“Wolf Creek”-Fiesling auf Dämonenjagd
Kaum zu glauben, aber wahr: Der Vatikan verfügt über eine eigene Exorzismus-Schule, und zwar an der Universität Regina Apostolorum. Was wie ein skurriles Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit klingt, ist jedoch aktueller als man denkt. So gibt es an der Akademie der katholischen Kirche bis heute Kurse, um Priester für die Durchführung von Exorzismen auszubilden. Die Fortbildungs- und Auffrischungskurse beinhalten theologische, liturgische und psychologische Aspekte, um den Priestern die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln, um Exorzismen gemäß den Richtlinien der katholischen Kirche durchzuführen. Wenn sich nun also ein völlig durchgeknallter Exorzismusfilm das Prädikat “basierend auf wahren Begebenheiten” auf die Fahne schreibt, kann man den Verantwortlichen also nicht einmal böse sein – irgendwie sind die Schauergeschichten ja doch in der Realität verankert. Selbst “The Possessed“…

Und darum geht es…
Nach außen hin wirkt Jacob Chandler (John Jarratt) wie ein ganz normaler, freundlicher älterer Herr. Doch er hat eine besondere Gabe. Jacob ist Exorzist und bietet jedem seine Dienste an, der glaubt, von einem Dämon besessen zu sein. So hat er gemeinsam mit seinem Neffen Liam (Lincoln Lewis) schon viele Dutzend Exorzismen durchgeführt. Als Liams Freundin Atalie Carlisle (Lauren Grimson) eines Tages offenbart, selbst auch das Böse sehen zu können, tun sich die Drei zusammen. Doch bereits bei ihrem ersten gemeinsamen Fall geraten sie schnell an ihre Grenzen – und Jacobs bisher mächtigsten Gegner!


Sinnbefreite Exorzismus-Compilation mit Unterhaltungswert
Keine eigenen Ideen – und doch unerwartet anders. Wer einmal einen Exorzismusfilm gesehen hat, kann im Prinzip getrost auf alle weiteren verzichten. Das immergleiche Schema des Horrorsubgenres zieht sich durch nahezu jeden Ableger ungeachtet des Produktionsjahrs oder des Herkunftslands – zumindest war das so, bis sich der australische Horror-Regisseur Regisseur Chris Sun (“Boar”, “Charlie’s Farm”) mit seiner Interpretation eines Bessesenheitshorrorfilms “The Possesed” ebenfalls an die Thematik heranwagte. Der scheint händeringend nach einer Möglichkeit gesucht zu haben, so ziemlich jede Art von Dämonen – und Austreibungsvariante unter einen Hut zu bekommen, um sich letztlich dafür zu entscheiden, einfach ein wildes, unzusammenhängendes Exorzismus-Best-of abzufeuern – frei von Dramaturgie, Plot und Charakterentwicklung. Wenn sich also “Wolf Creek”-Darsteller John Jarratt einmal kreuz und quer durch “The Possessed” exorziert, dann auf die stumpfste nur mögliche Weise – aber auch eine verdammt unterhaltsame.

Wenn das in seinem Produktionsland Australien sogar in den Kinos angelaufene, bunte Exorzismus-Potpourri ausgerechnet mit dem billigsten Creature-Design und den schwächsten Effekten des gesamten Films beginnt, lässt der Auftakt Böses ahnen. In Anbetracht der unfreiwillig komischen, nie gruseligen Folgeminuten mag sich das einerseits bewahrheiten, wenngleich der affine Horrorfan mit einer unterhaltsamen und pickepackevollen Ansammlung an plötzlich doch noch großartigen, handgemachten Effekten und spaßigen Ideen belohnt wird. Hier kommt einfach alles zusammen! Statt einer erzählerischen Linie zu folgen, springt “The Possesed” dabei lieber wiederholt zurück in die Vergangenheit, nur um noch eine, und noch eine, und noch eine Austreibung mit ins Portfolio aufnehmen zu können. Wenn im Abspann dann der echte “Jacob”, der im wahren Leben eigentlich Mark Gardener heißt, in Archivaufnahmen seinen händefuchtelnden Wahnsinn zum Besten gibt (ja, den Mann gibt es wirklich), könnte man die vorangegangene unfreiwillige Komik eigentlich auch als Vorlagentreue verbuchen.

Fazit
Abwechslungsreicher Spaß am Austreiben. Ohne Sinn, ohne Verstand, dafür aber mit ordentlichem Pacing und einer vollen Dröhnung, Exorzismus-Horror!

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