Fast perfekte Weihnachten – Kritik

TitelFast perfekte Weihnachten
Genre Komödie
Jahr2023
FSK12
RegieClément Michel

Kinostart: 07.12.2023

Stille Nacht, Greisige Nacht

Man bemerkt die mediale Weihnachtszeit durch die Fülle an Weihnachtsfilmangeboten. Manche von ihnen sind familienfreundlich („Die Muppets-Weihnachtsgeschichte“), andere brachialisch („Stirb Langsam“), und dann gibt es noch die, in denen es nicht sonderlich weihnachtlich zugeht, wie in der dialoglastig-kammerspielartigen und harmlosen Franco-Comedy „Fast perfekte Weihnachten“ von Clément Michel, bei dem ein Ehepaar statt mit den Kindern, das Fest mit zwei alten, für den Großteil des Humors verantwortlichen Damen verbringt.

Fast perfekte Weihnachten ©Splendid Film

Und darum geht es…

Als die Kinder ihren Besuch an Weihnachten absagen, verbringen Vincent (Franck Dubosc) und Beatrice (Emmanuelle Devos), inspiriert durch eine Gottesdienstpredigt, das Fest stattdessen mit den Altenheimbewohnerinnen Monique (Danièle Lebrun) und Jeanne (Danielle Fichaud), die mit ihrer Exzentrik für alles andere als besinnliche Weihnachten sorgen.

Fast perfekte Weihnachten ©Splendid Film

Fast perfekt? Nicht mal annähernd!

Comedies mit frechen alten Menschen ist nach wie vor ein bewährtes Mittel für Lachgarantie, da die Ältesten eine gewisse Narrenfreiheit haben, wenn es um Unverschämtheiten geht. Monique ist geistesabwesender und zurückhaltender als die schroffe und schamlose Jeanne, trägt dennoch ungemein zum Humor, durch ihre unfreiwillig (?) boshaften Bemerkungen bei. Weihnachtsliebhaber Vincent versucht das Beste aus der Festtagsstimmung zu machen, während die Stimmung von Ehefrau Beatrice immer mehr kippt. Die vier Darsteller sind gut aufeinander abgestimmt und die Kombination von Spießerpaar, das auf aufdringlich schamlose Greisinnen trifft, funktioniert halbwegs, denn es geht schleppend voran und erst im Laufe der kurzen Spielzeit wird es amüsanter, auch wenn es beim Kammerspiel ohne große Verwüstungen bleibt und die Katastrophen sich in Grenzen halten. Schade drum. 

Fast perfekte Weihnachten ©Splendid Film

Gegen Ende wird aus dem Dialogfeuerwerk eine moralische Lehrstunde über Vergänglichkeit und das Älterwerden, dass die Sorgen des Ehepaares im Vergleich zum letzten Lebensabschnitt der alten Damen unbedeutend erscheinen.  Das Paar lernt durch die Alteingesessenen etwas über die Bedeutsamkeit von Liebe und Familie. Dieser plötzliche Stimmungswechsel und die gezwungene Besinnlichkeit wären absolut nicht nötig gewesen und der Situationscomedy hätte es der unterhaltsamkeitshalber zur Genüge getan, wenn Regisseur Michel ein R-Rated-Wagnis eingegangen wäre. Potenzial wäre durch das Zusammenspiel der Festtagsteilnehmer reichlich vorhanden. Empfindsame Zuschauer mit zu großem Herzen können sich „Fast perfekte Weihnachten“ dennoch im Rahmen eines Weihnachtsfilmabends anschauen und die Lektionen willkommen heißen, genauso wie einsame alte Menschen in ihrem Leben. Es wäre nicht verwunderlich, wenn „Fast perfekte Weihnachten“ bis nächstes Jahr ein ausländisches Remake erfährt.

Fast perfekte Weihnachten ©Splendid Film

Fazit

Ein harmloses und dialoglastiges Kammerspiel ohne Überraschungen und große Turbulenzen, mit abruptem Tonwechsel und aufgezwungenem Lebenslehrmaterial.

Bewertung: 2.5 von 5.

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