Sick of Myself – Kritik

TitelSick of Myself
Genre Komödie, Drama, Horror
Jahr2022
FSK12
RegieKristoffer Borgli

Starttermin: 07.12.2023 (MUBI)

Fame ist eine bittere Pille, die man schlucken muss!

Das Münchhausen-Syndrom – eine rätselhafte, von den Schleiern der Psyche umwobene Störung, bei der der Mensch ein Theaterstück mit seinem eigenen Körper als Bühne inszeniert. In der Protagonistenroller, der Mensch selbst, als leidendes, krankes Individuum – ein Zustand der selbst herbeigeführt wird. Selbstverstümmelung, Vergiftung, Raubbau am eigenen Körper und damit Method Acting in Reinstform. Hinter diesem Schauspiel, versteckt hinter dem Bühnenvorhang, verbirgt sich meist ein Trauma oder ein tief verwurzeltes Verlangen nach Aufmerksamkeit und Trost. Signe kennt dieses Verlangen nur allzu gut – und setzt in der grotesken norwegischen Satire “Sick of Myself” mehr als nur ihre Gesundheit aufs Spiel, um die Anerkennung zu bekommen, die ihr ihrer Meinung nach zusteht!

Sick of Myself ©Tandem Films

Und darum geht es…

Eigentlich führen die 20-jährige Barista Signe (“Ninjababy”-Darstellerin Kristine Kujath Thorp) und der Künstler Thomas (Eirik Sæther) eine Beziehung auf Augenhöhe – zumindest war das einmal so. Seit Thomas mit seiner Kunst plötzlich im Rampenlicht steht, fühlt sich Signe zunehmend übersehen und unwichtig. Eine kleine Heldentat bei der Arbeit gibt ihr einen kurzen Aufschwung, der aber so schnell wieder verblasst wie er gekommen ist. Wenn es nur etwas gäbe, mit dem sie sich endlich wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken könnte? Eine schwere Krankheit wäre da doch genau das Richtige! 

Sick of Myself ©Tandem Films

Das krankhafte Verlangen nach Aufmerksamkeit

Eines vorweg: “Sick of Myself” hat keinesfalls den Anspruch, sich als fachliche Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild des Münchhausen-Syndroms zu inszenieren, sondern versteht sich viel mehr als eine bitterböse, rabenschwarze Gesellschaftskritik. Eine Satire auf die versnobte Künstlerszene, die Medienbranche und dem durch Social Media ausgelösten Zwang zur Selbstinszenierung – koste es, was es wolle. Aus einer toxischen, von kompetitivem Wetteifern getriebenen Beziehung heraus entwickelt Signe immer neue Wege, sich eine aufmerksamkeitabsorbierende Identität draufzuschaffen. Egal ob es Mitleid, Respekt oder Trost erntet. All pubicity is good publicity!

Sick of Myself ©Tandem Films

Wenn die durch und durch narzisstische Signe zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, sodass ihr eine stark blutende Frau zufällig in die Arme läuft, berichtet sie noch zwei Wochen später von nichts anderem, selbstverständlich wohlwollend zu ihren Gunsten ausformuliert. Ohne sie wäre die Frau heute tot, darf bei den Ausführungen nicht fehlen, genauso wenig wie das passiv-aggressive Herunterspielen seitens ihres nicht weniger wetteifernden Partners. Ist die Aufmerksamkeit erst einmal abgeklungen, wird sich eben eine Nussallergie attestiert und bis zum, für das von Fremdscham überrumpelte Publikum kaum zu ertragenden Ende durchgespielt. Auffliegen ist keine Option. Übersehen zu werden erst recht nicht! Und das ist dann auch erst der Anfang und absolut kein Vergleich zum zunehmend in den Bodyhorror abdriftenden Zynismus-Wahnsinn, den “Sick of Myself” noch bereithält. 

Sick of Myself ©Tandem Films

Fazit

Eine bitterböse Satire mit vereinzelten Body Horror-Einschüben. Unangenehm, lustig – und unangenehm lust!

Bewertung: 4 von 5.

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