Ich bin der Abgrund – Kritik

TitelIch bin der Abgrund
Genre Krimi, Thriller
Jahr2022
FSK16
RegieDonato Carrisi

Heimkinostart: 07.12.2023

Müll lügt nicht

Nach seinem nervenaufreibenden und 2017 von ihm verfilmten Thriller-Roman „Der Nebelmann“ legte der italienische Bestsellerautor Donato Carrisi fünf Jahre darauf den Psychothriller „Ich bin der Abgrund“ nach, für den er erneut sowohl das Drehbuch, als auch die Regie verantwortete. Der Film ist der beste Beweis, dass Künstler auch bei Eigenadaptionen auf ganzer Linie versagen können.

Ich bin der Abgrund ©Plaion Pictures

Und darum geht es…

Am Comer See sammelt ein namenloser Mann (Gabriel Montesi) Müll ein, aus dem er Geheimnisse der Menschen entlockt. Nachts zieht er verkleidet durch die Clubs und lockt Prostituierte an, die er, getrieben von einer fremden Stimme, ermordet. Sein Leben erfährt eine Wendung, als er das ebenfalls namenlose Mädchen (Sara Ciocca) mit lila Haarsträhne vorm Ertrinken rettet.

Ich bin der Abgrund ©Plaion Pictures

Schlechtes Schauspiel im schäbig-schönen Setting

„Ich bin der Abgrund“ ist eine verpasste Chance. Eine einfallsreiche Geschichte in einer faszinierenden Umgebung, ohne überzeugende Hauptfigur. Serienmörder sind im Allgemeinen bis zu einem gewissen Grad intelligent und charmant, doch dieser Typ ist nichts davon und kommt eher wie ein unbeeindruckendes Horrorfilmmonster daher. Auch die anderen Darsteller hinterlassen keinerlei bleibenden Eindruck. Die eigentlichen Stars sind die schäbigen Umgebungen. Das oft nächtliche, feuchte und böse Norditalien ist ein glaubwürdiger Ort, um Stories über menschliche Boshaftigkeit zu erzählen. In solchen Settings hat man das Gefühl, dass selbst Unschuldige zu Schandtaten bereit sind.

Ich bin der Abgrund ©Plaion Pictures

Man hätte Donato Carrisi bei den Dreharbeiten eine Wasserwaage bereitstellen sollen, da er wahnsinnig viele Aufnahmen im geneigten Dutch Angle verwendet. Es ist ein verständliches Stilmittel, um in einem Thriller mit dieser Technik Spannung zu erzeugen, aber das ist nicht für jede Szene notwendig. Auch der Schnitt ist unpassend. Zufällige Rückblenden, die für die Handlung nutzlos sind und dafür sorgen, dass man ein paar Sekunden braucht, um zu verstehen, dass man sich nicht in der Gegenwart befindet. Das Drehbuch ist sehr dürftig, völlig sinnlos, und klischeebeladen. Hinzu kommt ein langsames, Langeweile erzeugendes Tempo. In seiner ausführlichen und kalligraphischen Form erzählt Carrisi mit Worten und niemals mit Bildern, eine berufliche Deformation, die höchstwahrscheinlich auf seine Karriere als Schriftsteller zurückzuführen ist. 

Spiral – Im Strom der Lügen ©Plaion Pictures

Auch in der Entwicklung der Ermittlungen gibt es Momente, in denen allzu naiv von einer Stufe zur nächsten gesprungen wird, wie im Fall des Informatikprofessors, der es seltsamerweise schafft, in das Videoüberwachungssystem eines Krankenhauses zu gelangen. Details sind der Stoff, aus dem Krimigeschichten gemacht sind, die Bausteine, die eine Illusion zwingender Logik aufbauen, die zu den logischen Fähigkeiten von Detektiven oder Kriminellen zu passen scheinen. Hier lassen die verschiedenen sich überschneidenden Handlungsstränge jedoch zu wünschen übrig und der gesamte Film scheint seiner Metapher von Wasser und Regen leidenschaftlicher nachzugehen als der Aufklärung selbst. Wenn wir es nicht regnen hören, sind im Hintergrund Tropfgeräusche zu hören, die allein schon durch den Sound störend wirken. Bei über zwei Stunden Laufzeit erfährt man weder Spannung, noch Anspruch. Carrisi sollte sich besser weiterhin auf seine Serienkillerromane konzentrieren, anstatt selbst zum Killer vom italienischen Kino zu werden.

Spiral – Im Strom der Lügen ©Plaion Pictures

Fazit

Müll lügt nicht – und genau das ist „Ich bin der Abgrund“! Gnadenpunkte gibt es für das schäbig-schöne Setting.

Bewertung: 1.5 von 5.

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