. Seitdem die deutschen Truppen die Kontrolle übernommen haben, steht auch die lokale Polizei unter der Führung der Besatzer. Wer sich weigert, dem bleibt nur der Tod. Auch die beiden jungen Polizisten Wilfried Wils (Stef Aerts) und Lode Metdepenningen (Matteo Simoni) geben dem Druck widerwillig nach. Als sie sich jedoch, geplant von ihrem Gewissen, gegen einen deutschen Soldaten auflehnen und dieser beim Versuch ein jüdisches Mädchen zu töten, selbst zu Tode kommt, beginnt ein riskantes Versteckspiel zwischen geheuchelter Loyalität und echter Courage.

Weil der Mensch erbärmlich ist ©Netflix / Kinepolis Film Distribution

Zwischen Notwendigkeit und Moral

“Weil der Mensch erbärmlich ist” porträtiert den Schrecken des Krieges aus einem unverbrauchten Blickwinkel und gewinnt dem in der Filmwelt doch etwas zu inflationär eingesetzten Zweiter Weltkriegsszenario einige spannende, neue Facetten ab. Es dauert nicht lang, da entfaltet das Netflix Original bereits eine komplexe Emotionalität zwischen echter Betroffenheit, lähmender Ohnmacht und Hochspannung zugleich. Auch wenn die Romanverfilmung die in der ersten halben Stunde angestimmten Töne der Gefühlsklaviatur nicht über die gesamte Laufzeit bespielen kann und sich im Mittelteil etwas in Nebensächlichkeiten verliert, ist das Ergebnis doch beeindruckend.

Weil der Mensch erbärmlich ist ©Netflix / Kinepolis Film Distribution

Dass das Bestreben von Protagonist Wilfried Wils moralisch stets richtig zu handeln, ihn und die Menschen, die er liebt, mehr und mehr in Bedrängnis bringt, spiegelt sich auch in der Inszenierung wider. Mit dem eingerückten 4:3 Format verpasst Tim Mielants der ausweglosen Pattsituation einen passenden visuellen Rahmen, während die ästhetisch fotografierten Schauplätze für ein atmosphärisches Zubrot sorgen. “Weil der Mensch erbärmlich ist” sieht fantastisch aus und ist darüber hinaus noch großartig gespielt – selbst im verhältnismäßig schwachen, aber immer noch überzeugenden Mittelteil. Angesichts des emotionalen Schlussakts ist aber auch dieser marginale Qualitätseinbruch letztlich kaum der Rede wert.

Weil der Mensch erbärmlich ist ©Netflix / Kinepolis Film Distribution

Fazit

Ein emotionales Kriegsportrait abseits der Schützengräben!

Bewertung: 4 von 5.

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