| Titel | LasVegas |
| Genre | Drama, Romanze |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 12 |
| Regie | Kolja Malik |
Kinostart: 18.01.2024
Berauschend wie Vegas bei Nacht
Las Vegas, die Stadt der Sünde, der Shows und… der Blitzhochzeiten! Ein Ort, an dem man sich ebenso schneller das Ja-Wort geben kann, wie Haus und Hof am Pokertisch verspielen. Die Hochzeitskapellen der glitzernden Wüstenmetropole sind der Hotspot für Paare, die es eilig haben – oder die einfach ihre Liebe mit einem Hauch von Verrücktheit krönen. Denk man daran durchzubrennen, denkt man in der Regel auch an Vegas – so auch Sunny, der seine neue Bekanntschaft im deutschen Arthouse-Drama “LasVegas” am liebsten direkt mit dorthin entführen würde!

Und darum geht es…
Tristan (Tim-Fabian Hoffmann) träumt davon, als Modedesigner groß herauszukommen, doch der Trubel und die Öffentlichkeit ist dem introvertierten jungen Künstler schnell zu viel. Sunny (Daniel Roth) dagegen ist das komplette Gegenteil. Als Travestiekünstler lebt er in den Tag hinein, schläft für Geld mit Fremden und handelt lieber aus dem Bauch heraus als groß über seine Taten nachzudenken. Als das ungleiche Paar aufeinander trifft, knistert es sofort. Angesteckt von Sunnys anarchistischem Freiheitsdrang wächst Tristan schnell über sich hinaus, wird dann aber genauso schnell wieder von der Realität eingeholt – mit ungeahnten Folgen!


Wenn es Tag wird in Vegas...
Tristan ist einerseits ein kreativer Kopf, voller Ideen und Fantasie, durch die Abhängigkeit zu seiner Familie und der Eigenschaft, sich selbst zu limitieren, aber auch gehemmt, sich vollständig zu entfalten. Dass er in Sunny einen Menschen findet, der ihm dabei hilft, diese Mauern einzureißen, zeigt sich bereits beim anfänglichen Liebeshoch, entfaltet jedoch erst im darauf folgenden Abstieg seine volle Wirkung. Nach dem High herrscht erst einmal Katerstimmung. Wie nach einem Amphetamintrip, der den Körper um sämtliche Endorphine beraubt zurücklässt, liegen die heiteren Gefühle auch in “LasVegas” erst einmal brach und weichen einer surreal düsteren Atmosphäre. Der Rausch selbst spielt in Kolja Maliks Regiearbeit sowieso eine große Rolle und wird zum stetigen Begleiter von Liebe, Drogen und Kunst, was auch in der experimentierfreudigen Inszenierung aufgegriffen wird. Die einprägsame Musikvideoästhetik wird mit Tristans Abstieg mehr und mehr von manischer Theatralik durchzogen.

Die Disharmonie innerhalb Tristans Beziehung zu Sunny spiegelt sich auch auf der Tonspur wider. So schwelgen die beiden, unterlegt mit sphärischen Indiepopballaden, in ihrem romantischen Liebesglück, um im nächsten Moment gemeinsam mit einem mit Störgeräuschen überladenen Score in den Abgrund zu rasen, oder zu den Klängen 80er-Jahre Synthepop-Songs durch die Nacht zu rauschen. Die Musik spielt hierbei ihre komplette gefühlsverstäkende Eigenschaft aus, sodass “LasVegas” eben immer dann am besten funktioniert, wenn nicht gesprochen wird – was aber auch daran liegt, was und vor allem, wie etwas gesagt wird. Die Dialoge wirken größtenteils nicht gespielt, sondern aufgesagt und verkommen zu leblosen Wortbausteinen. Ein Problem, mit dem viele deutsche Produktionen, die sich krampfhaft an die geschriebenen Zeilen des Skripts festklammern, zu kämpfen haben. Wenn nach zwei betörenden Dritteln der Spielzeit dann doch noch die Bahnen einer wackeligen Liebesgeschichte verlassen werden, wirkt “LasVegas” auf den letzten Metern plötzlich seltsam gehetzte und plotgetrieben.

Fazit
Der audiovisuelle Rausch der außergewöhnlichen Liebesgeschichte erschöpft sich auf den letzten Metern!

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