Rebel – In den Fängen des Terrors – Kritik

TitelRebel – In den Fängen des Terrors
Genre Krieg, Drama
Jahr2022
FSK16
RegieAdil El Arbi, Bilall Fallah

Kinostart: 30.11.2023

Ein augenöffnender Blick hinter die grausame Fassade des Terrors

Denkt man an Terroristen – in diesem Fall erübrigt sich eine gendergerechte Formulierung – denkt man an ideologisch, religiös, oder politisch motivierte Männer, die, bereit für ihre radikale Überzeugung zu kämpfen, töten und sterben, sich einzig und alleine ihrem Ziel verschrieben haben. Auch die Suche nach Identität und Zugehörigkeit fällt oft in Zusammenhang mit dieser Radikalisierung. Was jedoch oft unter den Tisch fällt, ist der traurige Fakt, dass nicht alle Männer, die sich terroristischen Gruppierungen anschließen, dies aus eigenen Überzeugungen oder freiem Willen tun. Einige werden durch Zwang, Manipulation oder andere Formen von Gewalt rekrutiert – sei es durch Drohungen gegen sie oder ihre Familien. Mit ihrem erschreckenden IS-Drama “Rebel – In den Fängen des Terrors” gewähren die Regisseure Adil El Arbi und Bilall Fallah einen unverbrauchten, neuen Blick auf die Männer hinter dem Terror!

Rebel – In den Fängen des Terrors ©Busch Media Group

Und darum geht es…

Kamal (Aboubakr Bensaihi) ist Rapper, Youtuber und nicht nur in seinen Texten das eine oder andere Mal mit der Polizei aneinandergeraten. Dennoch hat er das Herz am rechten Fleck und ist stets um das Wohlergehen seines jüngeren Bruders Nassim (Amir El Arbi) und seiner aufopferungsvollen Mutter Leïla (Lubna Azabal) bemüht. Nach einem missglückten Drogendeal muss er seine Heimat Belgien fluchtartig verlassen – und damit auch die Menschen, die er am meisten liebt. Kamal macht seine Not zur Tugend und reist nach Syrien, um dort den Opfern des Krieges zu helfen. Als er dort jedoch unfreiwillig in die Fänge der Islamischen Staates gerät, gibt es nur eine Möglichkeit lebend aus der Situation zu geratet: Er muss sich der Terrorgruppierung anschließen, um seine eigene Haut zu retten.

Rebel – In den Fängen des Terrors ©Busch Media Group

Töten um zu Leben!

Einmal Hollywood und wieder zurück: Nach ihrem Achtungserfolg, der actiongeladenen Ghettokomödie “Gangstas 4 Life” und der damit einhergehenden Qualifizierung für für ihren ersten großen Übersee-Job “Bad Boys for Life”, geht es für das belgische Regieduo Adil El Arbi und Bilall Fallah mit “Rebel – In den Fängen des Terrors” wieder zurück in die Heimat Belgien und gleichzeitig zu einem Thema das die beiden Männer marokkanischer Abstammung sehr zu beschäftigen scheint. Die zwischen Kriegs- und Familiendrama hin und her schwankende Geschichte einer ebenfalls aus Marokko stammenden Familie, vermittelt einen authentischen Blick darauf, wie der Terror – ob durch gezielte Manipulation oder roher Gewalt – das Leben junger muslimischer Männer auf den Kopf stellen kann. Ob Kamal, dem durch martialische Gewalt überhaupt keine andere Option bleibt als binder gehorsam, oder dessen junger Bruder, der gehirngewaschen von der propagandistischen Arbeit, seinem medial als skrupellloser Terrorist dargestelltem Bruder nacheifert.

Rebel – In den Fängen des Terrors ©Busch Media Group

Was das Publikum zunächst nicht weiß, ist, dass Kamal keinesfalls selbst der radikalen Ideologie verfallen ist – und lediglich im Angesicht des eigenen Todes zum Mörder mutiert. Wie das geschieht, dröselt “Rebel – In den Fängen des Todes” nach einem in der Exposition gezeigten Hinrichtungsvideos des IS, mit Kamal am Abzug, anschließend erst in der in Rückblenden erzählten Geschichte auf. Der Kniff dabei ist folgender: Wenige Sekunden des Filmmaterials reichen aus, um Kamal als Antagonisten zu identifizieren. Die Wahrheit hingegen ist eine andere. Das regt zum Nachdenken an! Bei der Bemühung, möglichst alle Perspektiven abzubilden, verliert die aus drei Blickwinkel (Mutter, Kamal, Nassim) geschilderte Familientragödie jedoch ein wenig den Fokus und bleibt in den entscheidenden Momenten oft zu oberflächlich und im Erzählfluss zu sprunghaft. Auch der Mut inszenatorische Risiken einzugehen – was sich vor allem in drei Rap-Musical-Einlagen zeigt – verfehlt die angestrebte Wirkung und dämpft die bedrückend emotionale Sprengkraft eines außergewöhnlich nuancierten Terrordramas.

Rebel – In den Fängen des Terrors ©Busch Media Group

Fazit

Ein außergewöhnliches Terrordrama!

Bewertung: 3 von 5.

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