| Titel | My Sailor, My Love |
| Genre | Romanze, Drama |
| Jahr | 2022 |
| FSK | ungeprüft |
| Regie | Klaus Härö |
Kinostart: 15.02.2024
Ahoi, späte Liebe!
„My Sailor, My Love“ von Klaus Härö ist eines dieser behäbigen und realitätsnahen Independent-Dramen und erzählt uns von Liebe im hohen Alter, plus einer angespannten Vater-Tochter-Beziehung. Wie man unschwer erkennen wird, handelt es sich bei „My Sailor, My Love“ um eine niedrigbudgetierte Europroduktion, die dennoch wunderschöne Landschaftsaufnahmen von der irischen Küstengrafschaft Mayo bietet, sowie überzeugend-nuancierte Darstellerperformances.

Und darum geht es…
Der mürrische und nach dem Tod seiner Frau in Einsamkeit lebende Ex-Seemann Howard (James Cosmo) bewältigt seinen Alltag nicht mehr selbstständig, weshalb seine Tochter Grace (Catherine Walker) die lebensfrohe Annie (Brid Brennan) als Haushälterin engagiert, die Howards zweiten Frühling im Herbst erweckt. Wäre da nicht Howards angespanntes Verhältnis zu Grace.


Spätromanze verwehrt Konfliktlösung
Was „My Sailor, My Love“ richtig macht, ist dass er niemals zu sentimental oder kitschig wird. Es ist eine einfache, aus dem Leben gegriffene Story mit sympathischen Identifikationsfiguren und nachdenklicher Thematik über das Älterwerden, über Familienkonflikte, und das unausweichliche Voranschreiten der Zeit. Catherine Walker spielt die entfremdete und besitzergreifende Tochter Grace, deren Ehe kriselt und deren Neid auf Annie spürbar wird, da diese es im Gegensatz zu ihr schafft, sich ihrem griesgrämigen und grandios von James Cosmo gespielten Vater zu nähern und ihn zu erweichen. Die Chemie der drei Darsteller ist perfekt abgestimmt und sie liefern zwar ein zurückhaltendes Spiel, dafür aber komplexe Emotionen. Es sind ältere Darsteller und keine Hollywood-Abziehbilder, was sie glaubwürdiger erscheinen lässt, denn Charakterkomplexität ist das, was man heutzutage in großangelegten Produktionen sehnlichst vermisst. Am bekanntesten dürfte James Cosmo sein, der sonst in Nebenrollen auffiel und in die Kinogeschichte als Ewan McGregors Vater in „Trainspotting“ einging.

So wie die Darsteller sich passend zusammenfügen, so tun es auch Bild und Musik. Die Klaviermusik unterstreicht jede emotionale Szene und geht ins Ohr und Herz. Leider wird die Vater-Tochter-Beziehung nicht zufriedenstellend geklärt und die überforderte und traumatisierte Grace, samt ihrer Verletzlichkeit und Wut, muss Platz für die Romanze ihres Vaters machen. Wenn man weiß, dass man es bei „My Sailor, My Love“ mit einem Independent-Drama zu tun hat, kann man Langsamkeit, gar Langeweile erwarten, besonders, wenn man aufregendere Plots mit zugigerem Tempo gewohnt ist. Auch das Ende sei zu bemängeln, welches zwar nicht vorhersehbar scheint, aber gefühlsduseligkeithalber gezwungen wirkt. Wenn man jedoch auf gemächliche Real-Life–Dramas mit verharrenden Naturbildern und tränendüsenstimulierenden Klaviertönen steht, dem sei „My Sailor, My Love“ wärmstens empfohlen.

Fazit
Ein langsames und lebensechtes Drama mit nuancierten Performances und beeindruckenden Naturbildern, dafür aber mit unausgearbeitetem Vater-Tochter-Konflikt und aufgesetztem Schlussteil.

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